12. November 2019, 20:16 Uhr

Viel Arbeit hinter den Klima-Demos

12. November 2019, 20:16 Uhr
Die Ortsgruppe Friedberg/Bad Nauheim organisiert in beiden Städten Streiks - hier (v. l.) Eva Parbel, Lennard Mertens, Julian Eder, Robin Slossarek, Leonard Diez, Denis Kassel und Judith Hildebrandt. (Foto: pv)

Junge Leute, teils noch minderjährig, organisieren in Friedberg und Bad Nauheim die Demonstrationen von »Fridays For Future«. Immer wieder freitags, seit Februar in Friedberg und seit August auch in Bad Nauheim. Wie eine Demonstration funktioniert, was man dafür braucht und tun muss, erzählen Leonard Diez (19, aus Friedberg), Julian Eder (21, Bad Nauheim), Judith Hildebrandt (22, Friedberg), Denis Kassel (16, Friedberg), Lennard Mertens (17, Friedberg), Robin Slossarek (19, Oppershofen), und Eva Parbel (17, Friedberg). Sie sind alle im etwa 18-köpfigen Organisationsteam für Friedberg und Bad Nauheim.

»Man braucht den Mut, sich Gesprächen zu stellen«, sagt Lennard Mertens auf die Frage, was nötig ist für die Organisation von Demonstrationen - ganz abgesehen von den praktischen Dingen. Zurzeit kümmert sich das Orga-Team intensiv um den nächsten großen globalen Klimastreik am 29. November. Auch in Friedberg wird ein Demo-Zug durch die Stadt gehen.

Ordner, Moderator, Megafon-Einsatz

Zur Frage, was man braucht, um eine Demo zu organisieren, antwortet Denis: »Wenn man die Motivation zum Mitmachen nicht ernsthaft hat, dann bringt es nichts.« Judith erläutert: »Damit immer alles klappt, benennen wir Verantwortliche für die verschiedenen Tätigkeiten.«

Die To-do-Liste vor einer Demo ist lang. Zuerst werden Termin, Thema und Strecke festgelegt. Es ist zu überlegen, ob ein Megafon benutzt wird und Musik über Lautsprecher ertönen soll. All diese Angaben sind wichtig für die Veranstaltungsleiterin, die die Demo beim Ordnungsamt anmeldet. 48 Stunden später dürfen alle mit der »Mobi« beginnen - das heißt, es dürfen Menschen zur Teilnahme mobilisiert werden. Darin steckt die meiste Arbeit. Über viele Kanäle wird kommuniziert. Die Werbung wird teils mit Vorlagen der bundesweiten »Fridays For Future«-Organisation erstellt, teils vom Team mit Grafikdesign gestaltet. Viele Gespräche sind zu führen. »Manchmal sind es kontroverse Gespräche mit Lehrern, Eltern, Mitschülern und fremden Erwachsenen, und man läuft ganz schön in den Gegenwind«, beschreibt Lennard seine Erfahrungen. Ganz konkret muss beim Treffen eingeteilt werden, welche über 18-Jährigen beim Streik als Ordner dabei sind, wer die Technik transportiert und bedient, die Moderation übernimmt, eine Rednerliste für die Kundgebungen während der Demo führt, wer vorne mitläuft, wer hinten - und wer als Bote von vorne nach hinten und zurück springt.

Ist der Tag des Klimastreiks gekommen, steht jeder unter Strom. Die Veranstaltungsleiterin bespricht mit Polizei und Ordnungsamt noch einmal den Verlauf der Route, die Regeln und den zeitlichen Ablauf. Sie informiert auch die Ordnerinnen, worauf zu achten ist - zum Beispiel dass alle Teilnehmer auf der rechten Straßenseite bleiben und auf Einsatzfahrzeuge geachtet werden muss. Mitglieder des Orga-Teams stimmen mit dem Megafon Lieder und Rufe an. Wenn der Zug sehr groß ist rufen Gruppen vorne und hinten manchmal gleichzeitig verschiedene Sprüche, die sich schnell verbreiten: »Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!«, »Hopp hopp hopp, Kohlestopp!«

Bis zu zehn Stunden pro Woche

Je nachdem, welche Aufgaben man übernimmt und in welcher Phase der Vorbereitung die Gruppe sich gerade befindet, arbeiten die jungen Leute zwischen zwei und zehn Stunden pro Woche für »Fridays For Future«. Zurzeit wird neben der Demo-Vorbereitung auch bei der Kommunikation und dem Stühlerücken für die Filmreihe »Klima, Kohle & Atom« mitgearbeitet - im Bündnis mit Junity, Stadtjugendring, BUND-Jugend, MiEG, NaJu, »Wetterau im Wandel«, WIR und Querstellen.

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