Wetterau

Wanderung und Kulturprogramm

Die Mitglieder des Vereins Kulturkreis Ranstadt unternahmen kürzlich eine Wanderung.
07. Oktober 2019, 19:23 Uhr
Redaktion
Die Mitglieder des Kulturkreises Ranstadt unternehmen einen Ausflug, bei dem sie viel Wissenswertes erfahren.	(Foto: pv)
Die Mitglieder des Kulturkreises Ranstadt unternehmen einen Ausflug, bei dem sie viel Wissenswertes erfahren. (Foto: pv)

Die Mitglieder des Vereins Kulturkreis Ranstadt unternahmen kürzlich eine Wanderung.

Nun berichtet Erika Hirschfeld von dem Ausflug. Der Landschaftspark Niederwald, auch Ostein’scher Park genannt, liegt hoch über dem Rheintal im Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal und zählt zu den schönsten Landschaftsparks am Rhein.

Das zwischen Assmannshausen und Rüdesheim liegende Plateau war Ziel einer Wanderung des Kulturkreises Großgemeinde Ranstadt, an der 30 Mitglieder und Gäste teilnahmen. Die Gruppe wurde von Wolfgang Blum, Botschafter im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal sowie Kultur- und Weinbotschafter Rheingau, begleitet, der kompetent und anschaulich viel Wissenswertes den Teilnehmern vermittelte. Der Wald gehörte einst Karl Maximilian Amor Graf von Ostein (1735-1809), der das Gelände 1763 erbte und ein Jahr später begann, seine Vision, dort einen Zierwald anzulegen, zu verwirklichen.

Auf dem Neroberg

Die Schlenderwanderung begann am Jagdschloss Niederwald und führte zur Zauberhöhle, einem 60 Meter langen und lichtlosen Gang, der in den kuppelbedeckten Rundbau der Zauberhütte mündet. Bald war der Aussichtspunkt am Rittersaal erreicht, von dem man einen weiten Blick in den Canyon des Mittelrheintales hat, das alpinste Tal in Mitteleuropa außerhalb der Alpen. Von dort ging es über einen Pfad zur Rossel, einer Kunstruine direkt oberhalb des Binger Lochs. Nach zwei Stunden war das Denkmal der Germania und der Niederwaldtempel erreicht. Dort wurden die Wanderer mit einem herrlichen Blick über das Rheintal und die Weinberge belohnt.

Nach dieser schönen Wanderung und einer Mittagspause in einem Rüdesheimer Lokal stand noch ein Besuch der russisch-orthodoxen Kirche auf dem Neroberg in Wiesbaden auf dem Programm. In zwei Gruppen aufgeteilt erhielten die Besucher von den Gästeführern reichhaltige Informationen über den kostbar ausgestatteten Sakralbau und den angeschlossenen Friedhof. Die 1847 bis 1855 nach dem Vorbild der Moskauer Erlöserkirche von Baumeister Philipp Hoffmann erbaute Grabkirche mit seinen goldenen Kuppeln ließ Herzog Adolf von Nassau anlässlich des frühen Todes seiner Gemahlin, einer 18-jährigen russischen Prinzessin, errichten, die 1845 bei der Geburt des ersten Kindes mit dem Kind starb. Beide wurden 1855 in einer Prozession aus der Bonifatiuskirche in die Krypta der russischen Kirche überführt und dort beigesetzt. Die als »Griechische Kapelle« bekannte Kirche dient heute der russischen Gemeinde Wiesbaden als Pfarrkirche. Hinter dem früheren Wärterhaus, das heute als Pfarrhaus genutzt wird, liegt der 1856 geweihte russische Friedhof, auf dem sich zahlreiche Fürstengräber aus dem 19. Jahrhundert befinden. Die russisch-orthodoxe Begräbnisstätte gehört zu den ältesten in Westeuropa und ist die größte Anlage seiner Art außerhalb Russlands.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Wanderung-und-Kulturprogramm;art472,633554

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