22. Oktober 2019, 17:00 Uhr

Mit Sack- und Schubkarren

Steinmetz kritisiert: Lkw dürfen in Echzell nicht auf Friedhöfe

Den Steinmetzen werde die Arbeit auf den Friedhöfen in Echzell unnötig schwer gemacht, kritisiert Martin Röhling aus Nidda. Denn in Echzell dürfen sie nicht auf die Friedhöfe fahren.
22. Oktober 2019, 17:00 Uhr
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Von Oliver Potengowski
Weil die Gemeinde Schäden an den Wegen befürchtet, dürfen Steinmetze die Friedhöfe in Echzell und Bingenheim nicht befahren. (Foto: sax)

Grabsteine und zentnerweise Beton mit der Hand an die Grabstellen zu schaffen, sei nicht zeitgemäß und gesundheitsschädlich. Auf eine gütliche Klärung mit der Gemeinde wartet Röhling bis heute.

»Wir sind nicht im alten Ägypten«, ärgert sich der Steinmetzmeister, dass er auf den Echzeller Friedhöfen die Maschinen, in die er investiert hat, um seine Mitarbeiter zu schonen und effizienter arbeiten zu können, teilweise nicht nutzen darf. Da er auf seinem Lkw einen Ladekran montiert hat, genügen zwei Leute, um auch eine große Grabstätte auf einem Friedhof zu versetzen, wie Steinmetze den fachgerechten Aufbau nennen.

Bezug auf Friedhofsordnung

In Echzell könne er den Kran nicht nutzen, weil die Gemeinde den Steinmetzen verbiete, mit dem Lkw auf den Friedhof zu fahren. Der Grabstein, der teilweise mehrere Hundert Kilo wiege, die steinernen Einfassungen und der Beton für die Fundamentierungen müssten mit Sack- und Schubkarren auf den Friedhof gefahren werden, beklagt Röhling.

Die Gemeinde bezieht sich bei dem Verbot auf die Friedhofsordnung. Nicht gestattet ist demnach »das Befahren der Wege mit Fahrzeugen aller Art, soweit nicht eine besondere Erlaubnis hierzu erteilt ist; ausgenommen von diesem Verbot sind Kinderwagen und Rollstühle sowie Fahrzeuge der Friedhofsverwaltung«. Eine solche Erlaubnis, die andere Kommunen problemlos gäben, verweigere Echzell den Steinmetzen, rügt Röhling. Er werde gegenüber den Gemeindemitarbeitern benachteiligt, die mit zum Teil schwereren Lkw auf den Friedhof fahren dürften.

Vier Arbeiter benötige er, um ein Grab zu setzen, wenn er nicht mit dem Lkw vorfahren dürfe, rechnet Röhling vor. Das führe zu höheren Lohnkosten, die er an die Kunden weitergeben müsse. Außerdem sei es menschenunwürdig, seine Mitarbeiter so stark zu belasten, obwohl ein Kran vorhanden sei.

Seit letztem Herbst bemühe er sich um eine Klärung mit der Gemeinde - erfolglos. Deshalb wandte sich Röhling im November 2018 an die Kommunalaufsicht des Wetteraukreises. Der Gemeindevorstand sei zu einer Stellungnahme aufgefordert worden, heißt es in der Antwort. Wenn diese vorliege, werde die Sache aufsichtsbehördlich geprüft. Weil er seither nichts mehr von seiner Beschwerde gehört habe, erwägt Röhling, juristisch gegen Echzell vorzugehen.

Bürgermeister relativiert Verbot

Bürgermeister Wilfried Mogk bestätigt das Verbot für die Steinmetze, Friedhöfe zu befahren. Dies gelte aber nur für Echzell und Bingenheim. »Dort sind die Wege so hergerichtet, dass sie die Last eines solchen Fahrzeugs nicht aushalten.« Ob es möglich sei, die Wege mit leichteren Fahrzeugen ohne Beschädigung zu befahren, oder welche Belastung sie aushielten, könne er nicht sagen.

Dass der Bauhof die Friedhofswege auch mit schweren Fahrzeugen nutzen dürfe, liege an dessen Sorgfalt. Mogk: »Die Mitarbeiter wissen, was sie machen müssen.« So würden die Wege zum Teil mit Holzbohlen zur Lastverteilung ausgelegt. Als Grund für das Verbot für die Steinmetze führt Mogk einen früheren Vorfall an. Damals habe ein Steinmetz die Wege massiv beschädigt, und die Gemeinde sei auf den Kosten sitzengeblieben.

»Man kann diese Wege in Ausnahmefällen befahren, aber dann ist der Bauhof dabei«, relativiert Mogk das Verbot. »Wenn ein Großgrab gemacht wird, ist das möglich.« Jedoch müsse der Bauhof den vorherigen Zustand der Wege und nachher eventuelle Schäden feststellen. Mit dieser aufwändigen Praxis sieht er die Gemeinde im Einklang mit geltendem Recht. Schließlich orientiere sich die Friedhofsordnung an der Mustersatzung des Hessischen Städte- und Gemeindebunds. Tatsächlich befindet sich das Verbot, die Wege außer mit Rollstühlen und Kinderwagen zu befahren, in vielen hessischen Friedhofsordnungen. Nur werde dies in der Praxis anders gehandhabt, sagt Röhling. In Nidda erhalte er die Erlaubnis problemlos, müsse aber eine Jahrespauschale bezahlen.



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