27. Februar 2019, 20:17 Uhr

Shantys vom Feinsten

27. Februar 2019, 20:17 Uhr
Die Sänger des Shanty-Chors in Friedberg sind wie Seemänner gekleidet. Damit die Zuhörer auch wissen, was es mit der Musik auf sich hat, gibt es Erläuterungen. (Foto: lh)

Man musste schon etwas den Kopf einziehen: Am Eingang ins Alte Rathaus am Marktplatz von Ober-Rosbach prangte am letzten Samstag ein riesiges Schild und machte darauf aufmerksam, dass man hier in die Haifischbar gelangen konnte – der Eingang wurde dabei stilgerecht etwas kleiner.

Drinnen war es dann zwar dunkler als sonst, aber gemütlich wie immer. Diesmal hatte die Kulturinitiative Verzauberwelt Baidergasse den Raum in eine Seemannskneipe verwandelt. Mit roten Barlampen, Fischernetzen, einem Hai über der Theke, Muscheln und Kerzen auf den Tischen sowie einem Riesenfisch am Klavier fühlten sich die teilweise maritim gekleideten Gäste schnell wie im Urlaub an der Küste. Die Haifischbar wurde voll an diesem Abend. Nachdem man sich an der Bar mit Trink- und Essbarem versorgt hatte (es gab Heringssalat nach Rezepten aus Deutschland, Kuba und Frankreich) begrüßte Wirt Gottfried Blöcher sein Publikum und bat darum, mit einem herzlichen Applaus die Aktiven des Shanty-Chors Friedberg auf die Bühne zu holen.

Matrosen im 19. Jahrhundert

Und dann ging es gleich kraftvoll seemännisch zur Sache mit den Arbeitsliedern der Matrosen auf den großen Segelschiffen des 19. Jahrhunderts. Dirigent Kai Michel hob den Taktstock, und Shanty-Man Markus Haßfurter und die Crew präsentierten Shantys vom Feinsten: »Blow the Man down«, »Haul away Joe«, »Spanish Ladies«, »What shall we do« und viele andere Beiträge begeisterten das Publikum. Danach gab es einen kleinen Vortrag: Crewmitglied Peter Hähn erläuterte, wie die Shantys entstanden und wozu sie gebraucht wurden. Die interessierten Zuhörer erfuhren viel über das Segel setzen, das Lichten des schweren Ankers, das Einholen der Taue. Besonders bedeutend: Der Shanty-Man. Er was damals wie heute der beste Sänger, und der vielleicht wichtigste Mann an Bord: er gab den Takt vor.

Es folgte ein kleines Intermezzo – zwei Soli mit Gitarre. Johannes Latsch und Volker Michel machten deutlich, dass man sich nach der harten Arbeit durchaus auch amüsieren konnte: Sie sangen von der Liebe des Matrosen zur wunderschönen Indianer-Squaw Shenandoah, und entführten mit dem Shanty Swansee Town in die Rotlichtviertel der Häfen. Schließlich kam der Teil des Abends, auf den viele Gäste wohl schon sehnsüchtig gewartet hatten: Kai Michels Crew verteilte Textblätter mit den populärsten Seemannsliedern. Was dann kam, musste man einfach gehört haben: Mit Inbrunst und lauter Stimme sangen alle Gäste in der Haifischbar »Winde wehen…«, »Hamborger Veermaster«, My Bonnie…« und natürlich auch »Auf der Reeperbahn…« – insgesamt elf Ohrwürmer komplett. Der Abend endete in bester Stimmung und auf Bitten des Veranstalters Gottfried Blöcher diesmal mit einer Zugabe für die Künstler: Mit Reinhard Meys »Gute Nacht Freunde« und nicht ohne Hinweis darauf, dass am 24. März der nächste Mitsingabend mit dem Shanty-Chor Friedberg bevorsteht – allerdings nicht in Rosbach, sondern wieder einmal im Hüttchen in Friedberg. Hier darf man gern zur öffentlichen Probe kommen und mitsingen.

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