20. August 2018, 19:22 Uhr

Und danke für den Fisch

20. August 2018, 19:22 Uhr
Ulla Meinecke nimmt musikalisch und politisch kein Blatt vor den Mund. (Foto: lod)

Seit mehr als 40 Jahren steht Ulla Meinecke auf der Bühne. Sie war in den späten 1970er Jahren eine der ersten Vertreterinnen des damals eher unbekannten Genres »Deutsche Popmusik«. Die gebürtige Usingerin tourt noch immer durch Deutschland und Europa und das mit großem Erfolg.

Am Samstagabend war sie mit ihrem neuen Programm »Und danke für den Fisch« zu Gast im Theater Altes Hallenbad, das bis auf den letzten Platz besetzt war. Überwiegend waren es die Musikliebhaber, die mit den selbst getexteten Songs der Wahl-Berlinerin groß geworden sind. »Schön, dass ihr nicht bei Elvis seid«, meinte sie noch, um dann mit einer Mischung aus neuen und alten Songs sowie einige ihrer Lieblingslieder anderer Künstler genau den Geschmack der Besucher zu treffen. Dass sie mit ihren 65 Jahren eigentlich schon im Rentenalter ist, daraus macht Meinecke kein Hehl: »Ich bin zu alt«, singt sie.

Lieder voller Ironie und mit einem Augenzwinkern wechseln sich ab mit nachdenklichen, ruhigen Stücken. Aber ihrer selbst geschriebenen Texte haben eines gemeinsam: Sie sind voller Poesie ebenso wie die Moderationen und Erläuterungen zwischen ihren Liedern, manchmal etwas absurd, ein anderes Mal durchaus politisch.

»Mit mir und dem Glauben hat das nie geklappt«, meint sie, um mit diesem Satz ihren Standpunkt zur AfD einzuleiten, die an diesem Morgen in Friedberg demonstrierte. »Manche Menschen sind für die Demokratie nicht gemacht. Wenn ich Beatrice von Storch und Höcke sehe, dann wünsche ich mir, ich hätte Glauben, den der Hindus. Da käme der Björn wieder zurück als Bauerntochter in Bangladesch.«

»Wenn wir Glück haben«, singt sie nach diesem mit langem Beifall quittierten Statement, dem sie dann noch einen Satz hinzufügt: »Elvis hat heute die AfD überlebt«. Mit dem irischen Traditional »Star of the country dawn« bekennt sie ihre Liebe zur Irland und vor allem zu den Straßenmusikern in Dublin.

Sie erinnert mit einem Song an den kürzlich verstorbenen Tom Petty sowie an Aretha Franklin. Tom Waits bezeichnet sie als »mein Meister des Trosts«. Meineckes Version des Waits-Song »Grapefruit Moon« gehört zu den Höhepunkten des Konzerts.

Begleitet wird Meinecke von zwei hervorragenden Musikern. Ingo York entpuppt sich als Multi-Instrumentalist. Neben den drei Gitarren spielt er virtuos Bass, zwischendurch mal ein kleines Keyboard oder die Blues Harp.

Das Schlagzeug teilt er sich mit dem nicht minder virtuosen Keyboarder Reimer Henschke, der mit dem Fuß die Becken bedient, während York gleich zwei Trommeln mit seinen Füßen »bearbeitet«. Kaum zu glauben, dass zwei Instrumentalisten es schaffen, den Sound einer ganzen Rockband auf die Bühne zu zaubern.

»Sie erzeugen eine Woge der Musik«, drückt es Meinecke aus und betont, dass nichts aus der Konserve kommt. Eine Ausnahme gibt es jedoch. Der Rhythmus zu ihrem großen Erfolg »Die Tänzerin« wird eingespielt, »wie schon vor 36 Jahren« ergänzt die Sängerin, die natürlich auch »50 Tipps, ihn zu verlassen« im Programm hat.

Das Konzert endet mit »Nimm mich in Deine Arme«, einem Song, den Meinecke für Udo Lindenberg geschrieben hat, denn »mein Freund Udo war der Erste, der mir eine Chance gegeben hat.« Und das ist jetzt 41 Jahre her.

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