13. Juni 2017, 05:00 Uhr

Prozess

Sex mit Tochter oder Rache der Ex?

Schweren Vorwürfen sieht sich ein Angeklagter aus der Wetterau ausgesetzt: Er soll seine eigene Tochter sexuell missbraucht haben. Er bestreitet alles, spricht von einem Racheakt seiner Ex-Partnerin.
13. Juni 2017, 05:00 Uhr

Oralverkehr auf der Couch, Eindringen mit dem Finger in die Vagina, Pornos im Wald und Oralverkehr im Bett – und all das mit der eigenen Tochter, die damals zwischen 8 und 14 Jahre alt war. Schwer wiegen Vorwürfe, die Erwin P. (Name geändert, die Red.) auf die Anklagebank der Jugendstrafkammer am Gießener Landgericht gebracht haben. Wird der Wetterauer verurteilt, drohen ihm mehrere Jahre Haft. Aber hat er es wirklich getan? Zum Prozessauftakt stritt P. alles ab.

Niemals sei er mit seiner Tochter allein gewesen, niemals habe er sie unsittlich berührt. Das war am Montag die zentrale Aussage des Mannes. Nach seiner Scheidung hatte Erwin P. etwa zeitgleich zwei Frauen kennengelernt. Mit einer lebte er bald zusammen, umsorgte die beiden Söhne, die andere war eine Arbeitskollegin, anfangs nur eine Freundin. Trotz aller Vorsätze blieb es nicht bei der Freundschaft. Und trotz der Zusicherung, sie nehme die Pille, wurde die Frau Ende der 90er Jahre schwanger. Das Kind wollte sie austragen, wegen des Streits darüber sah man sich einige Zeit nicht mehr.

Finanziell berührte ihn der Nachwuchs nicht: Der Noch-Ehemann der jungen Mutter hatte trotz des Wissens, nicht Erzeuger des Mädchens zu sein, die Vaterschaft übernommen. 2002 sah P. seine Tochter kurz, dann erst wieder ab 2007, von da an recht oft. Denn neben der Beziehung zur Dauerpartnerin fand die Kurzepisode eine Fortsetzung. Man traf sich regelmäßig in der Friedberger Wohnung der Frau, die sich von ihrem Mann getrennt hatte. Und nicht nur auf einen Kaffee, wie P. einräumte.

2008 zog er sogar in die Wohnung in der Kreisstadt. Das Zusammenleben ging nur ein Jahr lang gut, P. zog wieder zu seiner Partnerin Nummer eins. Doch auch nach der Trennung im Sommer 2009 kam der Angeklagte einmal in der Woche nach Friedberg. Oft in der Frühstückspause oder gegen Abend.

Wieder blieb das Techtelmechtel nicht ohne Folgen: Die Frau wurde erneut schwanger. P. wollte sich endgültig trennen, doch mit Drohungen und Selbstmordankündigungen habe sie ihn immer wieder umgestimmt. Anfang 2011 versuchte man es erneut mit dem Zusammenwohnen, nach wenigen Tagen war wieder Schluss. Den Unterhalt für das zweite Kind habe er gezahlt, ebenso die Miete, doch an die psychisch labile und »äußerst eifersüchtige« Frau binden wollte er sich nicht mehr. Die Friedberger Wohnung gab die Frau auf, der Angeklagte besorgte ihr eine andere in Echzell. Im Frühjahr 2013 zog die Frau ein. Der Angeklagte sollte erneut mitkommen, doch diesmal währte das gemeinsame Glück gerade mal drei Tage.

Seit Mai 2013 habe er keinen Kontakt mehr zur Ex-Partnerin und den Töchtern – bis ihn die Anzeige der älteren Tochter erreicht habe. Die Beschuldigungen stimmten »in keinster Weise«, sagte der Angeklagte. Wenn die Lage eskaliert sei, habe ihm die Partnerin gedroht: »Dich mach ich fertig!« – und zwar so, wie sie es jetzt versuche, mit dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs.

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