20. Juni 2019, 20:01 Uhr

Gefährliche Sonnenstrahlen

Warum Hautkrebs ein Todesurteil sein kann. Bad Nauheimer Dermatologe im Interview

Sonnenbrand, Falten, Sonnenallergie und im schlimmsten Fall Hautkrebs. Wie man sich jetzt vor der Sonne schützt, verrät der Bad Nauheimer Hautarzt Nicolai Wroblewski.
20. Juni 2019, 20:01 Uhr
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Von Katharina Gerung
Der richtige Sonnenschutz ist in jedem Alter wichtig. Sonnenbrände in der Kindheit sind hauptverantwortlich für Hautkrebs in älteren Jahren. (Symbolfoto: dpa/Foto: pv)

Der Sommer mit vielen sonnenreichen Stunden steht vor der Tür. Doch Sonne kann die Haut auch schädigen. Laut Techniker Krankenkasse erkranken nirgendwo in Deutschland so viele Menschen jedes Jahr an schwarzem Hautkrebs wie in Hessen. Das spürt auch Dr. Nicolai Wroblewski. Er ist Facharzt für Dermatologie und Venerologie in Bad Nauheim und weiß, wie man sich richtig schützt.

Herr Wroblewski, welche Schattenseiten hat das Sonnenlicht?

Dr. Nicolai Wroblewski: Wir alle brauchen die Sonne zum Leben. Auf der anderen Seite ist das Sonnenlicht verantwortlich für zahlreiche Hauterkrankungen. Ganz besonders ist hier Hautkrebs zu nennen. Aber auch andere Hauterkrankungen wie die Sonnenallergie, die Rosacea und weitere Hauterkrankungen können durch Sonnenlicht hervorgerufen und verschlechtert werden. Nicht zuletzt ist das UV-Licht auch noch die Hauptursache für die sogenannte extrinsische Hautalterung, das heißt durch zu viel Sonnenlicht wird das Entstehen von Fältchen, braunen und roten Flecken im Gesicht begünstigt.

Wie sieht ein vernünftiger Umgang mit UV-Licht aus?

Wroblewski: Der Sonnenbrand ist zu meiden wie die Pest! Er ist besonders für den schwarzen Hautkrebs verantwortlich. Sonnenbrände in der Kindheit und Jugendzeit sind einer der Hauptgründe für das Auftreten von schwarzem Hautkrebs in späteren Jahren! Ich empfehle darum den vernünftigen Umgang mit der Sonne. Die Mittagszeit sollte vermieden werden. Lässt sich direkte Sonnenbestrahlung nicht vermeiden, so sollte man sich mit einem adäquaten Lichtschutz, einer Sonnencreme oder mit textilem Lichtschutz, rüsten.

Welcher Lichtschutzfaktor ist der richtige?

Wroblewski: Das ist immer von der jeweiligen Situation abhängig. Werden wir nach einem langen Winter mit viel Sonne konfrontiert, sollten wir uns zunächst beispielsweise mit dem Lichtschutzfaktor (LSF) 50 schützen. Baut sich der eigene Lichtschutz nach und nach auf, kann man mit einem niedrigeren LSF zurecht

kommen. Für den normalen mittelhessischen Tag empfehle ich immer eine Tagescreme mit einem Lichtschutzfaktor von circa 20. Für einen langen Tag an der Sonne empfehle ich einen LSF von 50.

Können Sie einen Anstieg an Neuerkrankungen auch in Ihrer Praxis spüren?

Wroblewski: Absolut! Das Vorkommen von Hautkrebs hat in unserer Praxis deutlich zugenommen. Das liegt vor allen Dingen daran, dass unser mittelhessisches Erbgut zu viel Sonne abbekommt. Hellhäutige Menschen sind anfälliger für Hautkrebs als dunkelhäutige. Durch Freizeitaktivitäten und Urlaube im Süden bekommt unsere Haut deutlich mehr Sonne und UV-Strahlen ab als noch vor 100 Jahren. Besonders der Lebenswandel der vergangenen 60 Jahre zeigt das veränderte Sonnenverhalten der meisten Menschen. In den 60er Jahren galt braune Haut als schick, und in den 70er Jahren wurde das Solarium erfunden. Außerdem werden Menschen immer älter, und das Sonnenkonto kann damit immer mehr gefüllt werden kann.

Welche Art von Hautkrebs tritt besonders häufig auf?

Wroblewski: Häufig sind der weiße und der schwarze Hautkrebs. Typisch ist, dass der schwarze Hautkrebs nicht unbedingt dort auftreten muss, wo der Sonnenbrand war. Für den weißen Hautkrebs ist die kumulative UV-Dosis von Relevanz. Das heißt, je mehr man im Leben in der Sonne ist, desto höher die Gefahr, einen weißen Hautkrebs zu bekommen. Typischerweise sind hier Areale am Körper betroffen, die häufig der Sonne ausgesetzt waren, wie zum Beispiel das Gesicht und die Hände. Ein besonderes Problem stellt bei Männern der lichte Oberkopf dar.

Gehen die Menschen mit UV-Licht heute bedachter um?

Wroblewski: Nach wie vor habe ich den Eindruck, dass eine gesunde Hautfarbe als attraktiv gilt. Ist man blass, wird dieses eher als kränklich von der Umgebung wahrgenommen. Hier gibt es aber mittlerweile, vor allem im kosmetischen Sektor, Möglichkeiten, einen gewissen Hautton zu erreichen, auch ohne sich der Sonne auszusetzen. Diese sind gesünder und lassen die Haut nicht so schnell altern.

Bei welchen Hautveränderungen sollte ein Hautarzt aufgesucht werden?

Wroblewski: Das Schlagwort ist Veränderung! Wächst etwas ungewöhnlich schnell, ändert die Farbe, juckt und blutet oder hat sich auch nach zwei bis drei Wochen noch nicht normalisiert, sollte man diese Hautveränderung dem Arzt vorstellen.

Der Hautarzt entdeckt einen kritischen Fleck auf der Haut. Was passiert dann?

Wroblewski: Kommt ein Patient mit einer verdächtigen Hautveränderung in unsere Praxis, muss eine sichere Einordnung der Hautveränderung erfolgen. Dies geschieht durch eine Probeentnahme und eine anschließende pathologische Begutachtung der Probe. Hierfür wird eine kleine örtliche Betäubung direkt unterhalb der Hautveränderung platziert und eine Gewebeprobe entnommen. Ein solcher Eingriff dauert in der Regel 10 bis 15 Minuten, und der Patient geht danach nach Hause. Bestätigt der Pathologe, dass es sich um Hautkrebs handelt, muss dieser komplett entfernt werden. Dies kann in den meisten Fällen ebenfalls in unserer Praxis erfolgen.

Wie gut sind die Chancen auf Heilung?

Wroblewski: Hautkrebs kann ein Todesurteil sein. Sowohl der schwarze Hautkrebs, Melanom, als auch der Stachelzellkrebs, eine Form des weißen Hautkrebses, können in andere Organe streuen. Die gute Nachricht ist aber, dass man Hautkrebs oft sehr gut erkennen kann, bevor er gestreut hat. Dann muss er nur vollständig entfernt werden, und der Patient ist geheilt Mit einem kleinen operativen Eingriff in Lokalanästhesie ist dann in vielen Fällen innerhalb von 30 Minuten die Kuh vom Eis.

Ein regelmäßiger Check ist also sehr wichtig. Was sollte man noch im Hinterkopf behalten?

Wroblewski: Ich empfehle meinen Patienten immer drei Dinge im Kampf gegen den Hautkrebs. Erstens: Ein vernünftiger Umgang mit der Sonne. Das heißt, ein guter Sonnenschutz ist unabdingbar, und ein Sonnenbrand sollte auf jeden Fall vermieden werden. Zweitens: Regelmäßig die Hautkrebsvorsorgeuntersuchung wahrnehmen. Drittens: Wenn sich etwas an der Haut schnell verändert, sollte dies dem Haus- oder Hautarzt auch kurzfristig vorgestellt werden. Mit diesen drei Maßnahmen haben wir Ärzte eine gute Chance, den Hautkrebs früh zu erkennen, zu entfernen und damit zu heilen.

Die ABCDE-Regel

Die ABCDE-Regel hilft dabei, verdächtige Leberflecke richtig einzuschätzen. Demnach ist vor allem auf die Form zu achten: Flecken sollten gleichmäßig geformt sein, die Ränder nicht ausgefranst oder die Oberfläche gar rau. Verdächtig sind unterschiedliche Färbungen. Vor allem rosa, grau oder schwarze Punkte im Fleck sind besorgniserregend. Auch die Größe ist wichtig: Ein Leberfleck sollte an seiner breitesten Stelle nicht größer als fünf Millimeter sein. Treten Veränderungen innerhalb von drei Monaten auf, sollte ein Arzt sie untersuchen. (kge/Quelle: Krebsgesellschaft)



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