15. Mai 2017, 10:35 Uhr

Streit um Auenverbund

Steinfurther Kleingärtner kämpfen um ihr Paradies

Neun Kleingärten an der Wetter in Steinfurth sollen abgerissen werden. Die Eigentümer sind sauer auf den Kreis. Am Freitag war ein Kamerateam des HR vor Ort.
15. Mai 2017, 10:35 Uhr

Von Jürgen Wagner , 1 Kommentar
»Nicht lächeln. Die Sache ist ernst«: Das Kamerateam interviewt die Kleingärtner von Steinfurth. (Foto: Wagner)

Neun Steinfurther Kleingärtner und ihre Familien verstehen die Welt nicht mehr. Teils seit Generationen pflegen sie ihr Stück Land am Friedhof. Doch die Gärten liegen, wie sie nun erfahren mussten, im Landschaftsschutzgebiet Auenverbund Wetterau. Hütten, Zäune und andere Bauten müssen daher abgerissen werden. Die Kleingärtner geben nicht auf. Am Freitag war ein Filmteam des HR-Magazins »Maintower« in Steinfurth. Landrat Arnold schreibt in einer Pressemitteilung, dass die Garteneigentümer in die Entscheidung eingebunden würden. Derzeit sei man erst im »Anhörungsverfahren«. Durch die Landschaftsschutzverordnung des Landes Hessen sei die Sache aber im Grundsatz entschieden.

Als am Freitag gegen 15 Uhr das Kamerateam des HR anrückte, standen die Steinfurther Kleingärtner sprichwörtlich im Regen. Eine Viertelstunde mussten sie warten, dann klarte der Himmel etwas auf und »Maintower«-Reporterin Christine Siepe konnte die Gartenbesitzer interviewen. »Die Singvögel gehen überall um 54 Prozent zurück. Bei uns nicht«, sagte Thomas Berg. »Wir tun was für die Natur.« Währenddessen zwitscherten in den Bäumen – die gefällt werden sollen – unzählige Vögel. Für die Gärten gebe es keine Genehmigung, argumentiert der Kreis.

Berg sagt, er habe vor Jahren bei einem Vorbesitzer eine Urkunde gesehen, in der das Anlegen von Gärten erlaubt worden sei. Die Steinfurther suchen noch nach der Urkunde, das wäre eine Genehmigung. Bernhard Fend hat eine Landkarte von Steinfurth aus dem Jahr 1905 gefunden. Dort sind die Gärten mit der Straßenbezeichnung »Bei den Hellgärten« eingezeichnet. »Was sagt eigentlich der Nabu dazu, wenn die Bäume alle weg sollen?«, fragt Fend.

Auch »Igelvadder« Otto Luzius geht hart mit der Behörde ins Gericht. »Das ist ideales Gelände für Igel und andere Tiere, die Artenvielfalt ist riesig. Hier wird ein Naturparadies zerstört.« Luzius hat dort im letzten Jahr Igelmütter eingefangen, zusammen mit dem Nachwuchs muss er sie laut Naturschutzgesetz im Herbst an gleicher Stelle wieder aussetzen. »Dann hat der Kreis dort alles plattgemacht.«

Landrat Arnold betont in der Pressemitteilung, den Auenverbund in seiner ursprünglichen Form wieder herzustellen. Auch in Florstadt und Ranstadt sei das geschehen. Der Kreis setze nur um, was das Gesetz vorschreibe. Einen Handlungsspielraum gebe es nicht, verantwortlich sei das Land. Die Stadt Bad Nauheim habe die Chance gehabt, die Herausnahme der Kleingärten aus dem Schutzgebiet zu beantragen. Für Steinfurth sei das unterblieben. Ob das Regierungspräsidium diesem möglichen Antrag zugestimmt hätte, könne er freilich nicht sagen. Der »Maintower«-Beitrag soll am Montag gesendet werden; ab 18 Uhr im HR-Fernsehen.

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