20. September 2017, 08:00 Uhr

Nach OP verstorben

Uwe-Karsten Hoffmann: Ein Todesfall und viele Fragen

Uwe-Karsten Hoffmann haben viele Bad Nauheimer gekannt. Sein Tod in der Hochwaldklinik hat viele Menschen berührt. Die Angehörigen stellen Fragen. Vor allem: Warum wurde nicht früher operiert?
20. September 2017, 08:00 Uhr

Von Bernd Klühs , 3 Kommentare
Nach einer Operation ist Uwe-Karsten Hoffmann im Hochwaldkrankenhaus verstorben. Nach Ansicht seiner Kinder ist die Operation zu spät erfolgt, die Klinikleitung weist den Vorwurf zurück. (Foto: Nici Merz)

Der UWG-Stadtverordnete Uwe-Karsten Hoffmann hat aus seinen wilden Jahren nie einen Hehl gemacht, sprach offen über frühere Alkoholexzesse. Zwar hatte er das Probleme vor Jahrzehnten in den Griff bekommen, seine Gesundheit war aber angegriffen. So wurde er nach Auskunft seiner Tochter Stephanie Loufik früher wegen Darmbeschwerden behandelt und litt aktuell unter einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse. »Nach Gewichtsverlusten und einigen Untersuchungen wurde er medikamentös behandelt. In der Zeit vor seinem Tod ging es aufwärts. Mein Vater war wieder lebensfroh, hatte etwas zugenommen.«

Am 12. August erhielt die Tochter einen Anruf ihres Vaters. Von der Arbeit zurückgekehrt, klagte er über starke Schmerzen und Übelkeit. Stephanie Loufik, die Krankenschwester ist und früher im Hochwaldkrankenhaus in der Bauchchirurgie gearbeitet hat, brachte den 72-Jährigen in die Klinik. »Dort kamen wir gegen 14 Uhr an. Der Bauch meines Vaters wurde immer dicker und härter. Es war eindeutig etwas Ernstes.« Wenig später traf Sohn Torsten Hoffmann ein. Er war schockiert über den Zustand des Vaters, der einen Darmdurchbruch vermutet habe. Das Krankenhaus-Personal habe zügig diagnostiziert. »Um etwa 15 Uhr hat der Oberarzt den Ultraschall gemacht und angekündigt, dass er den Patienten später operieren werde«, erinnert sich Torsten Hoffmann. Zunächst wurde ein CT angeordnet. Nach Angaben der Tochter lag das Ergebnis gegen 17.15 Uhr vor. Diagnose: Darmdurchbruch.
 

Wir konnten nichts tun. Das war das Schlimmste

Torsten Hoffmann
 

Trotzdem sei Uwe-Karsten Hoffmann zunächst auf Normalstation verlegt worden. Sein Zustand habe sich immer mehr verschlechtert – passiert sei aber nichts. »Ich wurde immer nervöser«, sagt Torsten Hoffmann. Angesichts der dramatischen Situation wurde der Sohn laut, fragte beim Assistenzarzt eindringlich nach, warum der Eingriff nicht endlich erfolge. »Darauf erhielten wir die Antwort, dass nur der Oberarzt operieren könne, der sei aber im Bürgerhospital Friedberg beschäftigt.« Eine andere Mitarbeiterin habe diese Aussage bestätigt. Die Angehörigen forderten daraufhin eine Verlegung in eine andere Klinik. Antwort: Wegen des Zustands, in dem sich der Patient befinde, sei das nicht zu verantworten. »Vater hat uns ständig gebeten, dafür zu sorgen, dass endlich operiert wird. Doch wir konnten nichts tun. Das war das Schlimmste«, sagt Torsten Hoffmann.

Zwischenzeitlich wiederbelebt

Die Lage habe sich immer mehr zugespitzt. Gegen 18.30 Uhr sei der Patient auf Intensivstation verlegt worden – nach Meinung der Tochter zu spät. Wie Torsten Hoffmann erklärt, habe er selbst Hand angelegt, weil zu wenig Personal dagewesen sei. Kurze Zeit später habe ihr Vater wiederbelebt werden müssen. Stephanie Loufik: »Um 19.45 Uhr kam der Oberarzt aus Friedberg zurück, ging in den Operationssaal. Obwohl die Chancen schlecht standen, hat mein Vater den Eingriff zunächst überlebt.« Um 2.30 Uhr wurde sie zu Hause angerufen – es gehe zu Ende. Nach multiplem Organversagen starb Uwe-Karsten Hofmann gegen 8 Uhr. Der Oberarzt sei zu ihnen gekommen, habe durchblicken lassen, der Fall sei vielleicht nicht ganz richtig eingeschätzt worden.

Ärzten und Pflegern machen die Angehörigen keine großen Vorwürfe, sie hätten ihr Bestes gegeben. »Aber es kann nicht sein, dass nur ein Arzt, der einen solchen Notfall operieren kann, für beide Kliniken im Dienst war. Es muss doch eine Rufbereitschaft geben«, ist Hoffmann entsetzt. Schließlich seien diese Kliniken für rund 80 000 Menschen zuständig. Wie seine Schwester betont, hätte ihr Vater zweieinhalb Stunden früher operiert werden können. »Ob er dann überlebt hätte, ist unklar. Seine Chancen wären aber größer gewesen.«

Ein Klinik-Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagt gegenüber der WZ, dass an Wochenenden seit Jahren für beide Häuser nur ein Ober- oder Chefarzt im Einsatz sei, der bauchchirurgische OPs vornehmen könne. »Das geht hundert Mal gut, beim hundertersten Mal geht’s schief.« Das Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) spare »auf Teufel komm raus«, Beschäftigte arbeiteten bis zur Erschöpfung. Die GZW-Geschäftsführung bestreitet diese Darstellung.


GZW weist Vorwürfe zurück

Die Vorwürfe der Angehörigen von Uwe-Karsten Hoffmann und die Aussagen des Klinik-Mitarbeiters bezüglich der personellen Ausstattung der Kliniken an Wochenenden sind laut GZW-Geschäftsführung haltlos. Das gelte auch für die Darstellung des zeitlichen Ablaufs. »Diese rufschädigenden, unwahren und unsachlichen Behauptungen weisen wir entschieden zurück«, heißt es in einer schriftlichen Erklärung. An Wochenenden hätten zwei chirurgische Ober- oder Chefärzte Dienst, zudem drei Chirurgen Rufbereitschaft, zwei weitere stünden »im Hintergrund«. Die Personalstärke sei exakt vorgegeben und könne von Krankenkassen und Institutionen zur Qualitätssicherung kontrolliert werden.

Auf Details zur Behandlung des Verstorbenen wird in der Stellungnahme nicht eingegangen. Datenschutz und Verschwiegenheitspflicht ließen das nicht zu. Ohne Einverständnis des Patienten – von Hoffmann liege keine solche Erklärung vor – dürften auch nach dessen Tod keine Auskünfte erteilt werden, nicht einmal der Familie. »Strenggenommen verstoßen auch die Angehörigen mit ihren Äußerungen gegenüber der Öffentlichkeit gegen diese Schweigepflicht.«

 

Der Tod von Herrn Hoffmann ist Folge eines schicksalhaften Verlaufs

GZW-Sprecherin Rohde
 
Wie die Klinikleitung zum konkreten Fall wissen lässt, sei eine Überprüfung der Behandlung von Hoffmann erfolgt. »Es ergab sich ein zügiger und konsequenter Ablauf in Diagnostik und Therapie. Auf die Reanimation folgten die notwendigen Stabilisierungsmaßnahmen und die schnellstmögliche Einleitung der Narkose und Operation.« Todesfälle in der Klinik würden zudem im Rahmen einer Konferenz besprochen. Ein wichtiges Kriterium sei in der Regel der Obduktionsbericht. Im Fall Hoffmann sei auf eine Autopsie leider verzichtet worden.

Grundsätzlich führe ein Darmdurchbruch meist unmittelbar zu einer Blutvergiftung, die unter anderem multiples Organversagen nach sich ziehen könne. Die Wirkung dieser Vergiftung lasse sich durch die Operation weder verhindern noch beeinflussen. Dadurch könne man nur das Nachströmen von Keimen oder Toxinen stoppen. Vorrangig müsse der Patient stabilisiert werden, damit er den Strapazen des Eingriffs gewachsen sei. Diese Vorbereitung könne – je nach Zustand des Patienten – zwei bis drei Stunden dauern. Fazit von GZW-Pressesprecherin Hedwig Rohde: »Der Tod von Uwe-Karsten Hoffmann ist bedauerlich, ist allerdings die Folge eines schicksalhaften Verlaufs.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Angehörige
  • Assistenzärzte
  • Bürgerhospital Friedberg
  • Chefärzte
  • Entzündungen
  • Erschöpfung
  • Gesundheitszentren
  • Intensivstation
  • Krankenschwestern
  • Medikamente und Arzneien
  • Nervosität
  • Oberärzte
  • Patienten
  • Bad Nauheim
  • Bernd Klühs
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


3
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.