12. Juli 2017, 08:00 Uhr

Missbrauch

Tochter missbraucht: Haftstrafe für 59-Jährigen

Über Jahre hinweg soll ein Ober-Mörler seine minderjährige Tochter missbraucht haben. Auch wenn der 59-Jährige die Taten bis zuletzt abstritt, wurde er jetzt zu einer Haftstrafe verurteilt.
12. Juli 2017, 08:00 Uhr
Der Angeklagte Erwin P. ist zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Das Urteil nimmt der 59-Jährige ohne jegliche Regung hin. (Foto: jwn)

Vier Jahre und drei Monate muss Erwin P. (Name geändert ) ins Gefängnis. Die Strafkammer am Gießener Landgericht sah es als erwiesen an, dass der Mann über Jahre hinweg seine minderjährige Tochter sexuell missbraucht haben soll. Auch wenn dieser die Taten bis zuletzt vehement abstritt.

Für die Strafkammer unter Leitung des Vorsitzenden Richters Andreas Wellenkötter stand deshalb die Glaubwürdigkeit der heute 19-jährigen Tochter im Mittelpunkt ihrer Überlegungen bei der Urteilsfindung. Angeklagt war der 59-jährige Ober-Mörlener, der über Jahre ein Liebesverhältnis zu der Mutter der 19-Jährigen unterhielt, in 48 Fällen von sexuellen Übergriffen an seiner Tochter. 32 Fälle sollen im Zeitraum von 2008 und 2012 stattgefunden haben, als seine Tochter noch keine 14 Jahre alt war. In den restlichen 16 Fällen soll das Mädchen schon über 14 Jahre alt gewesen sein, sodass in diesem Fall lediglich eine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in Frage kam.

»Da die Taten schon länger zurückliegen, ist auch dem Gericht klar, dass nicht jede Tat auf den Tag und die Uhrzeit genau festgelegt werden konnte«, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Die Übergriffe des Angeklagten seien von dessen Tochter, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftrat, nach Ansicht des Gerichts aber über einen längeren Zeitraum – von der ersten polizeilichen Vernehmung, über die Gespräche mit der Sachverständigen bis hin zu den zwei Vernehmung durch das Gericht – so detailgetreu beschrieben worden, dass es gänzlich auszuschließen sei, dass die Aussage der Tochter frei erfunden oder auf Veranlassung eines Dritten erfolgte.

Genau dies hatte die Verteidigung aber behauptet. Die Tochter habe es demnach angeblich nicht mehr mitansehen wollen, wie der Angeklagte mit ihrer Mutter umging. »Wenn es ein Racheakt der Tochter gewesen wäre, dann wäre die Anzeige viel früher erfolgt, und vor allem aus eigenem Antrieb«, erklärte der Richter.

Der Tochter hatte ausgesagt, ihr seien die Übergriffe des Vaters unangenehm und vor allem sehr peinlich gewesen. Deshalb habe sie in der Zeit stets nur vage Andeutungen in der Schule gegenüber Klassenkameradinnen und Lehrern oder auch gegenüber Nachbarn gemacht. »Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte und habe deshalb bei den Übergriffen meinen Unterleib einfach abgeschaltet. Dazu habe ich dann noch mit dem Handy gespielt oder telefoniert.«

Für das Gericht war auch entscheidend, dass die junge Frau sich an viele Einzelheiten erinnern konnte. Beispielsweise ihre Äußerung zu dem Oralverkehr.

Nicht maßgeblich sei für das Gericht die Tatsache gewesen, dass es Widersprüche bei dem Versuch der Tochter gab, die Taten an bestimmten Daten oder Ereignissen festzumachen. »Bei so vielen Übergriffen über so einem langen Zeitraum kann es zu derartigen Überschneidungen und Fehlern in der der Erinnerung kommen.«

Bei dem Strafmaß folgte das Gericht bis auf einen Monat der Anklage, die vier Jahre und vier Monate gefordert hatte. Es beließ es am Schluss bei den 48 Fällen von sexuellen Missbrauch sowie der Überlassung von pornografischen Schriften. Es verzichtete damit auf die Aburteilung nach den Vorschriften des schweren sexuellen Missbrauchs, obwohl der Angeklagte zumindest einmal mit den Fingern in den Körper des Mädchens eingedrungen sein soll.

Weil die Tochter unter den Übergriffen seelisch gelitten habe und noch immer leide, sprach das Gericht ihr zusätzlich ein Schmerzensgeld in Höhe von 20 000 Euro zu.

Beide, Vater und Tochter, die bei der Urteilsverkündung im Gerichtssaal anwesend war, nahmen das Urteil ohne jegliche Regung entgegen.

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