28. Januar 2019, 08:00 Uhr

Müllproblem

Umweltfrevel in der Wetterau

Einige Autoreifen hat eine Leserin im Wald nahe Ockstadt entdeckt. Sie informierte die WZ. Ein Anlass, um bei Städten und Gemeinden in der Wetterau nachzuhören. Wie groß ist das Müll-Problem?
28. Januar 2019, 08:00 Uhr
Reifen im Wald nahe Ockstadt: Nicht nur in Friedberg, sondern auch in anderen Kommunen sorgt Umweltfrevel für Unmut. (Foto: pv)

Schaut man sich die Reifenmarken genauer an, sind auch teure Marken darunter. Man könnte also davon ausgehen, dass sich die Person eine Entsorgung beim Reifenhändler oder Bauhof hätte leisten können«, schreibt die Leserin, die bei einem Spaziergang im Wald bei Ockstadt zahlreiche Autoreifen entdeckt hat. Stattdessen landeten sie mitten in der Natur. Das Phänomen ist nicht neu, doch immer wieder erschreckend. Freiwillige, die jedes Jahr die Gemarkungen durchkämmen und Müll einsammeln, können ein Lied davon singen.

Auch die Friedberger Erste Stadträtin Marion Götz wird immer wieder mit der Müllproblematik konfrontiert – oftmals auch in der Kernstadt selbst. Die Altstadt ist seit Jahren ein Müllproblem-Bereich. Der Altstadt-Kümmerer habe aber schon viel erreicht, sagt Götz. »Die Altstadt präsentiert sich in einem guten Bild.« Eine oder zwei Stellen würden es noch trüben – beispielsweise der Fünf-Finger-Platz. Überfüllte Mülltonnen, die schon lange vor dem Abhol-Termin draußen stünden, seien ein Problem. »An diesen neuralgischen Stellen fahren wir lieber häufiger und haben dann geordnete Verhältnisse«, sagt Götz.

 

Illegale Entsorgung nimmt zu

In Ober-Mörlener Gemarkung gebe es Müll-Funde eher außerhalb der Orte, teilt René Salzmann vom Ordnungsamt der Gemeinde mit. Generell nehme die illegale Müllentsorgung in Ober-Mörlen zu. »Vor allem beim alten Bundeswehrdepot in Langenhain-Ziegenberg haben wir ständig illegal abgelegten Müll, wie alte Reifen oder sämtliche Arten von Sperrmüll«, erläutert Salzmann.

Er verweist beispielhaft auf Couch, Schrank und Farbeimer. Des Öfteren würden Autoreifen oder Müllsäcke auf oder entlang der Feldwege entdeckt. Besonders erschreckend sind die Überreste eines Schafes und der Sack mit Resten einer verwesten Ziege.

 

Gesamte Küche im Wald

Aus dem Bad Nauheimer Rathaus werden Säcke mit Restmüll, alte Reifen, Möbelstücke und Elektroschrott gemeldet, die in der Gemarkung gefunden worden sind. »2018 zum Beispiel ein Kühlschrank in der Usa oder eine Waschmaschine im Feld«, teilt Linda Dönges von der Stadtverwaltung mit. Auch Puppen im Wald zählen zu den Fundstücken.

Unsere Mitarbeiter konnten Namen ausfindig machen, da Kontoauszüge im Müll zu finden waren

Linda Dönges, Stadtverwaltung Bad Nauheim

Vor ein paar Jahren sei eine komplette Kücheneinrichtung im kleinen Waldstück zwischen Steinfurth und Nieder-Mörlen entsorgt worden. Dönges: »Der größte Fund im letzten Jahr war ein sehr großer Haufen mit Sperrmüll, Elektroschrott, Papier und Restmüll, der in der Nähe des Flugplatzes abgeladen wurde. Unsere Mitarbeiter konnten einen Namen ausfindig machen, da Ausbildungsnachweise und Kontoauszüge im Müll zu finden waren.«

Das Ordnungsamt habe den vermeintlichen Verursacher angeschrieben und gegen ihn eine Geldbuße sowie die Erstattung der Entsorgungskosten verhängt. »Außerdem wurde der Vorfall wegen illegaler Müllentsorgung bei der Polizei zur Anzeige gebracht.« Allerdings sei der Verursacher selten im Nachhinein ausfindig zu machen.

 

30000 Euro Schaden in Wölfersheim

Darin sieht auch der Florstädter Bürgermeister Herbert Unger ein Problem: »Die Beweislage ist sehr oft schwierig.« Florstadt habe kein großes Müll-Problem, sei aber auch »keine Insel der Glückseligen«, stellt der Bürgermeister fest. Im Januar 2018 landete ein 250-Liter-Altölfass in einem Stammheimer Teich. Öl lief aus, die Kosten lagen laut Polizei im fünfstelligen Bereich.

Mit den Kosten hat sich auch die Gemeinde Wölfersheim befasst. Pressesprecher Sebastian Göbel verweist auf eine Zahl, die zwar aus 2010 stammt, aber trotzdem nachdenklich stimmt. So fielen pro Jahr rund 30000 Euro für das Einsammeln und Entsorgen von illegal abgelegten Dingen an. Zu den Fundstücken innerhalb der Wölfersheimer Gemeindegrenzen zählten schon eine Couch, alte Gasflaschen, ein Fernseher und Hausmüll. Mitten im Wald werde selten etwas abgelegt, eher am Waldrand – »überall, wo man leicht mit dem Auto halten kann«.

 

Info

Müllferkelei an der Friedberger Stadthalle

Am Montagmorgen vergangener Woche geht eine Anwohnerin über den Parkplatz an der Friedberger Stadthalle. In der untersten Parkreihe lädt ein Mann vier Plastiksäcke aus seinem Wagen und stellt sie ab. Die Frau will nicht glauben, was sie da sieht, spricht den Mann an. Ob er wisse, was er da tue? Der Mann antwortet sinn- und stilgemäß: »Wenn Du net dei Maul hältst, komm ich dir hin!« Die Wortwahl verdeutlicht, dass das Umweltferkel (auf den Tüten ist ein Umweltengel aufgedruckt!) nicht aus Südosteuropa oder einer Vorstadt von Timbuktu stammt, sondern aus der Wetterau. Er fuhr einen dunklen Kleinwagen mit FB-Kennzeichen. In den Säcken befanden sich Tapetenreste, die entweder auf Schwarzarbeit oder auf einen schlechten Geschmack in Sachen Inneneinrichtung schließen lassen. Das Ordnungsamt würde sich über einen Tipp freuen, wer da tapeziert hat und nicht weiß, dass alte Tapeten in die Restmülltonne gehören. PS: Ist die Restmülltonne voll, gibt’s im Rathaus für 4,50 Euro einen Restmüllsack, der am Leerungstag einfach neben die Restmülltonne gestellt wird. Oder man gibt den Restmüll beim Entsorgungszentrum Wetterau in Echzell ab; das kostet 27 Cent pro Kilo. Die Entsorgung auf Kosten der Allgemeinheit ist wesentlich teurer und moralisch zutiefst verwerflich. (jw/Foto: Wagner)

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