08. September 2019, 12:00 Uhr

Baubeginn Mitte 2020

Therme-Planung biegt auf die Zielgeraden ein

Das Herz der Bad Nauheimer Innenstadt dürfte Mitte nächsten Jahres zur Großbaustelle werden. Zeitgleich soll im Sprudelhof und auf dem Therme-Gelände mit aufwendigen Arbeiten begonnen werden.
08. September 2019, 12:00 Uhr
So sieht das Therme-Grundstück in der Ludwigstraße seit dem Frühjahr aus. Auf den Baubeginn werden die Bürger noch bis Mitte 2020 warten müssen. Ende 2021 oder Anfang 2022 soll die neue Therme eingeweiht werden. (Foto: Nici Merz)

Seit fast vier Jahren ist die Kurstadt Bad Nauheim ohne Thermalbad. Bis mindestens Ende 2021 werden die Bürger auf eine Nachfolgelösung warten müssen. Der Zeitrahmen für das Planungs- und Genehmigungsverfahren, den Bürgermeister Klaus Kreß jetzt skizziert, ist ehrgeizig. Angesichts des seit Monaten leer geräumten Grundstücks in der Ludwigstraße kommt die Verfahrensdauer den meisten Bewohnern gleichwohl wie eine Ewigkeit vor. Zweifel an der Projektrealisierung sind nach den Worten von Kreß allerdings unangebracht.

Die Gremien sollen im Oktober die letzten Pflöcke einschlagen. »Dann ist der B-Plan dran. Die Entwurfsplanung für die neue Therme ist bis dahin fertig, für die Umgestaltung des Badehauses 2 liegen bereits genehmigungsfähige Unterlagen vor«, erläutert der Bürgermeister. Zu Beginn des nächsten Jahres soll der B-Plan endgültig beschlossen und der Bauantrag für das Gesamtprojekt gestellt werden.

Alles in einem Aufwasch

Bestandteile des Bebauungsplans sind auch das Hotel und die Tiefgarage, die parallel zur Therme entstehen sollen. Da Thermalbad und Hotel beide vom Friedberger Architekturbüro BLFP entworfen werden, sieht der Rathauschef diesbezüglich keine Probleme. Vorsichtshalber möchte die Stadt beide »Tortenstücke« der Tiefgarage im B-Plan verankern. »Vorerst wird nur auf der Therme-Seite gebaut. Ob der Rest jemals verwirklicht wird, steht in den Sternen«, sagt Kreß. Die Option möchten sich die Verantwortlichen aber offenhalten. Für das Hotel sind etwa 90 Stellplätze vorgesehen, für den öffentlich zugänglichen Teil der Tiefgarage gut 200. Wer die dringend erforderlichen Stellplätze finanziert, wird im Oktober vermutlich nicht endgültig geklärt sein. Die Tendenz ist aber eindeutig. Kreß: »Es laufen aussichtsreiche Verhandlungen mit einem privaten Investor, eine Lösung ist in Sicht.«

Nach Auffassung des Bürgermeisters ist das die bevorzugte Variante. Alternativ müsste die Stadt selbst finanzieren und würde dann voraussichtlich eine Betreibergesellschaft für alle Parkplätze gründen. Angesichts von Neu- und Umbaukosten für die Therme, die auf gut 33 Millionen Euro beziffert und komplett über Kredite finanziert werden (plus 1 Million Euro für den Abriss), würde Kreß der Stadtkasse eine weitere Großinvestition gerne ersparen. Tritt ein Unternehmen als Bauherr und Betreiber auf, hat die Kommune allerdings keinen Einfluss auf die Höhe der Parkgebühren.

300 neue Tiefgaragenplätze

Dieser Nachteil fällt nach Ansicht des Rathauschefs allerdings nicht allzu sehr ins Gewicht. An hohe Gebühren in der City werden sich Bürger und Gäste der Stadt nämlich gewöhnen müssen. Ebenfalls im Herbst wird sich die Politik mit einer neuen Parkgebührenordnung befassen. Wie Kreß verrät, sollen die Tarife in der City tendenziell steigen, in den Randzonen eher fallen. »Damit wollen wir eine Steuerungswirkung erzielen, um die Innenstadt von Verkehr zu entlasten«, erläutert Kreß.

Fast 300 neue Tiefgaragenstellplätze in der Ludwigstraße müssen ausreichen, um den gestiegenen Bedarf zu decken. Auch die künftigen Mieter der anderen Badehäuser müssen ihre Stellplätze in dieser Tiefgarage nachweisen. Das Parkdeck Sprudelhof bleibt erhalten, nicht weit entfernt vom neuen Therme-Komplex ist der große Parkplatz Frankfurter Straße. Dort wird es wahrscheinlich nicht zu einer Aufstockung kommen, nachgedacht wird über eine Erweiterung des Parkdecks Schwalheimer Straße.

Falls die Planungs- und Genehmigungsphase reibungslos verläuft, rechnet Kreß mit einem Baubeginn Mitte 2020. Etwa zu diesem Zeitpunkt dürfte auch endlich die Bohrung einer neuen Heilquelle im Sprudelhof sowie die Sanierung weiterer Badehäuser starten. Es entsteht also für mindestens eineinhalb Jahre eine riesige Baustelle in der Innenstadt, die ein erstklassiges Management erfordert. »Das wird eine Mega-Herausforderung«, betont der Rathauschef. Eingeweiht werden soll das neue Thermalbad Ende 2021 oder Anfang 2022.

2006: »Unterirdischer« Vorschlag

Mitte 2006 nahm die Debatte über den Neubau eines Thermalbads in Bad Nauheim Fahrt auf. Die Landesregierung und der damalige Bürgermeister Bernd Witzel stellten damals ihre Pläne für eine unterirdische Therme im Sprudelhof vor. Vehementer Widerstand in der Bevölkerung verhinderte die Umsetzung. In den Folgejahren entwickelte sich eine Endlos-Diskussion über die Vor- und Nachteile von Sanierung und Neubau, über das Für und Wider einer Einbeziehung des Sprudelhofs. Eine sechsstellige Summe wurde für Studien und Gutachten ausgegeben. Den Durchbruch brachte Ende 2017 das sogenannte Hölzinger-Modell, ein städtebauliches Gesamtkonzept. Architekt Prof. Johannes P. Hölzinger und Fachbereichsleiter Jürgen Patscha legten einen Entwurf vor, der bis heute die Grundlage für die Neugestaltung des Sprudelhof-Umfelds bildet. Ausnahme: Der vorgesehene Wohnungsbau entlang der Ludwigstraße wurde nach heftigen Bürgerprotesten gestrichen.

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