25. Oktober 2019, 20:02 Uhr

B-Plan wird aufgestellt

Therme-Hotel-Komplex: Weitere Hürde genommen

Bei der Planung des größten Investitionsvorhabens in der Nachkriegsgeschichte Bad Nauheims wurde eine weitere Hürde genommen. Ausschüsse haben den Sprudelhof-B-Plan auf den Weg gebracht.
25. Oktober 2019, 20:02 Uhr
Warten auf die Bagger: Auf diesem freigeräumten Grundstück an der Ludwigstraße soll ab Mitte kommenden Jahres der Therme-Hotel-Komplex entstehen. (Foto: Nici Merz)

Auf 40 Millionen Euro wird die Summe geschätzt, die von der Stadt per Kreditaufnahme für die neue Therme sowie die Umgestaltung des Badehauses 2 zur Verfügung gestellt werden muss. Im Mai hatte sich das Stadtparlament für die große Lösung entschieden, die nach Angaben des künftigen Thermalbad-Betreibers Dr. Stefan Kannewischer zwar höhere Investitionen erfordert, die langfristigen Folgekosten aber senkt.

Trotz dieses gewaltigen Betrags spielten die Finanzen kaum eine Rolle, als der Bau- sowie der Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstagabend über die Aufstellung des Bebauungsplans »Sprudelhof« diskutierten. Nach kurzer Debatte votierten beide Gremien einstimmig dafür, die Entwurfsplanung auf den Weg zu bringen. Enthaltungen kamen von den Vertretern der Grünen.

Diskussion über Stellplatz-Zahl

Redebedarf hatten die Ausschuss-Mitglieder in erster Linie bezüglich der künftigen Parkplatz- und Verkehrssituation. Wie Jürgen Patscha (Fachbereichsleiter Stadtentwicklung) erläuterte, enthält der B-Plan-Entwurf zwei große Tiefgaragen mit jeweils 200 Plätzen sowie eine separate Tiefgarage mit 80 Plätzen, die vom privaten Hotel-Investor errichtet werde. Laut Patscha wird neben den Hotel-Stellplätzen zunächst nur eine große Tiefgarage errichtet, und zwar zwischen Sprudelhof-Verwaltungsgebäude und neuem Hotel-Therme-Komplex. Die südlich gelegene zweite große Tiefgarage wird in den B-Plan aufgenommen, aber zunächst nicht realisiert. Sie könnte eines Tages das bestehende Parkdeck Sprudelhof ersetzen. Nach Fertigstellung aller jetzt geplanten Bauwerke werden im Sprudelhof-Umfeld knapp 470 Stellplätze zur Verfügung stehen, bisher können auf Parkdeck und kleinem Parkplatz der abgerissenen Therme etwa 245 Fahrzeuge geparkt werden.

Trotz dieses deutlichen Wachstums an Parkraum halten manche Stadtverordnete das Plus nicht für ausreichend. Bedenken meldete vor allem Petra Michel (CDU) an. Neues Thermalbad mit deutlich mehr Besuchern, das 114-Zimmer-Hotel samt Restaurant, die neue Musikschule am Sprudelhof und das geplante Kulturzentrum im Badehaus 3 würden sehr viel Leute anlocken. »Es ist wie so oft in Bad Nauheim: Wir brauchen viele Stellplätze, haben sie aber nicht«, sagte Michel. Sie regte an, bei der Detailplanung die Tiefgaragen-Kapazitäten soweit wie möglich auszureizen und über eine Aufstockung des großen Parkplatzes an der Frankfurter Straße nachzudenken.

Tiefgaragen-Finanzierung offen

Kritische Fragen stellte UWG-Sprecher Bernd Witzel. Er wollte wissen, warum noch immer kein unterschriftsreifer Vertrag mit einem Investor vorliegt, der die große Tiefgarage finanzieren soll. Laut Bürgermeister Klaus Kreß sind die Verhandlungen weit vorangeschritten, aber noch nicht alle Punkte geklärt. »Sollten wir nicht handelseinig werden, muss die Stadt selbst bauen.«

Auf die Verkehrsbelastung ging Albert Möbs (CDU) ein. Er schlug vor, den Bau des ohnehin geplanten Kreisels an der Kreuzung Frankfurter Straße/Bahnhofsallee vorzuziehen, damit der Verkehr besser fließen kann. Patscha hält das nicht für notwendig. Wie ein Gutachten ergeben habe, werde das Straßennetz durch den neuen Thermekomplex nicht überfordert.

Fertigstellung Mitte 2022?

Der Fachbereichsleiter erwähnte auch die Zeitschiene. Er rechnet mit einer kurzen Planungs- und Genehmigungsphase. Im Sommer 2020 könnten die Bauarbeiten beginnen. Damit kommt es zu einer Verzögerung von etwa einem Jahr, auf die Kreß und Patscha allerdings bereits Ende 2018 hingewiesen hatten. Damals war vom Parlament die ursprünglich vorgesehene Wohnbebauung entlang der Ludwigstraße gekippt worden. Aufgrund dieser Änderung waren Umplanungen und neue Überlegungen zur Tiefgaragen-Finanzierung nötig.

»Der Zeitplan gilt nicht mehr«, hatte der Bürgermeister im November erklärt. Patscha sprach jetzt von einer zweieinhalbjährigen Bauzeit, was die Fertigstellung des Gesamtprojekts auf Ende 2022 verschieben würde. Kreß zeigte sich nach der Sitzung optimistischer: »Zweieinhalb Jahre wären der schlechteste Fall, ich hoffe, dass zwei Jahre ausreichen.« Mit der Einweihung ist also frühestens Mitte 2022 zu rechnen.

Kooperationsvertrag geplant

Land und Stadt müssen beim Bau des Therme-Komplexes eng zusammenarbeiten. Das Land hat im Kuratorium der Stiftung Sprudelhof das Sagen, muss Vermietung und Umbau des Badehauses 2 zum »Wellness-Tempel« zustimmen. Wiesbaden bezahlt die Grundsanierung des Gebäudes, die Stadt kommt für die Umgestaltungskosten auf. Zudem müssen beide Seiten vereinbaren, wie viel Miete die Stadt für das Badehaus an die Stiftung überweist. Interessiert ist die Stiftung am Bau der neuen Tiefgarage. Sie muss dort nämlich Stellplätze nachweisen, um Instandsetzung und Umbau der übrigen Badehäuser genehmigt zu bekommen. Laut Bürgermeister Klaus Kreß werden Stadt und Land deshalb bald einen Kooperationsvertrag unterzeichnen, der im Stiftungskuratorium beraten wird. Ob die Öffentlichkeit über Vertragsinhalte informiert wird, ließ Kreß in der Ausschuss-Sitzung am Donnerstag offen.

Hier setzt die Kritik der »Initiative für einen zügigen Thermenneubau ohne Reihenhausbebauung« an. Deren Sprecher Dr. Erik Meyer hatte sich vor Wochen an den Kuratoriumsvorsitzenden Dr. Martin Worms (Staatssekretär Finanzministerium) gewandt und gefordert, dass Sitzungen dieses Gremiums öffentlich sein sollen. Jetzt wiederholt Meyer diesen Vorschlag, spricht von »Geheimniskrämerei« im Kuratorium - auch bezüglich des Kooperationsvertrags. Die Bürger von den Beratungen über ein solch wichtiges Thema auszuschließen, sei »zutiefst undemokratisch«.

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