05. August 2018, 12:00 Uhr

An der Raststätte

Wer sind die Menschen auf dem Rastplatz?

Unzählige Autofahrer rasen täglich auf der A 5 durch die Wetterau. Wer sind all diese Menschen? Wo wollen sie hin? Wo kommen sie her? Und was haben sie vor? Sechs Gespräche an der Raststätte.
05. August 2018, 12:00 Uhr

Die einen brauchen einen Kaffee, die anderen eine Toilette. Manche wollen rauchen, andere nach zig Kilometern die Beine vertreten. Auf der Raststätte Wetterau ist zu jeder Tageszeit Betrieb. Auffahren, abfahren – im Sekundentakt. Die wenigstens, die kommen, bleiben länger. Sie haben ein Ziel, das sie schnell erreichen wollen. Wo ist dieses Ziel, und wo kommen sie her? Sechs Gespräche an der Autobahn:

Heidelberg – Bochum

Die Tischdecke ist immer dabei, erzählen Christa und Heinz Löffler.
Die Tischdecke ist immer dabei, erzählen Christa und Heinz Löffler.

Eine Tischdecke, gekochte Eier im Eierbecher, Frischkäse – Christa und Heinz Löffler machen Rast. »Wir genießen das hier. Wenn wir unterwegs sind, machen wir es uns schön«, sagt Heinz Löffler. Und draußen, auf einer Bank mit dem eigenen Proviant, sei es viel schöner als im inneren einer Raststätte. Da können noch so viele Autos und Laster vorbeifahren – die Eheleute sitzen dort ganz in Ruhe, schmieren sich Brote, trinken Kaffee aus der Thermoskanne.

Die Tischdecke, die Christa Löffler ausgebreitet hat, ist von ihrer Oma, erzählt sie – »und immer dabei, wenn wir unterwegs sind.« Das Ehepaar kommt aus der Nähe von Heidelberg, das Ziel ist Bochum, dorthin geht es nun – satt und zufrieden.

 

Olten (Schweiz) – Edersee

Jutta Acerbis
Jutta Acerbis

»Man schätzt die Region, aus der man kommt, erst, wenn man mal weg ist.« Jutta Acerbis hat über die Hälfte ihrer Strecke geschafft. Meistens fährt sie mit dem Zug, wie sie erzählt. Diesmal hat sie allerdings ihr Auto genommen. Losgefahren ist sie in der Gemeinde Olten in der Schweiz, nach etwa 400 Kilometern ist sie abgefahren. Raststätte Wetterau – noch etwas über 100 Kilometer bis in die alte Heimat in Nordhessen. Seit 35 Jahren, erzählt sie, lebt sie in der Schweiz – der Liebe wegen hingezogen. Doch jedes Jahr in den Sommerferien besucht sie ihre Verwandten am Edersee. In einer Woche wird sie wieder auf der A 5 durch die Wetterau fahren – zurück in die Schweizer Heimat.

 

Freiburg – Erfurt

Andreas Weidringer
Andreas Weidringer

Eigentlich wollte Andreas Weidringer schon näher am Ziel sein. »Ich bin um halb 2 müde geworden, deswegen habe ich hier übernachtet.« Um 23 Uhr ist er zu Hause in Freiburg losgefahren. Zweieinhalb Stunden später dann der Stopp an der Raststätte Wetterau. Macht aber auch nichts – im VW-Bus ließ es sich super schlafen, sagt er, und Stress ist im Urlaub sowieso unnötig. »Ich habe alles dabei, was ich brauche. Jetzt trinke ich noch einen Kaffee, dann geht es weiter.« Neben seinem provisorischen Bett steht im VW-Bus noch sein Fahrrad, auf dem Boden liegen Paddel. Zuerst will er nach Erfurt, »mein Fernziel ist der Ostharz, dort will ich campen.« In zweieinhalb Wochen soll es wieder zurückgehen.

Emmerich – Heidelberg – Thüringen

Vier Wochen, so lange war Familie Engels noch nie am Stück im Urlaub. Aber, sagt Familienvater Mikael, nachdem es im vergangenen Jahr nicht geklappt hat, es so viel zu tun gab, ist es jetzt an der Zeit. Er, seine Frau Marije und die Kinder Thomas (9), Laura (8) und Femke (5) sind gerade auf dem Weg von einem Camping-Platz zum nächsten. Die gebürtigen Holländer leben in Emmerich am Rhein in Nordrhein-Westfalen. »Normalerweise fahren wir immer weiter weg in den Urlaub, aber da es dieses Jahr so warm ist, sind wir in Deutschland geblieben.« Urlaub ist bei der Familie ohnehin eine spontane Angelegenheit – »wir fahren meistens einfach los, ohne vorher was zu buchen. Wo es uns gefällt, da bleiben wir.« Und so sind sie zuerst für eine Woche auf einem Campingplatz in Heidelberg gewesen, haben dann ihren Wohnwagen startklar gemacht und sind losgefahren Richtung Thüringen. »Mal schauen, wo es schön ist.«

Finnland – quer durch Europa – Berlin

Heute hier, morgen dort – Hyry Huostila und Kristina Peltoniemi trampen durch Europa.
Heute hier, morgen dort – Hyry Huostila und Kristina Peltoniemi trampen durch Europa.

Hyry Huostila und Kristina Peltoniemi sind gerade aufgewacht. Es ist zwar noch früh, aber auf ihren Schlafplatz knallt schon ordentlich die Sonne. Die zwei Finnen waren am Abend vorher noch in Ravensburg, von dort sind sie per Anhalter Richtung Norden gefahren, haben sich an der Raststätte Wetterau absetzen lassen und wenige Meter hinter der Raststätte einen Schlafplatz für die Nacht gefunden. Es soll, so steht es auf dem Pappschild, das am Gepäcke hängt, nach Berlin gehen. Auf diese Weise, per Anhalter, sind die zwei, er ist 25, sie 23, schon viel herumgekommen in Europa. Seit fünf Wochen ist er unterwegs, erzählt Hyry Huostila. Ursprünglich waren beide einmal Alleinreisende, er lebt in einer Stadt in Finnland, etwa 300 Kilometern von Helsinki entfernt, ist mit der Fähre von Helsinki nach Estland gefahren, über das Baltikum gereist. Sie wohnt in einer Stadt, die etwa 150 Kilometer entfernt liegt von der finnischen Hauptstadt. In Tschechien haben sie sich kennengelernt – und entschieden, zusammen weiterzureisen. Bisher, erzählen sie, läuft es bestens: »Per Anhalter in Deutschland unterwegs zu sein funktioniert gut. Die Leute sind sehr freundlich und bereit, uns mitzunehmen.«

Kroatien – Gaggenau – Hamburg

Auf der Heimreise von Kroatien.
Auf der Heimreise von Kroatien.

Schönes Wetter, viel Meer und – der Höhepunkt – Fußball gucken mit den Kroaten. WM-Halbfinale, Kroation gegen England, und das Finale gegen Frankreich. Es war ein schöner Urlaub, sagen Thorben und Ina. Auf dem Rückweg haben sie die Mama von ihr in Gaggenau (»In der Nähe von Baden-Baden«) eingesammelt – und einen Familienbesuch gemacht. Nun geht es für die drei wieder nach Hamburg – und dann bald auch wieder zurück an die Arbeit. (Fotos: sda)

Info

Die A5

440 Kilometer, vom Hattenbacher Dreieck bis nach Weil am Rhein in Baden-Württemberg an der Grenze zur Schweiz. Seit 1975 heißt die Strecke Autobahn 5. Errichtet wurde die Straße zum größten Teil in den 1930ern als »Reichsautobahn«. Heute werden einige Abschnitte der A 5 täglich von mehr als 100 000 Fahrzeugen genutzt.

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