12. Dezember 2017, 19:46 Uhr

Training für den ganzen Körper

Boxer, Exzentriker, zigarrenrauchender Gesundheitsapostel – und seiner Zeit weit voraus. Vor 50 Jahren ist Joseph Pilates gestorben. Seine Trainingsmethode hat überdauert. George Gershwin, Yehudi Menuhin und Katharine Hepburn haben zu seinen Klienten gehört. Nach seiner Lehre trainieren aber auch heute viele Menschen. Im Pilates-Zentrum Friedberg zum Beispiel. Inhaberin Petra Weitzel schwört auf Josephs Methode.
12. Dezember 2017, 19:46 Uhr
Petra Weitzel (r.) achtet sehr darauf, dass die Pilates-Übungen von den Kursteilnehmern richtig ausgeführt werden. Der Spaß darf trotzdem nicht fehlen. (Fotos: sk)

Freitagnachmittag. Eine kleine Sportlergruppe hat es sich auf Matten auf dem Fußboden bequem gemacht. Die meisten sind schon lange dabei, kennen viele der Pilates-Übungen, die Petra Weitzel mit ihnen praktiziert. Es ist ruhig, entspannte Atmosphäre ohne Musik. Nur die kurzen Erläuterungen der Trainerin und das betonte Ein- und Ausatmen ist zu hören. Pilates kommt unaufgeregt daher.

Pilates eignet sich nicht, um ein Konditionswunder zu werden. Auch werden die Oberarme nicht unbedingt dicker. Es ist vielmehr ein Training für den ganzen Körper, das als Schwerpunkt das so genannte Power House hat. Das ist die Körpermitte. Petra Weitzel nennt es »Korsett«. Dieses Kraftzentrum umfasst die Bauchmuskeln, den Beckenbodens und die Tiefenmuskulatur der Wirbelsäule, erklärt Petra Weitzel.

Pilates unterscheidet sich von herkömmlichen Muskeltraining, weil es die oft vernachlässigten, tiefer liegenden Muskeln beansprucht. »Durch regelmäßiges Training fördert Pilates eine gesunde Körperhaltung, stärkt Muskulatur und Knochen sowie die Beweglichkeit«, sagt Petra Weizel. Bei den Übungen komme es weniger auf die Quantität, sondern vielmehr auf die Qualität an. Es gilt, die richtigen Muskeln anzusteuern und die Atmung mit den Bewegungen zu koordinieren. Darauf achtet Petra Weitzel akribisch, gibt Korrekturhinweise zu Haltung, Ausführung und Atmung.

Pilates »genießt« den Ruf als Frauensport. »Zu Unrecht«, sagen die Anhänger. Einseitiges Krafttraining mit Gewichten habe oft verkürzte, schnell ermüdende und verletzungsanfällige Muskeln als Resultat. Gerade als Ergänzung zu anderen Sportarten sei Pilates perfekt. Joseph Pilates selbst war alles andere als ein Kuschelsportler. 1883 in Mönchengladbach geboren, wanderte er kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs nach England aus, kam 1915 als »feindlicher Ausländer« in ein Internierungslager auf die Isle of Man. Dort fand er zum Boxen und entwickelte erste Gymnastikübungen. Später kämpfte er als Profiboxer. 1922 ließ er seine erste Erfindung patentieren: ein Fußkräftigungsgerät. 1926 siedelte er nach New York über und eröffnete ein Sportstudio. Auch dort mehrte er seinen Ruf als innovativer Experte und als Exzentriker. Im Studio und beim täglichen Jogging trug er lediglich eine Badehose. Wenn seine Schützlinge im Studio seine Übungen nicht so ausführten, wie er es erwartete, wurde er ausfällig. Seiner Frau Clara war es dann vorbehalten, die Wogen zu glätten. Pilates träumte bis zu seinem Tod 1967 von weltweiter Bekanntheit. Er wolle mit seiner Methode die ganze Menschheit gesünder und glücklicher machen.

Mit der ganzen Menschheit ist es zwar nichts geworden. Aber es gibt schon einige Menschen, für die das Training nach der Pilates-Methode Lebensqualität bringt. »Meine Rückenschmerzen sind fast weg, seitdem ich regelmäßig Pilates mache. Außerdem erheitert mich das fröhliche Zusammensein und hebt meine Stimmung, sagt Kursteilnehmer Frank Benner. Für Mattennachbarin Silke Kehl bietet »jede Unterrichtsstunde eine neue Herausforderung. Es ist jedesmal spannend. Nach gut einem Jahr Pilates bin ich deutlich beweglicher, und ganz automatisch hat sich auch im Alltag meine Körperhaltung verbessert.«

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