15. Oktober 2019, 20:32 Uhr

Unheimliche Balladen, Mord und Totschlag

15. Oktober 2019, 20:32 Uhr
Die Dankeskirche ist erfüllt vom frischen Klang junger Musiktalente. Sogar die Kanzel ist zur musikalischen »Verkündigung« einbezogen. (Foto: hms)

Dunkle Mächte, unheimliche Balladen, Mord und Totschlag: So dramatisch war diesmal das musikalische Thema der einwöchigen Probenphase des Jugendsinfonieorchesters Wetterau. Die über 50 jungen Talente aus fünf Musikschulen zeigten in den drei Konzerten in Büdingen, Butzbach und Bad Nauheim überzeugend, dass die Tragik jedoch nur in den Kompositionen und nicht im Spiel lag und sogar richtig Spaß machte. Bereits zum vierten Mal dirigierte Markus Neumeyer mit Esprit und Einfühlungsvermögen. Das Publikum in der voll besetzten Dankeskirche ließ sich nach solch fesselnder Musik zu entfesseltem Applaus hinreißen.

In Qualität stecke Qual, und das sei das Üben. Stück für Stück nähere man sich an bis zum gemeinsamen Klangerlebnis, sagte der Schirmherr, Landrat Jan Weckler. Dass dieses hervorragend stimmte, dazu trugen unter anderem die Lehrkräfte Ines Strecker, Walter Dorn und Michael Grün sowie Orchestermanager Michael Strecker bei, welche die Musikerinnen und Musiker die ganze Probenwoche begleiteten. Kraftvoll und energisch begannen sie mit Beethovens Ouvertüre zu Goethes Trauerspiel Egmont, komponiert zur Theater-Uraufführung 1810. Eine gruselige Sinfonische Dichtung ist »Die Mittagshexe« von Antonín Dvorák.

Verrückter Spaß mit Schlagwerk

Anhand von kurzen musikalischen Beispielen erklärte Neumeyer auch dem Publikum den Inhalt: Kind und Mutter spielen, Kind wird frech, Mutter droht mit der Mittagshexe bis dies tatsächlich erscheint und das Kind haben will. Mutter kämpft mit der Hexe, das Kind stirbt, die Hexe triumphiert. Aufmerksam folgten die Musizierenden dem präzisen Dirigat und der ermutigenden Mimik, griffen die emotionsreiche Dynamik auf, setzten sauber ein. Majestätisch und in dunklen Farben gemalt ist das »Große Tor von Kiew«, ein Teil aus Mussorgskis »Bilder einer Ausstellung« für Klavier, die Maurice Ravel für Orchester bearbeitet hat. Hier spürte man die ansteckende Spielfreude bis hin zum Becken, das von der Kanzel aus den sich aufschaukelnden Glockenklang mit mimte.

Und dann ganz großes Kino: Das Medley mit dem Ennio Morricone Klassiker »Spiel mir das Lied vom Tod« mit E-Gitarre statt Harmonika. Da rieselten die Gefühle heiß und kalt, so wie in »Deborah’s Theme« aus der gleichen Serie »Once upon a time«, einfach ergreifend gespielt. Inzwischen hatte sich die Musik vom düsteren Milieu verabschiedet und landete bei John Powells temperamentvoller Filmmusik »Drachen zähmen leicht gemacht«. Ein verrückter Spaß, in dem das Schlagwerk (zwei von drei waren neu im Orchester) selbstbewusst auftrat und auch alle anderen sich richtig austoben konnten. Gezähmt, geschafft! Ein großartiges Konzert mit uneingeschränktem Bravo für alle Stimmen.

Für die Mitwirkenden war das Projekt eine Bereicherung ihres jungen Musiklebens. »Die ganze Probenatmosphäre und das Arbeiten mit unserem Dirigenten hat unheimlich viel Freude gemacht. Die Herbstferien opfere ich gerne dafür«, erzählte Marika Hildebrand, die zum ersten Mal und zunächst ein wenig aufgeregt als Konzertmeisterin fungierte. Sie spielt seit der Gründung 2016 mit, während der zwölfjährige Cellist Linus Ernst das erste - und sicher nicht das letzte - Mal dabei war. »Es ist toll in einem so großen Orchester zu spielen - auch wenn ich schon seit Juli zu Hause üben musste. Mir hat die Mittagshexe besonders gefallen, und die war wirklich anspruchsvoll«, meinte er. »Der Dank gebührt auch denjenigen, die das Projekt und die Musik unterstützen von den Eltern bis zu den Förderern«, betonte unter Applaus Projektleiter Ulrich Nagel.

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