12. März 2019, 19:36 Uhr

Über Engel, Geister und Dämonen

12. März 2019, 19:36 Uhr
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Aus der Redaktion
Ursula Stock

Geistwesen aller Art – von engelhaften Lichtgestalten bis hin zu finsteren Dämonen – haben seit Urzeiten die Fantasie der Menschen aller Kulturen bewegt, haben Ängste ausgelöst und Hoffnungen geweckt. Von dieser Grundthese der vergleichenden Religionswissenschaften ausgehend, nahm Ursula Stock, Vorsitzende des Friedberger Volksbildungsvereins »Kultur auf der Spur«, ihre Hörer im Erika-Pitzer-Haus mit auf eine Reise rund um den Erdball. Sie weitete den Blick – beginnend bei »Naturgeistern« in der skandinavischen Mythologie bis hin zu hochgelehrten christlich-theologischen Traktaten über die Hierarchie der »himmlischen Heerscharen«, also der Engel. Seraphim, Cherubim, Erz- und Schutzengel: Sie sind Diener Gottes und Künder seiner Botschaft. Mit ihrer Geschlechtslosigkeit und Unsichtbarkeit konnte sich der Volksglaube nie abfinden: Unzählige bildliche Darstellungen zeigen Engel – sei es mit männlichen, weiblichen oder kindlichen Zügen (die dickbackigen barocken »Putti«). Der konservative polnische Papst Johannes Paul II. appellierte 1997 an das Kirchenvolk, wieder mehr an das segensreiche Wirken von Engeln zu glauben. Aber einer tanzt dabei aus der Reihe: Es ist Luzifer, der »Lichtbringer«. Seine privilegierte Stellung verleitet ihn zu einem »Putsch« gegen seinen obersten Dienstherrn. Gott straft sein Vergehen mit aller Härte: Die einstige Lichtgestalt degradiert er in ihr Gegenteil. Luzifer ist von nun an Fürst der Finsternis, Herr über alle Dämonen. Entsprechend der o. g. himmlischen gibt es auch eine höllische Hierarchie – vom Oberteufel Luzifer bis zum kleinen Unterteufelchen.

Neben der jüdisch-christlichen »Angelologie« lenkte Ursula Stock den Blick u. a. auf den indianischen Totemismus. Hier sind es bestimmte Tiere, die als »Totems« über magische Kräfte verfügen. Der Schamane kann mit ihnen sprechen, sie bannen oder beschwören. Vor allem im südostasiatischen Raum (Japan, China) ist der Ahnenkult verbreitet. Vermittelt durch bestimmte Geistwesen, können die Ahnen angerufen, beschworen werden. Die Religionswissenschaft betrachtet Engel, Geister und Dämonen als menschliche »Projektionen«. Grundeigenschaften des Menschen wie Güte, Bosheit, Gewalttätigkeit, etc. werden zu Geistwesen »materialisiert«. Der Umgang mit ihnen fällt leichter als der mit dem »deus absconditus«, dem verborgenen, weit entfernten Gott bzw. den Göttern.

Das Fortdauern des Engels- bzw. Dämonenglaubens bis zur heutigen Esoterik lässt den Schluss zu, dass er die Fantasie der Menschheit bis an ihr Ende beschäftigen wird. (Foto: gk)



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