14. Juli 2019, 18:41 Uhr

Wie ein großes Klassentreffen

14. Juli 2019, 18:41 Uhr
Nicht nur reden, sondern machen: Norbert Fisch und Joachim Pfitzner packen mit an, wenn Hilfe benötigt wird. Nach den Kontakten via Bad-Nauheim-Facebook-Gruppe wird es nun ein persönliches Wiedersehen geben - am 3. August beim Burgplatzfest. (Foto: cor)

»Damit hätte ich im Leben nicht gerechnet«, sagt Joachim Pfitzner. Als der Bad Nauheimer am 16. Januar die Facebook-Gruppe »Du weißt, dass Du aus Bad Nauheim kommst...« gründete, erlebte diese in kürzester Zeit einen Boom. In nur vier Tagen meldeten sich 1000 Facebook-User an, darunter zahlreiche frühere Bad Nauheimer. Bis heute hält das Interesse an, werden in der Gruppe Erinnerungen an die Kurstadt geweckt und viele Gemeinsamkeiten entdeckt. Am 3. August werden diese beim ersten Burgplatzfest in Bad Nauheim im Mittelpunkt stehen.

»In Facebook gibt es viele Gruppen mit regionalen Bezügen«, erklärt Joachim Pfitzner. »Allerdings habe ich da immer die Erinnerungskultur vermisst.« Pfitzner entschloss sich dazu, eine neue Facebook-Gruppe zu gründen. »Mir ging es dabei um die guten alten Zeiten, das Teilen von Erinnerungen.« Im Netz informierte er sich über die Aufgaben eines Administratoren, danach erstellte er Reglement, Netiquette und Hinweise zu Urheberrechten. »Dann habe ich 30 Personen aus meinem Freundeskreis in die Gruppe eingeladen.« Was dann passierte, überraschte nicht nur ihn. In nur wenigen Stunden entwickelte sich die Gruppe zum Selbstläufer. Zahlreiche Beiträge wurde verfasst, mit Kommentaren, alten Fotos und Postkarten, Nach nur vier Tagen zählte die Gruppe 1000 Mitglieder und rund 100 000 Interaktionen.

Administratoren greifen durch

»Das Handy klingelte ununterbrochen«, lacht Pfitzner, der viel Zeit investierte, um den Überblick zu behalten. »Ich habe da schnell gemerkt, dass mir das zuviel wird.« Er suchte nach Unterstützung. Mit Antje Schäfer, Christiane Michel und Melanie Hinze holte er drei weitere Admins dazu. Erfreulicherweise stieß mit Norbert Fisch noch ein weiterer Admin dazu, der sich in Social-Media-Fragen bestens auskennt. »Hier und da muss man schon mal durchgreifen, es geht ja auch um Persönlichkeitsrechte«, erklären die Admins.

»Die ersten Wochen waren anstrengend. Wir prüfen ja genau, welche Absichten hinter den Anmeldungen stecken«, sagt Norbert Fisch. Verkäufe oder Werbeanzeigen sind nicht erwünscht. »Im Vordergrund stehen die Erinnerungen.«

Und von denen gibt es reichlich, wie das Interesse bis heute zeigt. Aus den 100 000 Interaktionen sind längst mehr als 200 000 geworden. Immer wieder schwärmen die User von früheren gemeinsamen Zeiten, auch werden Erinnerungen an alte Geschäfte, Gastronome, Prominente oder Gebäude und besondere Plätze der Stadt geteilt.

»Viele Mitglieder haben bei uns nach Jahrzehnten frühere Freunde wiedergefunden«, freut sich der Gruppengründer. Unlängst hat sich die Gruppe auch zu einer Plattform mit sozialem Engagement entwickelt. »Irgendwer hatte Müll auf einem Platz in Schwalheim hinterlassen«, erinnert sich Pfitzner. »Wir sind dann spontan hin und haben aufgeräumt.« Auch fragten User nach dem Sturm in Bad Nauheim, ob jemand Hilfe benötige. Ein Miteinander, das sehr geschätzt werde. Aktuell zählt die Gruppe 1723 Mitglieder. »Viele frühere Nauheimer, die nun u.a. in den USA, Australien, Thailand, Spanien, Namibia, Ungarn, der Schweiz und in Übersee leben, sind bei uns vertreten.« Besonders aktiv sind Mitglieder im Alter von 45 bis 55 Jahren.

Das große Wiedersehen

Bereits im März wurde auch der Wunsch nach einem Treffen laut. Gleich wurde eine Umfrage gestartet. »Wir haben nach einem passenden Ort und Termin gesucht«, sagt Pfitzner. »Viele ehemalige Nauheimer möchten für das Treffen anreisen.« Termin und Ort stehen bereits fest. Das große Wiedersehen wird am 3. August auf dem Burgplatz mit dem ersten Burgplatzfest gefeiert.

»Kein Altstadtfest, sondern eher ein Straßenfest«, sagt Norbert Fisch. Auch das sei nicht leicht zu stemmen. »Wir haben als erstes Gespräche mit der Stadtverwaltung geführt, dort wurden wir mit offenen Armen aufgenommen«, erklärt Pfitzner. »Außerdem freut es uns sehr, dass unser Bürgermeister Klaus Kreß die Schirmherrschaft übernimmt.« Alle erforderlichen Genehmigung wurde eingeholt, auch habe man Kooperationspartner gefunden und freiwillige Helfer, die bei der Organisation helfen. Finanziert wird das Wiedersehen durch Spenden.

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