23. Dezember 2018, 06:00 Uhr

Von wegen »O du fröhliche«

Trauer unterm Weihnachtsbaum, Hilfe in schwerer Zeit

Wer um einen geliebten Menschen trauert, muss an Weihnachten besonders stark mit Gefühlen kämpfen. Die Wetterauerin Silke Szymura weiß, was Verlust und Trauer in diesen Tagen bedeuten.
23. Dezember 2018, 06:00 Uhr
(Foto: Nici Merz)

Weihnachten ist eine Zeit, in der sehr bewusst wird, dass da ein Mensch fehlt«, sagt Silke Szymura. Die Butzbacherin weiß, wovon sie spricht. Sie arbeitet als Trauerbegleiterin in der Wetterau, leitet Trauergruppen. Vor allem aber hat sie vor etwa fünf Jahren ihren Lebensgefährten verloren, der im Urlaub in Nepal plötzlich starb. Danach hat Szymura eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin absolviert und zwei Bücher geschrieben. In einem Blog gibt sie der Trauer Raum.

»Da wird der leere Platz sehr deutlich«, sagt die 36-Jährige über das Gefühl, das Menschen gerade an Weihnachten überwältigt. An dem Fest, an dem doch eigentlich alle fröhlich sind. Oder zu sein scheinen. »Jeder erzählt, was er mit seiner Familie macht«, sagt Szymura. Die heile Welt wird vermittelt, dabei ist die eigene heile Welt durch den Tod des geliebten Menschen zerstört worden.

Es geht um Gefühle, und man kann Gefühle nicht planen

Silke Szymura

Dieser Kontrast zwischen der Fröhlichkeit drumherum und der Trauer in einem selbst ist aus Szymuras Sicht einer der Gründe dafür, warum Heiligabend so wahnsinnig schwer sein kann. Hinzu kommt die Einsamkeit. Der Verstorbene fehle natürlich das ganze Jahr über, an Weihnachten aber ganz besonders. Für sie selbst seien Silvester und der eigene Geburtstag nach dem Tod ihres Lebensgefährten noch schlimmer gewesen als Weihnachten, erinnert sich Szymura. Dennoch wäre es für sie auch an Weihnachten ein gutes Gefühl gewesen, wenn sie zu einem Trauertreff hätte gehen können. Einen solchen bietet die Hospizhilfe Wetterau an Heiligabend an (siehe unten).

 

Silke Szymura
Silke Szymura

 

Für viele Menschen sei es wichtig, wenn es ein solches Angebot gebe. Auch wenn man erst spontan entscheide, ob man hingehe oder nicht – »weil die Trauer ganz unberechenbar ist«. Es komme darauf an, in welcher Verfassung man sei, sagt die Butzbacherin. »Es geht um Gefühle, und man kann Gefühle nicht planen.« Es kommt auch auf die Familie an. Vielleicht möchte der eine Weihnachten so feiern wie sonst, der andere kann und will das aber nicht.

Was gibt es einem trauernden Menschen, mit anderen Trauernden zusammenzusitzen? Alles darf dort sein, wie es ist, sagt Silke Szymura. Niemand beurteile den anderen danach, ob er oder sie gerade lache oder weine. »Wenn man sich mit einer Gruppe von Trauernden trifft, heißt das nicht, dass man die ganze Zeit weint.« (Foto: pv)

Info

Trauertreff an Heiligabend

Am Heiligen Abend hält die Hospizhilfe Wetterau die Tür ihres Hospizhauses in der Fichtenstraße 4 in Friedberg ab 18 Uhr für trauernde Menschen offen. Gisela Theis und Bernhard Laux von »Trauer in Bewegung« laden ein (Anmeldung unter Tel. 0 60 31/7 72 76 33). Wer mag, kann die Christmette um 22 Uhr in Bruchenbrücken besuchen. »Was harrt der Geburt – damals bei Maria und heute bei Dir und mir?« Zu dieser Frage wird Gisela Theis im Gottesdienst Impulse geben. (pm)

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