27. Mai 2019, 19:57 Uhr

Sprudelhof wird zum Spielehof

27. Mai 2019, 19:57 Uhr
An Auswahl mangelt es beim Fest im Sprudelhof nicht: Mehr als 1000 Spiele stehen zum Verleih und zum Verkauf bereit, darunter Klassiker und Neuheiten. (Foto: jkö)

»Vier Felder für den grünen Sprinter - und weil ich damit im Windschatten stehe, darf ich noch ein Feld weiterrollen.« Geduldig erklärt Wolfram Tröder die Regeln des brandneuen Brettspiels »Flamme Rouge«, während er den filigranen Plastik-Radsportler den Bergparcours »hochstrampeln« lässt. Johannes Sauer hört konzentriert zu, nickt - und lässt sogleich seine eigene Spielfigur den nächsten »Bergpass« hinaufklettern. Normalerweise sitzt er gemeinsam mit seiner Freundin selbst auf dem Fahrrad, doch an diesem Samstag haben die beiden als Besucher des Festivals »Bad Nauheim spielt« im Sprudelhof auf das Brettspiel umgesattelt.

Somit trifft sich an diesem Tisch, was das Spiele-Festival zusammenbringen will: Der Spieleerklärer Wolfram Tröder ist routinierter »Vielspieler«, mehr als 600 Brett- und Gesellschaftsspiele hat er zu Hause. Seine Gäste hingegen sind - wie das junge Paar - zwar allesamt spielbegeistert, oft jedoch eher Gelegenheitsspieler.

Der Fundus, aus dem sie an diesem Wochenende gemeinsam schöpfen können, ist gigantisch: Mehr als 1000 Spiele stehen zum Verleih und zum Verkauf bereit - darunter absolute Klassiker, aber auch Neuerscheinungen wie »Flamme Rouge« oder »Undo«, bei dem die Spieler durch eine Reise in die Vergangenheit und geschicktes Auswählen verschiedener Szenarien einen Todesfall ungeschehen machen können.

Bereits zum siebten Mal hat sich der Bad Nauheimer Sprudel- an diesem Wochenende in einen Spielehof verwandelt. »Wir finden es toll, wenn wir noch mehr Menschen für das Spielen begeistern können«, erklärt Peter Berneiser, Sprecher der Friedberger Spielefirma Pegasus, ein zentrales Ziel des Spiele-Festivals. Für den Mitveranstalter ist das dreitägige Event darüber hinaus ein Highlight des Firmenjahres: Gezielt werden hier vor dem lokalen Publikum Neuheiten des Verlags präsentiert und Turniere für Vielspieler angeboten. Dass das analoge Spielen mit der Zunahme des »Handy-Daddelns« - wie oft kritisiert - aussterbe, beobachtet Berneiser nicht: »Deutschland ist ein Land der Vielspieler«, betont der Spiele-Profi, der sich selbst als »Vielspieler« bezeichnet.

Ein Trend, den Berneiser beobachtet und den er leidenschaftlich teilt: Korporative Spiele, bei denen jeder Spieler sein Geschick einbringen muss, um als Team das Spiel zu besiegen. Ein Beispiel ist »Robinson Crusoe«, bei dem die Spieler in der Rolle von Schiffbrüchigen etwa gemeinsam die Aufgabe erhalten, ein Leuchtfeuer zu entzünden.

Schwieriger Pyramidenbau

Dass solche Aufgaben auf den ersten Blick leichter sein können, als sie es am Ende sind, erfährt Tanja Jelinek gerade am eigenen Leib: Zwei Tische neben den »Radsportlern« sitzt sie mit der Tochter ihres Lebensgefährten am Spiel »Pylos«. Auf den ersten Blick ist das leicht erklärt: Die großen, griffigen Holzkugeln müssen zu einer Pyramide gestapelt werden, und wer die letzte Kugel setzt, gewinnt. Aber: »Für die, die anfängt, ist das mitunter ganz schön schwierig«, sagt Jelinek nach den ersten Runden.

Dabei darf das Spielen ruhig auch mal knifflig sein. Bei Fragen stehen die Spieleerklärer rund um Wolfram Tröder zur Seite: Sie werden regelmäßig von Pegasus geschult und kennen so die Regeln fast aller Brettspiele. Eine Regel, die dabei für alle gilt? Dass auch das Verlieren zum Spielen dazugehört. Einen wirklich schlechten Verlierer, sagt Tröder mit einem Lächeln, habe er an seinem Tisch glücklicherweise noch nicht kennengelernt. »Aber dazu spielen die Leute hier auch einfach viel zu gern.«

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