28. Oktober 2019, 21:28 Uhr

Viele Emotionen in der Basilika

28. Oktober 2019, 21:28 Uhr
Der Chor »Cantus firmus Wetterau« besteht seit 35 Jahren. Er hat zurzeit über 30 Aktive. Er präsentiert sich in wechselnden Gruppierungen: als gregorianische Männerformation, als Doppelchor und als Frauenchor. (Foto: udo)

Das Herbstkonzert des Kammerchors »Cantus firmus Wetterau« in Ilbenstadt stand unter dem Motto »Das ist meine Freude«. Mit seinem sakralen Programm war der Chor in der Basilika am rechten Ort. Unter der Leitung von Werner Ciba kamen Werke von Johann Ludwig Bach, Johann Sebastian Bach, Anton Bruckner, Felix Mendelssohn, Josef Rheinberger, Józef Swider, Giuseppe Verdi und Tómas Luis de Victoria zur Aufführung.

Die Gäste waren beeindruckt von dem stattlichen Ensemble, das sich vor dem Vierungsbereich aufstellte. Der Chor feiert sein 35-jähriges Bestehen. Er hat zurzeit über 30 Aktive. Er präsentierte sich in wechselnden Gruppierungen: als gregorianische Männerformation, als Doppelchor und als Frauenchor.

Das Programm lässt sich unter vier Gesichtspunkten ordnen. Erstens nahm das Konzert, musikgeschichtlich betrachtet, seinen Weg von der Gregorianik über die Renaissance und den Barock bis zur Romantik und, mit Swider, bis zur Gegenwart.

Zweitens besteht eine Struktur des Konzerts gemäß der Liturgie, denn Sätze des Messordinariums waren Stützen. Es erklangen Kyrie und Gloria aus dem romantischen »Cantus Missae« von Josef Rheinberger, das gregorianische »Credo III«, und die drei Sätze Sanctus, Benedictus und Agnus Dei aus der »Missa Vidi Speciosam« des Renaissance-Komponisten Tomás Luis de Victoria.

Publikum ist begeistert

Eine dritte Ordnung besteht im Ablauf des Nachmittags. Er begann mit »Cantus tristis« des 2014 verstorbenen polnischen Komponisten Józef Swider. Darauf folgte Johann Sebastian Bachs Motette »Fürchte dich nicht, ich bin bei dir«. Nach dem gregorianischen Gloria schloss der »Cantus gloriosus« von Swider den ersten Teil des Programms ab. Danach waren romantische Chorwerke an der Reihe: Giuseppe Verdis »Laudi alla Vergine« für Frauenstimmen, das »Ave Maria« des Spätromantikers Anton Bruckner und die Psalm-Vertonung »Warum toben die Heiden« von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Eine vierte Ordnung ließe sich nach den zum Ausdruck gebrachten Emotionen der Stücke gruppieren. Diese Abteilung müsste die Kategorien Trauer, Zuversicht, Innigkeit, Lob, Temperament, Triumph, Erfüllung, Freude enthalten.

Der frühere Vorsitzende Hubert Harbach begrüßte das Publikum und erläuterte die Notwendigkeit der »Stellungswechsel« im Konzertverlauf. Von den Lautmalereien im Eingangsstück, Józef Swiders »Cantus tristis«, in dem sich die hohen Stimmen über dem Klangteppich der tiefen Stimmen erhoben, bis zum freudigen Abschluss mit Johann Ludwig Bachs Motette »Das ist meine Freude« folgte das Publikum gespannt den A-cappella-Klängen, die sich in der Basilika entfalteten. Ungleich größer als im »Cantus tristis« war die Dynamik in Johann Sebastian Bachs zuversichtlichem »Fürchte dich nicht«. Als die letzten Klänge von Rheinbergers Kyrie im Kirchenraum verhallten, schien die Welt zum Stillstand zu kommen. Swiders fröhlich beschwingter »Cantus gloriosus« brachte den mit dem »Cantus tristis« begonnenen Spannungsbogen zum Abschluss. »Laudate dominum« war die Botschaft. Mit »Credo in unum deum« ließen die Männer gregorianisch das Glaubensbekenntnis folgen. Nach der Pause war der Sprung vom Männergesang der Gregorianik zum Frauenchor und Verdi groß. Jeder konnte sich dann davon überzeugen, dass die Innigkeit von Bruckners Ave Maria zu Recht gerühmt wird. Freudig ging das Konzert mit Johann Ludwig Bachs Motette »Das ist meine Freude« zu Ende.

Das Publikum dankte mit heftigem und anhaltendem Applaus, nahm froh die Mendelssohn-Zugabe »Denn er hat seinen Engeln« aus dem Oratorium »Elias« entgegen und wurde, von »Engeln« gestärkt, entlassen.

Am Tag vor dem Basilika-Konzert war der Chor bereits in der Marienkirche in Bad Homburg aufgetreten.

Am Sonntag, 10. November, wird der Chor »Cantus firmus Wetterau« um 17 Uhr in der Heilig-Geist-Kirche in Friedberg auftreten.

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