21. Juni 2017, 10:12 Uhr

Kirschendiebstahl

»Soko Kirsche« stellt in Ockstadt 15 Diebe

Den Kirschenbauern in Ockstadt reichts, der Diebstahl nimmt überhand. Die »Soko Kirsche« legt Kirschendieben jetzt das Handwerk. 15 Langfinger wurden am Wochenende ertappt.
21. Juni 2017, 10:12 Uhr
Alles im Blick: Privatdetektiv Thomas Magnus überwacht die Ockstädter Kirschenplantagen. (Foto: Wagner)

Es ist kurz vor 20 Uhr, der SUV von Privatdetektiv Thomas Magnus rollt mit leise knirschenden Reifen über einen Feldweg. Links stehen mannshohe Kornfelder, hier könnte sich jeder verstecken. Die Kirschenplantage auf der rechten Seite ist mit einem Zaun geschützt. Hier wurden keine zwei Stunden zuvor zwei Männer aus Heppenheim beim Pflücken erwischt. »Die wissen, dass das illegal ist. Aber denen ist das egal«, sagt Magnus. In diesem Augenblick nähert sich von vorne eine Person.

Eine Stunde zuvor, in einer Scheune am Ortsrand von Ockstadt. Steffen Rehde reicht es. »Es wird immer schlimmer«, sagt der Landwirt. Die Umstehenden nicken. Die Diebe ernten ganze Plantagen ab und verkaufen die Kirschen in Frankfurt, oft in den gelben Originalkisten aus Ockstadt. Die, sagt ein Bauer, werden im Großmarkt gestohlen und wiederverwendet. »Mit Kirschen aus Italien, die nie bei uns gepflückt wurden.« Oder mit echten, gestohlenen Kirschen, die noch nicht zum Verzehr geeignet sind. »Das Spritzmittel ist noch nicht abgebaut. Wer die isst, kriegt furchtbare Bauchschmerzen.«

Den Kirschendieben dürfte das egal sein, den Bauern nicht. »Wir haben das ganze Jahr über die Arbeit, haben hohe Kosten, und dann kommen diese Typen und machen sich die Kisten voll.« Oft werden dabei Äste rausgerissen und die Bäume beschädigt. Die finanziellen Schäden liegen im drei- und vierstelligen Bereich. Die Landwirte haben eine WhatsApp-Gruppe gegründet, die sie ironisch »SoKo Kirsche« nennen. So informieren sie sich gegenseitig, wenn Diebe gesichtet werden. So groß ihr Ärger auch ist: Die Landwirte wissen, dass sie mit der Kontrolle der Kirschenplantagen überfordert sind. Welche Rechte hat man, wenn man einen Dieb stellt? Und was, wenn der sich wehrt?

 

Mafia, Mörder und Kirschendiebe

 

Für solche Fragen ist Thomas Magnus der richtige Mann. Magnus ist ein bulliger Typ, der den Eindruck vermittelt, man sollte ihm besser nicht widersprechen, wenn er einen beim Kaufhausdiebstahl erwischt. Magnus heißt eigentlich anders, doch er muss sich schützen. Seit vielen Jahren ist der ausgebildete Kampfsportler in dem Gewerbe tätig, bietet über seine Detektei DSD Observationen, Sicherheitsdienste und Personenschutz an. Bei Ermittlungen zur Wirtschaftskriminalität hat er mafiaähnliche Strukturen zerschlagen und einen Mörder festgenommen. Und er hat, auch das gehört zu seinem Job, vor Jahren den ausgebüxten Dackel des Schlagerbarden Jürgen Drews aufgespürt.

Magnus ist kein Haudrauf wie sein Frankfurter (TV-)Kollege Joseph Matula. »Der kloppt sich ständig«, lacht der Privatdetektiv. »Ich arbeite lieber diskret im Hintergrund.« Ärger gibt’s trotzdem hin und wieder. Am Samstag fielen ihm bei einer Kontrollfahrt drei Personen auf. Sie flüchteten im Dunkeln vom Feld, genau in seine Arme. »Ich habe die drei aufgefordert, sich auf den Boden zu legen. Es bestand Fluchtgefahr.« Magnus zitiert Paragraph 127 der Strafprozessordnung: »Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen.« Die Kirschendiebe wollten sich nicht hinlegen, einem von ihnen legte Magnus Handschellen an, was der Polizei offenbar nicht gefiel.

»Wenn bei den Personen keine Kirschen gefunden werden, ist es problematisch, ihnen einen Diebstahl nachzuweisen«, sagt Polizeisprecherin Sylvia Frech. »Dann geht das in den Bereich der Freiheitsberaubung.« Magnus hat aber alles richtig gemacht, am Montagabend erfuhr er: Die Polizei ermittelt nicht gegen ihn. Im Gegenzug schrieb er am Wochenende 15 Anzeigen gegen Kirschendiebe. Wer erwischt wird, muss 100 Euro Schadensersatzanspruch zahlen und sich auf eine Anzeige gefasst machen.

Bei der Person, die sich am Montagabend gegen 20 Uhr in den Kirschenplantagen an der Rosbacher Straße dem SUV des Privatdetektiven Thomas Magnus näherte, handelte es sich um eine Joggerin. Es bleibt der einzige Vorfall an diesem Abend, auch die Landwirte, die zu zweit mit Autos durch den Kirschenberg fahren, melden keine Vorkommnisse. Offenbar hat sich bei den Dieben herumgesprochen, dass mit der »Soko Kirsche« nicht gut Kirschenessen ist.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Diebe
  • Handwerk
  • Jürgen Drews
  • Kirschen
  • Landwirte und Bauern
  • Mafia
  • Mörder
  • Ockstadt
  • Polizei
  • Privatdetektive
  • Friedberg-Ockstadt
  • Jürgen Wagner
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen