11. März 2019, 09:01 Uhr

Abrissparty

So lief die Abrissparty »KW46« in Nieder-Mörlen

Auf dem Gelände der ehemaligen Araltankstelle in Nieder-Mörlen ging es am Wochenende um den Schutz und die Bedrohung der Natur. Künstler widmeten sich dem Thema bei der Abrissparty »KW46«.
11. März 2019, 09:01 Uhr
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Von Corinna Weigelt

Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel spürt, und die letzte, die etwas dagegen tun kann.« Das Zitat des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Barack Obama diente am Wochenende als Motto der vierten Kunst- und Abrissparty »KW46« auf dem Gelände der ehemaligen Aral-Tankstelle in Nieder-Mörlen. Ein sehr treffendes Motto für die Location, steht doch auch die alte Tankstelle für Ressourcenverbrauch. 16 Künstlerinnen und Künstler sowie junge Graffiti-Sprayer rückten das Thema in den Mittelpunkt. Veranstaltet wurde »KW46« wieder vom Förderverein für Jugendkultur und Jugendarbeit, kurz JUKA e.V.

Mit Graffiti, Malerei, Fotografien und Skulpturen haben sich die Künstler mit dem Schutz und der Zerstörung der Umwelt auseinandergesetzt. Aufwendige Lichtinstallationen gaben der Szenerie eine besondere Atmosphäre. Mehrere DJs sorgten für die passende Musik, und bereits im Shuttle-Bus der Stadtwerke stimmte die Band Pauli am Freitag auf die Abrissparty ein. Viele Gäste folgten schon am Donnerstag der Einladung zur Vernissage, ehe zwei Tage lang bei freiem Eintritt gefeiert wurde.

 
Fotostrecke: "KW46"-Kunst- und Abrissparty auf dem Gelände der früheren Aral-Tankstelle in Nieder-Mörlen

Bilder aus Tschernobyl

Timo und Janina kamen aus Gießen nach Nieder-Mörlen, um erstmals bei der »KW46« mitzuwirken. Das große Kunstwerk, das Timo Erhardt mit Spraydosen gestaltet hat, zeigt drei fröhliche Babys, die mit bunten Blumen spielen. Im Hintergrund eine dreckige schwarze Wand. »Sie steht für die Umweltverschmutzung«, erklärt Timo. »Die kleinen Babys davor für die Unschuld.« Wie alle Künstler hat sich auch Timo vorab Gedanken gemacht, wie man das KW46-Motto in Szene setzen kann.

Fotograf Konrad aus Friedberg hingegen hatte hier bereits reichlich Material. Zweimal war er in Tschernobyl, an jenem Ort, an dem sich am 26. April 1986 das große Reaktorunglück ereignete. Weltweit veränderte die Katastrophe das Denken der Menschen und deren Beziehung zur Kernenergie. Tschernobyl wurde zu einem Synonym für die nicht vollständige Beherrschbarkeit der Atomenergie.

Seine Eindrücke hat Konrad auf vielen Bildern festgehalten – voller Stille. Seine »Lost Places« setzen Signale und sind zugleich eine Warnung. Fünf seiner Bilder hatte er mitgebracht, darunter einen verlassenen Klassenraum, eine Gasmaske und das Abbild eines erschütterten Fotografen.

 

Mehrere Hundert Bilder geschreddert

Fotograf Michael Hauler hat die alten Aral-Hallen noch einmal in Szene gesetzt, auch sie sind dem Untergang geweiht. »Wir sind ja die letzte Generation, die dieses Gebäude nutzt«, sagte Hauler. Auch die Tankstelle ist längst zu einem »Lost Place« geworden. Die Künstlerinnen »Ännekon, Kiana, Tabitha« haben in aufwendiger Arbeit eine Video-Installation erstellt. Fleißig wurden mehrere Hundert Bilder erarbeitet und geschreddert. Auf der einen Seite ist der Blick auf Landschaften und Wasser gerichtet, die andere zeigt Katastrophen.

Mit Jan »Heartmann« ergänzte ein weiterer besonderer Künstler die Veranstaltung. Aus 16 000 Kronkorken hat er ein riesiges Taj Mahal gestaltet. Seine Kunstwerke entstehen in Korrespondenz mit dem Publikum, oft live und interaktiv. Die Besucher werden bei ihm zur Mitarbeit aufgefordert. Und das kommt gut an. »Sie haben das Gefühl, einen Beitrag geleistet zu haben«, erzählt der Künstler, der bereits ein neues, aufwendiges Projekt mit Würfeln vor Augen hat. Gemeinsam mit Gabriela Horcher diskutierten die Künstler über das Motto. »Es ist fünf vor zwölf« lautete das Fazit. Ein jeder könne im Alltag aktiv werden. »Auf Plastik beim Einkauf verzichten, das Fahrrad dem Auto vorziehen, Fleischkonsum reduzieren«, lauteten nur drei von vielen Ratschlägen.



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