17. August 2018, 12:05 Uhr

Elvis-Festival

Tonnenweise Technik für den King

Mit kleinem Gepäck zum Elvis-Festival? Für Gunter Jakob unvorstellbar. Zusammen mit neun Kollegen kümmert er sich um die Technik im Dolce in Bad Nauheim.
17. August 2018, 12:05 Uhr
Im Hotel Dolce in Bad Nauheim laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, damit das 17. European Elvis Festival am Freitag wie geplant dort eröffnet werden kann.

Während die Besucher des Elvis-Festivals noch in aller Ruhe ihr Outfit planen können, hat das Großereignis für Gunter Jakob längst begonnen. Seit Mittwochabend ist der Veranstaltungstechniker mit seinen Kollegen in Bad Nauheim, um die Shows im Dolce vorzubereiten. Übers ganze Wochenende sind es 16 – verteilt auf vier Bühnen.

Sie sind mit einem Lkw und mehreren Transportern angereist. Zwischen 10 und 15 Tonnen Material müssen die Männer aufbauen. Viel Zeit bleibt ihnen nicht.

 
Fotostrecke: Erste Elvisfest-Impressionen aus Bad Nauheim

Die Techniker müssen sich auf die unterschiedlichen Locations ebenso vorbereiten wie auf die Künstler. Kursaal und Theater drinnen stellen andere Anforderungen an sie als Konzertmuschel und Platanenhof draußen. Um Filme zu zeigen, braucht es weniger Aufwand, als ein Konzert mit Orchester auf die Bühne zu bringen.

Licht, Ton, Videotechnik – all das muss geplant, aufgebaut und gesteuert werden. Eine Grundausstattung wie Leinwand, Beamer, Displays und Zuspieler bringen die Mitarbeiter der Firma »Event Solution« ohnehin mit. Hinzu kommt das Material, das die Künstler im Vorfeld angemeldet haben. Das stellt selbst erfahrene Techniker manchmal vor Herausforderungen: So gehört etwa ein Teleprompter nicht zum Alltag. »Den haben wir selbst gebaut«, erzählt Jakob.

 

Kabel dürfen nicht herumliegen

Alexander Scherb (l.) und Ivo Kailer haben noch einiges an Technik auszuladen und aufzubauen.
Alexander Scherb (l.) und Ivo Kailer haben noch einiges an Technik auszuladen und aufzubau...

Der 47-Jährige hat, wie sein Chef, einen Meister für Veranstaltungstechnik, außerdem arbeiten vier Fachkräfte und drei Azubis in Bad Nauheim mit. Jakobs Job beim Elvis-Festival ist es, ansprechbar zu sein: für die Stadt als Auftraggeberin, für das Dolce als Hausherr, für die Kollegen, wenn’s Probleme gibt. »Das nennt man dann technischer Leiter«, sagt Jakob und grinst.

Dass er und seine Kollegen gut ausgebildet sind, ist ihm ebenso wichtig wie der Hinweis, dass sie alle Vorschriften des Gesetzgebers erfüllen, etwa was die Sicherheitsvorkehrungen angeht. »Hier liegen keine Kabel herum, und die Fluchtwege sind frei.« Ihre Arbeit sei deutlich tiefgreifender, als die Zuschauer ahnten.

 

Material wird vorher geprüft

 

Seit 2015 schon kümmert Jakob sich um die Technik im Dolce, wenn das Elvis-Festival ansteht. Im Frühjahr beginnen die Planungen, er führt Gespräche mit der Stadt, »dann trudeln die ersten Bühnenanforderungen und Pläne ein«, Ende März, Anfang April geht das Angebot raus, und auch diesmal hat die Firma, für die er arbeitet, den Zuschlag bekommen. Der Preis sei »extrem fair«, sagt Jakob, ohne ins Detail gehen zu wollen.

Am Dienstag haben die Techniker das nötige Material in die Fahrzeuge verladen. Dass alles einwandfrei funktioniert, haben sie schon geprüft, als sie es nach dem letzten Job ins Regal geräumt haben. Manchmal kommt es trotzdem zu Ausfällen. »Wo so viel Technik und so viele Menschen am Start sind, gibt es auch mal Probleme«, sagt Jakob.

 

Wenn das Mikro den Geist aufgibt

Gunter Jakob und seine Kollegen kümmern sich um die Technik bei den Elvis-Shows im Dolce.
Gunter Jakob und seine Kollegen kümmern sich um die Technik bei den Elvis-Shows im Dolce.

Die Batterie des Funkmikrofons ist leer, obwohl man direkt vor dem Auftritt eine neue eingelegt hatte. Ein Kabel geht kaputt, ein Instrument ist nicht zu hören. »Wichtig ist, die Ruhe zu bewahren und professionell zu handeln, am besten so, dass es den Zuschauern kaum auffällt.« Das heißt konkret: Ist das Mikro des Sängers defekt, reicht man ihm schnell ein anderes, damit das Konzert weitergehen kann.

Seine Aufgabe sieht Jakob darin, »die Show auf der Bühne eins zu eins ins Publikum zu bringen«. Manch jüngere Kollegen hätten ihre Freude »am fetten Sound«, vergäßen aber die Zuschauer. »Unser Job ist es, ihnen ein bestmögliches Erlebnis zu bieten. Sie sollen entspannt sein – und nicht zusammenzucken, weil die Musik zu laut ist.«

 

»Extrem harmonisches Festival«

 

Dafür sind bei manchen Shows bis zu vier Techniker nötig. Beim Auftritt von Darlene Love mit Sam’s Fever und Orchester im Theater am Samstagabend etwa sind 55 Input- und 24-Output-Kanäle am Mischpult zu verwalten. Hinzu kommen ungefähr 80 Lampen plus Pyrotechnik. »Eine weitere Herausforderung ist, dass der Technikplatz in dem Saal sehr weit von der Bühne weg ist«, erklärt Jakob.

Auch wenn er privat andere Musik hört, freut er sich aufs Festival: »Dann werden wir zu Elvis-Fans – das reicht aber auch für den Rest des Jahres«, sagt er und lacht. Die eingefleischten Anhänger des King, von denen viele jedes Mal dabei seien, machten die Veranstaltung in Bad Nauheim zu etwas ganz Besonderem. »Obwohl es 8000 bis 9000 Besucher sind, bleibt es ein familiäres Fest.« Noch nie habe er hier Scherereien miterlebt. »Das Festival ist extrem harmonisch. Das macht das Arbeiten sehr angenehm.«

Info

Elvis ganz nah

Neu beim Elvis-Festival in diesem Jahr ist nicht nur, dass das Theater im Dolce an jedem Abend mit einer anderen Show bespielt wird. Neu ist auch eine Fotobox auf dem Gelände: Wer mag, kann sich von Freitag bis Sonntag während der Festivalzeiten für einen kleinen Obolus mit dem King fotografieren lassen – zumindest sieht das Ergebnis so aus, als wäre man Elvis ganz nah gekommen. Fast unnötig zu erwähnen: Die Fotobox haben die Veranstaltungstechniker von »Event Solution« selbst gebaut. Für alle Shows gibt’s übrigens noch Restkarten an der Abendkasse.

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