22. Januar 2018, 19:38 Uhr

Warnke: Der See ist eine Kloake

22. Januar 2018, 19:38 Uhr
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Aus der Redaktion

Die »Kloake« Wölfersheimer See müsse dringend saniert werden. Das fordert der unabhängige Bürgermeisterkandidat Olaf Warnke.

Der Wölfersheimer See sei eine beliebte Freizeiteinrichtung. Hochseilgarten, Fußballgolf, die Spiel- und Fitnessanlage seien Anziehungspunkte. Viele Einwohner und Auswärtige spazierten rund um den See. Der Pächter des Gewässers ist der Angelsportverein Wölfersheim (ASV) der sich vorbildlich um das Gelände rund um den See kümmerten, lobt Warnke in einer Pressemitteilung. Das Außengelände sei also hui, was viele Besucher aber nicht wüssten: »Der See ist pfui.« Seit Jahrzehnten würden die geklärten, bei Starkregen auch die ungeklärten Abwässer in den See gelangen. Dadurch entstehe eine Kloake, »die zum Himmel stinkt«. Warnke bezieht sich mit seiner Analyse auf ein Gutachtens eines Gewässerbiologen, das der Gemeinde seit Jahren vorliege.

Der See sei kein Badesee. Die Kläranlage Wölfersheim nutzte ihn als Vorfluter und entwässert über einen Klärteich im Nordwesten in den Baggersee. Dies sei in Hessen eine Besonderheit und resultiere noch aus der Zeit, in der der See als Kühlwasserreservoir diente und wenig Naturnähe hatte.

Im Bericht des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie (HLUG) sei geschrieben: »Der Wölfersheimer See ist einer der wenigen hessischen Ausgrabungsseen mit einem ständigen Zulauf. Problematisch ist dies besonders, da es sich um Wasser aus dem Ablauf einer Kläranlage handelt. Das macht ihn im negativen Sinne einzigartig.«

Die Experten haben im Wölfersheimer See- Zulauf Phosphor-Gehalte von durchschnittlich 0,54 Milligramm je Liter gemessen. Der Zustand sei schlecht. Es drohe das plötzliche Umkippen mit einem Fischsterben, wenn ungünstige Faktoren wie ein Hagelsturm im Hochsommer zusammenkommen würden. Der See leide unter einer sehr hohen Zufuhr von Nährstoffen. Ein großer Teil davon komme aus der Kläranlage.

Das HLUG bemängele in seinem Jahresbericht 2012, dass die Phosphorzufuhr etwa das 20-Fache dessen betrage, was ein See verkraften könne. In den Jahren 2012 und 2013 traten massive Blaualgenblüten auf, die den ökologischen Zustand und auch der Optik schade. Aus diesen Gründen sei die Lebensqualität für Fische schlecht. Warnke fordert, dass die Wasserqualität möglichst permanent überwacht werde. Weiterhin sollten in den nächsten ein bis zwei Jahren dringend eine Sanierung und eine Restaurierung des Sees durch eine ständige Sauerstoffzufuhr erfolgen, um eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen. Durch die hohe Biomasseproduktion am See (Schilf, Pappeln-Monokultur) würden sich mächtige Schlammauflagen am Gewässergrund bilden.

Schilf schneiden, Pappeln fällen

»Der See ist dort ökologisch tot«, schreibt Warnke. Daher möchte er umfangreiche Maßnahmen anstoßen. Erforderlich sei die Umleitung der Abwässer in den Bietiggraben oder in die Kläranlage nach Utphe. »Solange keine Wasserpflanzen im See gedeihen können, soll eine mechanische Anlage den See regelmäßig mit Sauerstoff versorgen«, schlägt Warnke vor. Das Schilf müsse nach dem Absterben geschnitten werden, die Pappelmonokulturen müssten abgeholzt werden und durch andere Pflanzen ersetzt werden.



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