10. September 2017, 12:00 Uhr

Sexueller Missbrauch

Wildwasser: Im Einsatz für Missbrauchsopfer

Der Verein »Wildwasser Wetterau« bietet seit 25 Jahren Hilfe für Opfer von sexuellem Missbrauch an. Es hat sich viel verändert – in der Arbeit mit Betroffenen und in der Gesellschaft.
10. September 2017, 12:00 Uhr
Wenn es nicht beim harmlosen Schaukeln auf dem Spielplatz bleibt, dann versucht der Verein »Wildwasser Wetterau« zu helfen und Wunden zu heilen. (Fotos: isi/dpa)

Sie engagieren sich gegen sexuelle Gewalt in der Kindheit und helfen den Betroffenen. Das machen engagierte Menschen seit 25 Jahren. So lange gibt es den Verein »Wilwasser Wetterau« bereits. Brigitte Otto-Braun und Miriam Vermeil, beide langjährige Mitarbeiterinnen, erzählen, wie sich die Arbeit des Vereins im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat.

In der Friedberger Burg ist der Sitz des Vereins, schön gestaltete Beratungsräume und viel Spielzeug für Kinder gibt es. Drei fest angestellte Halbtagskräfte und eine Honorarkraft arbeiten dort. »Vor 25 Jahren startete der Verein durch das Engagement Wetterauer Frauen, die der Ansicht waren, es brauche eine Fachberatung gegen sexuelle Gewalt«, erzählt Otto-Braun. Es habe Überzeugungsarbeit gebraucht, »der Wetteraukreis war damals noch der Ansicht ›so etwas passiert bei uns nicht‹«, fügt Vermeil hinzu.

 

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Arbeiten seit vielen Jahren für »Wildwasser Wetterau«: Brigitte Otto-Braun (l.) und Miriam...

Für Jungen noch zu wenig


1992 startete die Beratungstätigkeit zunächst für betroffene Frauen, jugendliche Mädchen und weibliche Fachkräfte. Seit Ende der 90er Jahre bietet man auch Beratungen für Väter und männliche Vertrauenspersonen und Fachkräfte an. »1998 erweiterten wir das Angebot für Mädchen im Alter von 3 bis 12 Jahren«, sagt Vermeil, »dieses therapeutische Unterstützungsangebot haben wir Anfang 2016 auch für betroffene Jungen geöffnet, für die es immer noch zu wenige Beratungsangebote gibt.« Eine neue Honorarkraft mit sechs Wochenstunden wurde eingestellt. »Unsere Mittel sind immer noch knapp. Wir bekommen zwar Zuschüsse von Land und Kreis, allerdings reichen diese nicht aus, und wir befürchten immer, dass es zu Kürzungen kommt«, sagt Otto-Braun.

 

Durch private Spenden und durch Fortbildungsangebote erhalte der Verein zusätzliche Gelder. Fortbildungen biete Wildwasser beispielsweise für Erzieher und Erzieherinnen in Kitas zum Thema Kindeswohlgefährdung an: »Das Personal wird im Umgang mit sexuellen Übergriffen von Erwachsenen aber auch unter Kindern geschult«, erklärt Vermeil. Wichtig sei, dass das Thema als solches wahrgenommen werde: »Wie wir Grenzen von Kindern achten, da hat sich vieles geändert in 25 Jahren. Wir lehren auch einen respektvollen Umgang mit Kindern.«

»Bis zur zweiten Klasse bieten wir die Kurse für Jungen und Mädchen an, danach betreut Pro Familia die Jungen und wir weiter die Mädchen«, erklärt Brigitte Otto-Braun, »für Betroffene sind die Beratungsangebote natürlich kostenfrei. Wir bieten hier einen sicheren Ort, vermitteln auch Ärzte und Therapeuten.«

Seit 2015 bietet der Verein auch eine Online-Beratung über einen datengeschützten E-Mail-Zugang an. Der Betroffene bekommt immer den gleichen Ansprechpartner. »Gerade für Jugendliche ist die Hürde, zu uns zu kommen, oft groß«, sagt Otto-Braun. »Wir bekamen viele sehr persönliche E-Mails, daher wollten wir unsere Klienten besser schützen«, meint Vermeil. Über den Onlinekontakt komme dann ein persönlicher Kontakt zustande.

Internetmedien spielten auch in der Beratung eine zunehmende Rolle, sagt Otto-Braun: »Jugendliche können die Gefahren, die von den modernen Medien ausgehen, nicht richtig einschätzen.« Dazu werden auch spezielle Workshops angeboten.

Info

Auf Spenden angewiesen

Das Thema Kindesmissbrauch komme jetzt erst langsam in der Politik an, sagen Brigitte Otto-Braun und Miriam Vermeil. Auch wegen ein paar spektakulärer Fälle, die durch die Medien gingen. Es werde zwar als wichtiges Thema erachtet, aber wenn es um Gelder gehe, bleibe es leider oft bei Lippenbekenntnissen. Der Verein ist dringend auf Sponsoren angewiesen: »Wildwasser Wetterau«, In der Burg 18, Tel.: 0 60 31/6 40 00, info@wildwasser-wetterau.de, Telefonzeiten: Montag 10 bis 12, Dienstag und Donnerstag 11 bis 13 Uhr, offene Sprechstunden Donnerstag 16 bis 18 Uhr. Unter www.wildwasser-wetterau.de findet man die Angebote des Vereins und den Link zur Online-Beratung. Bankverbindung: Sparkasse Oberhessen, IBAN: DE56518500790051011848. (isi)

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