09. Juli 2019, 20:17 Uhr

Wasservorrat im Boden ist passé

09. Juli 2019, 20:17 Uhr

»Die Bodenfeuchtigkeit fehlt«, erklären Uwe und Ernst Riebensahm. Vater und Sohn fahren gerade die Gerstenernte ein. Noch sind die drei Wagen am Wegesrand zwischen Reichelsheim und Dorn-Assenheim nicht ganz gefüllt. Die beiden und auch Landwirt Michael Paulencu, der die Gerste drischt, prognostizieren einen sehr guten Ertrag. Das Futter für die Rinder ist gesichert. Weniger optimistisch blicken sie auf die Zuckerrüben und den Weizen auf den benachbarten Feldern.

Hängende Rübenblätter seien im Hochsommer normal. Jedoch fehle das Wasser von unten. Gerade der Weizen brauche zum Füllen der Ähren Wasser. Die Böden sind trocken bis weit nach unten. Das bestätigt auch Andrea Rahn-Farr die Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Wetterau-Frankfurt. »Die jetzige Bodenfeuchte entspricht den Werten des vergangenen trockenen Sommers.« Das Problem: Die Niederschläge fehlen, im Winter konnten die Böden nicht genug Wasser speichern. Regnet es jetzt, verdunstet der Niederschlag sofort wieder. »Wir bräuchten anhaltenden Regen, nicht nur vier Millimeter, sondern 20 bis 30 Millimeter«, sagt die Agraringenieurin, die in Büdingen-Rinderbügen mit ihrer Familie einen Milchviehbetrieb bewirtschaftet.

Es wird mehr Soja angebaut

»Es bleibt abzuwarten, wie sich die jetzige Witterung auf die Erträge auswirkt«, sagt auch Philipp Möbs vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Mit seinen Kollegen berät er Landwirte. Auf den Versuchsfeldern bei Nieder-Weisel werden unterschiedliches Getreide und Leguminosen angebaut. Die Ergebnisse sind Grundlagen für die Auswahl der Sorten auf den einzelnen Höfen. »Wir müssen mit den Kulturen arbeiten, die wir haben, viele Alternativen gibt es nicht«, sagt Möbs.

Mehr Betriebe als sonst hätten in diesem Jahr Sojabohnen ausgesät. Eine Prognose, ob sich diese Leguminosen hier etablieren könnten, wagt er nicht. Im zeitigen Frühjahr müssten die Bohnen in den Boden, geerntet werden könne dann von September bis November.

Rahn-Farr setzt auf strategische Änderungen. Nach dem vergangenen Trockenjahr hat ihr Betrieb, auf dem mehr als 400 Milchkühe gehalten werden, umgesattelt: Es wird weniger Mais angebaut, stattdessen eine Roggen-Wicken-Mischung, die im Juni gehäckselt worden ist. »Damit ist schon mal ein Futtersilo voll.« Der Vorteil der Mischung sei, dass sie im Herbst ausgesät worden ist und die Winter- und Frühjahrsniederschläge zum Wachsen genutzt werden konnten. »Der Trick für die Zukunft wird sein, dass wir mehr verschiedene Sachen anbauen müssen«, sagt sie.

Deshalb sei es ein Nachteil, dass in er Wetterau immer weniger Raps ausgesät wird. Der sei gut für den Boden, die Fruchtfolge, den Humusaufbau. Als Grund dafür macht sie das Verbot von Beizmitteln aus.

Möbs sieht Chancen, Erbsen, Ackerbohnen oder Lupinen anzubauen. Dafür macht er er ein weiteres Problem aus: Die Vermarktungsstrukturen für diese Pflanzen müssten erst noch geschaffen werden. Mit dem Anbau allein sei es nicht getan. Da seien Betriebe im Vorteil, die Soja, Erbsen und Bohnen an ihre Tiere verfüttern können.

Der Blick der Landwirte richtet sich auf die in der Wetterau angebaute Hauptkultur: den Weizen. »Der Weizen ist gerade jetzt in der Kornfüllungsphase. Fehlt das Wasser, wird er notreif«, sagt Rahn-Farr. Kleine Körner und Kümmerkörner seien die Folge.

Sparsam mit Wasser umgehen

Der Mais benötige Wasser, um sein Längenwachstum fortzusetzen, die Rüben, um an Gewicht zuzulegen, das Gras wachse wieder nicht mehr, für den zweiten Heuschnitt stehe kaum Masse auf den Wiesen. »Das alles hat auch eine psychologische Komponente«, sagt Rahn-Farr. »Die Erinnerungen an das viel zu trockene vergangene Jahr sind noch im Kopf.« Da meldete die Wettervorhersage Woche für Woche Regen, letztlich seien die Niederschläge ausgeblieben. »Dass sich das wiederholt, davor habe ich Angst«, gesteht sie. Ein Umdenken müsse einsetzen. Die Ressource Wasser müsse weiter geschont werden. Sie plädiert für einen sparsamen Umgang.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bohnen
  • Erbsen
  • Gerste
  • Kühe und Rinder
  • Landwirte und Bauern
  • Mais
  • Optimismus
  • Soja
  • Weizen
  • Wetteraukreis
  • Ines Dauernheim
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.