24. Juli 2019, 05:00 Uhr

WZ-Austräger

Wenn andere noch schlafen

Gegen 6 Uhr am frühen Morgen hat Andreas Mühl aus Wohnbach Feierabend. Dann sind alle Wetterauer Zeitungen im Ort verteilt. Eine Aufgabe, die Mühl nicht missen möchte. Genauso wenig wie die WZ-Leser ihn.
24. Juli 2019, 05:00 Uhr
Andreas Mühl sorgt dafür, dass die Wohnbacher täglich ihre Zeitung bekommen. Am Anfang hat er sich die Runde durch den Ort mit seinem Bruder aufgeteilt, inzwischen ist er für den Ort alleine verantwortlich und legt dafür mehrere Kilometer pro Tag zurück. (Fotos: sda)

Um halb 3 liegen die Zeitungspakete vor Andreas Mühls Tür, um kurz vor 4 geht er los, und um 6 Uhr hat jeder Wohnbacher seine Wetterauer Zeitung im Briefkasten. Nein, ein Job als Zeitungsausträger ist nichts für Langschläfer. Macht dem 55-Jährigen aber nichts. Im Gegenteil: »Morgens ist es immer schön ruhig. Und im Sommer pfeifen die Amseln.« Gut, im Winter, da ist es manchmal nicht ganz so schön, morgens in der Kälte und im Dunklen vor die Tür zu gehen. Vor allem, wenn es glatt ist. Aber, sagt der Wohnbacher: Die Zeitung muss nun mal ausgeliefert werden.

Bis die WZ in den Briefkästen der Leser ankommt, sind viele Arbeitsschritte notwendig. Zuerst einmal muss die Zeitung in der Redaktion gefüllt werden - Artikel werden geschrieben, Pressemitteilungen bearbeitet, Bilder gemacht. Dann, zwischen 23.15 und 23.30 Uhr, geht die Zeitung in den Druck. Die Maschine steht in Gießen, im Verlagshaus der Mittelhessischen Druck- und Verlagshaus GmbH & Co. KG, zu der neben der Wetterauer Zeitung auch die Gießener Allgemeine und die Alsfelder Allgemeine gehören.

Bis 0.30 Uhr sind alle Wetterauer Zeitungen gedruckt. Die wenigen Ausnahmen: Bei besonderen Anlässen wird die Druckmaschine erst später in Gang gesetzt, zum Beispiel bei Wahlen oder Champions-League-Spielen.

Vom Verlagshaus in Gießen werden die Zeitungen mit Transportern in die ganze Wetterau gebracht - das dauert zwei bis drei Stunden. Nach Karben und nach Wöllstadt, nach Friedberg und nach Bad Nauheim - und nach Wohnbach vor die Haustür von Andreas Mühl. Der zeitliche Rahmen: Bis 6.30 Uhr müssen alle Abonnenten ihre Zeitung bekommen haben.

Für den Wohnbacher kein Problem, bis dahin ist er längst wieder zu Hause. Wenn der Ort langsam wach wird, hat er bereits Feierabend. Dann setzt er sich an den Frühstückstisch und liest dazu seine WZ.

Zwei Mal, erzählt Mühl, gab es in der Zeit, seit er austrägt, Blitzeis, die Zeitungen waren deswegen auch etwas später vor seiner Haustür und daher nicht pünktlich in den Wohnbacher Briefkästen. Und schon klingelte das Telefon bei Mühl - wo die Zeitung bleibe?

Seit 2010 trägt der Wohnbacher die Wetterauer Zeitung sowie die Frankfurter Zeitungen, etwa »FNP« und »FR«, in Wohnbach aus. Bis 2009 war er in einem Unternehmen angestellt, 29 Jahre insgesamt. Doch dann machte die Firma zu.

Mühl bekommt Erwerbslosenrente. 1980 hat er bei einem Moped-Unfall sein rechtes Bein verloren, seither trägt er eine Prothese. In den 2000ern dann eine Meniskus-Operation am anderen Bein. Dennoch suchte er sich die neue Stelle als Austräger.

Seine tägliche Aufgabe möchte er nicht missen. Zu Beginn haben er und sein Bruder gemeinsam ausgetragen. Eine Hälfte des Orts für den einen, eine für den anderen. Doch dann hat der Bruder eine neue Stelle gefunden, seither ist Andreas Mühl alleine für Wohnbach verantwortlich.

Aber, sagt er: »Bewegung hält fit.« Er fährt zwar mit dem Auto, dennoch stellt er es oft ab. »Ich steige jeden Tag an die 80 Mal ein und aus.« Sechs Kilometer lang ist seine Runde, schätzt er. Tagein, tagaus geht und fährt er sie. Eine Vertretung brauche er nicht. »Ich fahre sowieso nicht in den Urlaub. Zu Hause ist es doch am schönsten« - vor allem an einem lauen Sommermorgen, wenn die Menschen noch schlafen, alles ruhig ist und nur ein paar Vögel zwitschern.

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