10. Mai 2019, 16:20 Uhr

Theater

Vater und Tochter sind ein eingespieltes Team

Charlotte und ihr Vater Gunnar Bolsinger stehen für das Theater Alte Feuerwache (TAF) zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Erfahrung im Schauspielern haben beide aber schon.
10. Mai 2019, 16:20 Uhr
Charlotte Bolsinger (M.) spielt bei »Mutter Courage und ihre Kinder« ein armes Bauernkind. (Foto: Marc Wittenborn)

Mit Aktentasche und Anzug betritt Gunnar Bolsinger die Garderobe. Heraus kommt er als strenger Soldat. Charlotte tauscht den bunten Rucksack und die Jeans gegen das graue, löchrige Hemd eines Bauernkindes. Dann geht es für die beiden auf die Bühne. Vater und Tochter proben für »Mutter Courage und ihr Töchter.« Das Theater Alte Feuerwache (TAF) führt den Klassiker von Bertolt Brecht ab morgen in der Johanneskirche auf. Charlotte und ihr Papa haben bisher noch nie gemeinsam gespielt.

Für die elfjährige Charlotte ist es das erste Stück als TAF-Mitglied. Doch schon im Kindergarten hat sie Theater gespielt. Ihre Lieblingsfächer sind Deutsch und Kunst. Referate in der Schule machen ihr Spaß. In ihrer Klasse ist sie schon als »die Schauspielerin« bekannt. Sie läuft Schlittschuh, ist bei den Pfadfindern und schwimmt. Reiten hat sie auch mal ausprobiert. Papa Gunnar macht ebenfalls gerne Sport und spielt Klavier. »Das hilft mir, den Kopf frei zu bekommen«, sagt der 43-Jährige.

Alles fing mit einem Musical an

Gunnar Bolsinger hatte seine erste Rolle als Schüler bei einem Musical. Das habe für ihn alles verändert. »Ich wusste, dass ich einigermaßen gut singen konnte, deshalb bin ich zum Casting gegangen. Ich hatte gehofft, in den Chor zu kommen.« Beim Vorsingen begeisterte er mit »Sailing« von Rod Stewart - und bekam prompt die Hauptrolle als Bösewicht. »Danach fing das Leben für mich erst richtig an«, sagt er und lacht. »Ich war nicht mehr schüchtern sondern selbstbewusst. Ich war beliebt und die Mädchen haben sich für mich interessiert.« Mit 20 bekam er dann seine erste Rolle beim TAF, ebenfalls in einem Stück von Brecht, der Dreigroschenoper. Heute arbeitet er bei einer großen Bank.

»Beim Theaterspielen kann ich alles andere um mich herum vergessen«, sagt Charlotte. »Und es macht Spaß in andere Rollen zu schlüpfen.« Das findet auch der Papa: »Ich kann dabei zeigen, was in mir steckt. Mal ist meine Rolle böse, mal lieb, mal schüchtern, mal verrückt.«

Vater und Tochter sind ein eingespieltes Team, ergänzen sich gut. Ist ja auch kein Wunder: Schon als kleines Kind war Charlotte immer dabei. Bei Proben saß sie am Bühnenrand, hat die Schauspieler gemalt - und aufmerksam zugehört. »Bei vielen Stücken konnte ich fast den ganzen Text auswendig«, sagt sie. Und der Papa ergänzt: »Bei Goethes Faust hatte sie den Text sogar schneller drauf als ich selbst.« Und noch heute übt Charlotte regelmäßig mit ihrem Papa den Text zu Hause vor dem Spiegel.

Schauspiel, Musik, Gesang

Zwei Mal pro Woche wird mit dem Ensemble geprobt, manchmal auch einen ganzen Tag oder ein Wochenende lang. Ab morgen bekommt das Ensemble den Lohn für die harte Arbeit. Im Stück sind alle Schauspieler permanent auf der Bühne. »Da muss man sich konzentrieren, damit man in der Rolle bleibt, auch wenn man gerade nicht dran ist«, sagt Charlotte. Langweilig werde das aber nicht. Im Stück wird auch gesungen, eine Liveband begleitet die Schauspieler.

Aufgeregt sind die beiden noch nicht. »Wir haben ja eher kleine Rollen«, sagt Gunnar. »Naja«, findet Charlotte. In diesem Punkt sind sie sich nicht ganz einig. In einem anderen aber schon: Die bisher beste Rolle von Papa Gunnar. Im Musical »Der kleine Horrorladen« hat er einen verrückten Zahnarzt gespielt. Die schrille Lache von damals hat er noch drauf - und Charlotte lacht sich heute immer noch darüber kaputt. Herausfordernd sei hingegen die Rolle des Mauler in »Die heilige Johanna der Schlachthöfe«, ebenfalls von Brecht, gewesen. »Ich hatte unglaublich viel Text zu lernen und die Sprache war sehr kompliziert«, sagt Gunnar Bolsinger. Trotzdem sind einige Textfetzen noch hängen geblieben.

Wenn sie älter ist, will Charlotte Schauspielerin werden. »Aber so eine richtig berühmte, die in Filmen mitspielt«, sagt sie begeistert. Und die in mindestens genauso viele verschiedene Rollen schlüpft wie der Papa.

Zehn Vorstellungen von »Mutter Courage und ihre Kinder«

Ab dem morgigen Samstag, 11. Mai, spielt das TAF unter der Regie von Pia Nußbaum den Brecht-Klassiker »Mutter Courage und ihre Kinder« in der Bad Nauheimer Johanneskirche. Bei gutem Wetter ziehen Zuschauer und Ensemble gemeinsam vom Badehaus 2 zur Johanneskirche. Karten gibt es für 17,50 Euro (ermäßigt 10,50 Euro) in der Bad Nauheimer Buchhandlung am Park, in der Bad Nauheim Tourist Information sowie in allen Reservix-Vorverkaufsstellen und auf www.taf-badehaus2.de. Insgesamt ist das Stück zehn Mal zu sehen. Die Termine im Überblick:

Samstagsvorstellungen sind am 11. Mai, 18. Mai, 15. Juni und 29. Juni (19 Uhr Badehaus 2/ Beginn 19.30 Uhr Johanneskirche)

Sonntagsvorstellungen sind am 12. Mai, 26. Mai und 16. Juni (18 Uhr Badehaus 2/ Beginn 18.30 Uhr Johanneskirche)

Freitagsvorstellungen sind am 17. Mai, 24. Mai und 28. Juni (19.30 Uhr Badehaus 2/ Beginn 20 Uhr Johanneskirche)

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