24. März 2018, 12:00 Uhr

Teichhaus-Probleme

Teichhaus: Neuer Anlauf mit einem neuen Pächter

Im Teichhaus-Restaurant im Kurpark von Bad Nauheim geht die mehrmonatige Zwangspause bald zu Ende. Pächter Sebastian Dieckhoff sucht den Erfolg in einer Rückkehr zu den Anfängen.
24. März 2018, 12:00 Uhr
Von Lage und Architektur her sollte das Teichhaus beste Voraussetzungen für eine gut gehende Gaststätte mitbringen. (Fotos: Nici Merz)

Nach der Insolvenz der alten Teichhaus GmbH hatte der Bad Nauheimer Architekt Christian Wohlgemuth die überregional bekannte Gaststätte 2012 erworben und das Gebäudeensemble mit viel Herzblut und Geld umgebaut. Der Betrieb stand aber von Anfang an unter keinem guten Stern. Seit der Wiedereröffnung vor vier Jahren setzte Wohlgemuth auf angestellte Geschäftsführer oder führte selbst die Regie (siehe weiteren Artikel). Ein Grund für den bisherigen Misserfolg? Darüber kann nur spekuliert werden, jedenfalls zog der Eigentümer Mitte November letzten Jahres die Reißleine. Er schloss das Restaurant in der Wintersaison und begab sich in aller Ruhe auf die Suche nach einem geeigneten Pächter.

Der Vertrag mit Sebastian Dieckhoff wurde bereits Ende Januar unterzeichnet. »Es gab fünf, sechs ernsthafte Bewerber. Zwei anderen Interessenten hätte ich das Projekt ebenfalls zugetraut, sie haben aber auf den letzten Metern abgesagt«, erzählt Wohlgemuth. Der neue Pächter kennt das Restaurant seit der Wiedereröffnung und hat dort 2015 mal vier Wochen als Kellner gearbeitet.

 

Chefkoch fehlt noch

Er hat die Schwachstellen analysiert, möchte sich allerdings nicht mit Vergangenheitsbewältigung aufhalten. »Was vor mir war, ist Geschichte, ich möchte ein neues Teichhaus-Kapitel aufschlagen«, sagt der 43-Jährige. Dieckhoff hätte am liebsten längst eröffnet, doch im fast kompletten Team fehlt der Küchenchef. »Gute Köche können sich heute ihren Job aussuchen. Ich bin bundesweit auf der Suche und hoffe bald fündig zu werden.« In drei oder vier Wochen sollen die ersten Gäste bewirtet werden.

 

Ist zuversichtlich, als neuer Pächter mit dem Teichhaus in die Erfolgsspur einzubiegen: Sebastian Dieckhoff.
Ist zuversichtlich, als neuer Pächter mit dem Teichhaus in die Erfolgsspur einzubiegen: Se...

 

Schon als Kind hatte Dieckhoff Spaß am Service und am Umgang mit Gästen. »Wenn die Familie Besuch hatte, übernahm ich die Versorgung mit Getränken, habe sogar eine Karte entworfen.« Seine kleine Schwester stellte er mit einer großen Stoffserviette überm Arm als Empfangskomitee auf. Als älterer Schüler unternahm er seine ersten professionellen Gehversuche als Kellner, später folgte eine Ausbildung im Hotelfach. Nach mehreren beruflichen Stationen wagte der Nordhesse, der seit fünf Jahren in Butzbach-Maibach wohnt, 2008 den Sprung in die Selbstständigkeit. Drei Jahre lang führte er ein Landhotel samt Gaststätte in Bad Brückenau. »Nach dem Aus für die klassische Kur gab es in der fränkischen Rhön aber letztlich zu wenig Nachfrage.«

Was vor mir war, ist Geschichte, ich möchte ein neues Teichhaus-Kapitel aufschlagen

Pächter Sebastian Dieckhoff

Der 43-Jährige verlegte sich aufs Catering sowie die Beratung von Gastronomiebetrieben und Hotels. 2015, als er gerade im Teichhaus arbeitete, erhielt er einen Großauftrag: In Frankfurt waren 1000 Flüchtlinge mit Mahlzeiten zu versorgen. Dieckhoff leitete zwei Jahre lang ein Team von 50 Leuten.

Von Wohlgemuths Pächter-Suche erfuhr er durch Zufall. »Ende letzten Jahres habe ich ihn angerufen, um einen Tisch zu reservieren. Dabei habe ich von der vorübergehenden Schließung gehört. Nach dreimonatigen Gesprächen waren wir handelseinig.« Das Gebäudeensemble sei vielleicht etwas zu groß dimensioniert für ein Restaurant in einer Kleinstadt wie Bad Nauheim. Um Personal und Kosten zu sparen, möchte der Pächter die Räumlichkeiten auf der oberen Ebene künftig ausschließlich für geschlossene Gesellschaften nutzen. Einen Barbetrieb wird es nicht mehr geben. Dieckhoff hofft, mit acht bis zehn fest angestellten Mitarbeitern plus Aushilfen auskommen zu können. Größere Privatfeiern, Betriebs- oder Vereinsveranstaltungen sollen ein wichtiges wirtschaftliches Standbein werden.

Im Restaurant wird der neue Chef auf gut-bürgerliche deutsche Küche setzen. »Wir sind nicht zuletzt ein Ausflugslokal für Leute, die im Park spazieren gehen«, sagt Sebastian Dieckhoff. Sehr viel Wert wird er auf den Biergarten legen, passend dazu werden auf der Speisekarte Gerichte wie Schweinsbraten oder Haxe auftauchen. Im Sommerhalbjahr soll das Restaurant ab 11 Uhr durchgehend geöffnet sein, wobei auch Kaffee und Kuchen angeboten wird. In den Wintermonaten werden nur abends Gäste empfangen.

Info

Drei Geschäftsführer gescheitert

Ein anderer Investor hätte vermutlich längst aufgegeben und verkauft, doch Architekt Christian Wohlgemuth ist das Teichhaus ans Herz gewachsen. 2012 hatte er den denkmalgeschützten Gebäudekomplex im Kurpark erworben, nach längerer Umbau- und Sanierungsphase wurde im Mai 2014 eröffnet. Knapp zwei Jahre später waren bereits zwei Geschäftsführer an der Aufgabe gescheitert, den Betrieb in die Gewinnzone zu führen. Wohlgemuth übernahm für längere Zeit selbst die Leitung, die Serviceprobleme blieben aber trotzdem, zumal auf dem leer gefegten Arbeitsmarkt der Gastronomiebranche kaum geeignetes Personal zu finden war. Der letzte Versuch, mit einem erfahrenen Experten als Geschäftsführer das Ruder herumzureißen, startete im Sommer 2017 und scheiterte bereits wenige Monate später. Jetzt soll mit Sebastian Dieckhoff ein völlig eigenständiger Pächter sein Glück versuchen. (bk)

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