28. August 2019, 20:23 Uhr

Starke Auftritte und acht Schläge

28. August 2019, 20:23 Uhr
Die Kapelle Sauladen mischt sich zu später Stunde unters Publikum.

»Hier kann man heute Fieber messen«, schwärmte ein Gast und meinte damit das sprichwörtliche Kerbfieber. Mit Rock-, Pop-, Bierzeltklassikern oder Balladen im Kuschelrock zauberten die »Äppel-Quetscher« eine berauschende Atmosphäre in die Sport- und Festhalle. Die beiden Musiker trafen den Geschmack des Publikums und glänzten mit viel Improvisationstalent. Das gefiel nicht nur den Jüngeren, auch die Älteren ließen sich von der Spielfreude anstecken.

Vorher hieß es »O’zapft is« mit rekordverdächtigen acht Schlägen. Beim Fassbieranstich erinnerte Holger Hachenburger daran, dass sich eine Traditionsveranstaltung wie die Kerb immer wieder neu erfinden müsse, um ihre Attraktivität zu bewahren. Das Engagement vieler lasse sich nur aufrechterhalten, wenn sich alle an der Umsetzung beteiligten Vereine und Personen mit ihren Ideen wiederfänden.

Vier Kapellen sorgten an drei Tagen für Stimmung, denn jeder Tag hatte seine besonderen Momente. Das i-Tüpfelchen war der Showtanz der Kerbmädels. Mit Plastiksaxofon, Fußbällen oder Feuerwehr-Outfit rückten sie die Ortsvereine poppig ins Rampenlicht. Sonntags standen die Kleinen im Mittelpunkt und tobten sich beim Familienfest nach Herzenslust aus. Drinnen spielten die Musiker der Sport-Union Nieder-Florstadt mit viel Gesang und fetzigen Rhythmen auf, und so entwickelte sich je nach Gusto ein Früh- oder Dämmerschoppen. Einziges Manko: Bei hohen Außentemperaturen wurde die Halle zum schweißtreibenden Backofen. Der Kerbmontag ist fest in den Händen der »Uffspillkapell«. Die Musiker zogen auch heuer mit dem Planwagen durch den Ort und machten aus dem einen oder anderen Platzkonzert ein kleines Straßenfest. Stimmungsmusik mit der Kapelle Sauladen war danach das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Deren Erfolgsrezept: böhmisch-bayerische Blasmusik, gewürzt mit einer Prise Humor.

Und immer mittendrin: Die Kerbburschen und -mädels mit ihren knallig roten Shirts, denn jede Kerb hat ihre Rituale. Da wird der Kerbbaum geholt und geschmückt, bevor der Kerbjohann drei Tage im Geäst über das Treiben wacht und der Dorn-Assenheimer sich fortwährend fragt: »Wem is die Kerb?« und lautstark die Antwort erhält: »Uuuuus!«

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