02. April 2019, 17:00 Uhr

Hoher Besuch

Star-Regisseurin Caroline Link kommt nach Butzbach

»Seid frech, zieht Euer Ding durch!« Das rät die oscarprämierte Regisseurin Caroline Link Frauen, die erfolgreich sein wollen. Für »100 Jahre Frauen-Power« kehrte die Bad Nauheimerin wieder gerne in ihre Heimat zurück.
02. April 2019, 17:00 Uhr
Regisseurin Caroline Link beantwortet Fragen zu ihrer Kindheit und Jugend in Bad Nauheim, ihrem Weg zum Film und ihrem neusten Werk. (Foto: hau)

Popcorn-Duft liegt in der Luft. Sekt und Häppchen schmeicheln der heiteren Stimmung. Gefeiert wird ein 100. Geburtstag. Weit über 200 Gäste aus ganz Hessen sind durch den sonnigen Frühlingsmorgen ins Capitol geströmt, ein Lichtspielhaus wie aus dem Bilderbuch mitten in Butzbachs bildschöner Altstadt. Als Regisseurin Caroline Link nebst Kamerateam des Hessischen Rundfunks zur Matinée des Zonta-Clubs Bad Nauheim-Friedberg eintrifft, erreicht die freudige Erwartung ihren Höhepunkt. Anlässlich des Zonta-Jubiläums »100 Jahre Frauenpower« hatte der Club den Ehrengast für sein Thema »Frauen und Film« gewinnen können.

Vollkommen entspannt mischte sich die Oskar-Preisträgerin unters Volk, vertiefte sich ins Gespräch und freute sich, dass auch ihre Mutter, ihre Tante und Zonta-Aktive Doris Kretner mit ihrer Schwester dabei waren. Im On-Stage Interview mit Moderatorin Hedwig Rohde öffnete sich die Regisseurin den Fragen rund um ihre Kindheit und Jugend in Bad Nauheim, ihren Weg zum Film und ihren jüngsten Kinoerfolg, die berührende Verfilmung von Hape Kerkelings Biografie »Der Junge muss an die frische Luft«. Der Gesamteindruck: ein wunderbar ergreifender Film, eine tolle Frau, eine rundum gelungene Veranstaltung. Oder kurz: Großes Kino in Butzbach.

 

Mischung aus Trauer und Leichtigkeit

Sie liebe es, durch kindliche Augen den Blick auf die Gesellschaft zu richten, unterbreitete die Regisseurin dem gebannt lauschenden Publikum. Es sei dieser unverstellte Blick von Kindern, die so viel Zukunft haben, dem Leben eine Chance geben, der sie rühre. »Dieser Blick nach vorne ist vitalisierend und kraftspendend.« Nach »Jenseits der Stille« oder »Nirgendwo in Afrika« treffe das auch auf Hape Kerkelings Biografie zu. Lange habe sie mit ihm über die Balance aus Trauer und Leichtigkeit, gesprochen. Im Film finde beides seinen Platz, erklärte Caroline Link. »Deshalb geht er wohl auch so tief.«

Ich finde großartig, was Frauen für Frauen weltweit tun!

Caroline Link

Ihr sei ein Meisterwerk gelungen und sie wisse vielleicht gar nicht, wie nah sie der Wirklichkeit gekommen sei, habe ihr Kerkeling nach dem zweiten Mal Anschauen gestanden – nachdem der Entertainer die Verfilmung seiner Biografie zunächst als etwas zu traurig empfunden habe. Es gebe Parallelen zwischen Kerkelings Leben und ihrem, erzählte Caroline Link vom Zusammenhalt der großen, vitalen Familie und den starken Großmüttern so kurz nach zwei Weltkriegen. »Über Zontas habe ich gelernt, wie groß Engagement sein kann«, fand die berühmte Regisseurin mit Blick auf ihre Tante und deren Weggefährtinnen sehr persönliche Worte. »Ich finde großartig, was Frauen für Frauen weltweit tun, meinen großen Respekt!«

 

Kindheit und Jugend in Bad Nauheim

Nach ihrer eigenen Karriere gefragt, riet Caroline Link den Frauen, sich mehr zuzutrauen. Statt stets lieb und nett rüberkommen zu wollen, müsse man sich um der Sache willen durchaus auch trauen, sich unbeliebt zu machen. »Seid frech, zieht euer Ding durch!« Ihr selbst sei wichtig, loyal, ehrlich, berechenbar zu sein für ihr Team, zu dem einige starke Frauen zählten. »Die machen alle einen tollen Job«, berichtete die Filmemacherin von ihrer Freude, im neuen Film die 70er Jahre noch einmal Revue passieren zu lassen – die Lebenszeit, die sie so unternehmungslustig in Bad Nauheim verbrachte. »Die Stadt ist schön geworden«, erzählte sie vom Spaziergang über die Parkstraße. Von dort kam auch das Präsent, das Zonta-Präsidentin Vilborg Asmus Reuter dem Ehrengast überreichte: das Werk aus der Confiserie Odenkirchen zeigt in Anlehnung an den Bayrischen Filmpreis, mit dem Caroline Link kürzlich zum wiederholten Mal ausgezeichnet wurde, die schöne Porzellanfigur Julia vor dem Johannisberg.

Besonderer Dank ging an die Unterstützung durch Weinhändler Hanns Fertsch und an Butzbachs Kinobetreiber Ralf Bartel, der nach dem Fantasia-Ende in Bad Nauheim in die Bresche gesprungen war. Mit dem Reinerlös der Matinée unterstützt der Zonta-Club Bad Nauheim-Friedberg ein Projekt zur Beendigung von Kinderehen.

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