09. Mai 2017, 05:05 Uhr

»Vernunft hat gesiegt«

Windpark bei Wohnbach abgelehnt

Keine Windräder in Wohnbach: Wie das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) mitteilt, darf der von der Firma NWind GmbH aus Hannover beantragte Windpark nicht errichtet werden.
09. Mai 2017, 05:05 Uhr
Die geplanten Windräder bei Wohnbach sind abgelehnt worden. Für die Münzenberger heißt das: Der Blick auf ihre Burg wird nicht »verschandelt«, wie die Mitglieder des Vereins Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg befürchtet hatten. (Archivfoto)

Das RP hat am Montag das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren für die beantragten vier Windkraftanlagen abgeschlossen. Laut RP gibt es zwei Hauptgründe, die gegen die Errichtung der Anlage sprechen. Einer besteht in den »entgegenstehenden Belangen des Denkmalschutzes«. Gemeint ist die Münzenburg. Zwar wären die Windräder auf dem Berg vor Wohnbach errichtet worden, doch wären sie wegen ihrer Höhe (Spitzenhöhe von 206,5 Meter) auch neben der Burg zu sehen gewesen und hätten den Blick darauf »verschandelt«, wie es vonseiten des Vereins Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg hieß. Der Verein unter Vorsitz von Uwe Müller hatte sich gegen die Anlagen eingesetzt und ausführliche Einwendungen beim RP eingereicht. Vonseiten des RP heißt es in der Begründung zur Ablehnung: »Da sich in circa 3,5 Kilometern Entfernung zu den geplanten Windkraftanlagen die Burg Münzenberg, eine der wohl bedeutendsten stauferzeitlichen Burgen Deutschlands, befindet, war zu prüfen, ob sich die Errichtung und der Betrieb der geplanten WKA auf den Bestand und das Erscheinungsbild dieses Kulturdenkmals auswirken könnten.« Nach dieser Prüfung sei klar gewesen, dass »eine denkmalrechtliche Genehmigung nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz versagt wurde«. Der zweite Grund, warum es für die Firma aus Hannover keine Genehmigung gibt, ist ein artenschutzrechtlicher: Die Anlagen würden »zu einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko für den Rotmilan führen, der den Bereich regelmäßig überfliegt«.

Für die vielen Bürger, Vereine, Institutionen, die sich gegen die Windräder eingesetzt haben, ist der abgelehnte Antrag eine gute Nachricht. Winfried Gramatte aus Wohnbach ist einer von ihnen. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens führte er zahlreiche Argumente auf, die seiner Meinung nach gegen eine Errichtung bei Wohnbach sprachen. Heute sagt er: »Es ist toll, dass die Vernunft gesiegt hat«, und dass die Firma NWind »ihre Profitinteressen hier nicht durchsetzen kann«. Ihm zur Seite stand Norbert Bitzer, der sich ebenfalls für die Verhinderung des Baus der vier Anlagen einsetzte. Er saß im Oktober auf der Seite der Einwender, als das Regierungspräsidium zum öffentlichen Erörterungstermin in die Turnhalle Wohnbach eingeladen hatte. Ihm und anderen Einwendern gegenüber saßen Vertreter der Firma NWind GmbH, unter anderem Nils Niescken, Gesellschafter und Geschäftsführer.

Auch auf der Seite der Einwender saß Dr. Monika Gramatte. Ihre Bedenken bezogen sich vor allem auf die Erosionsproblematik, weil es in Wohnbach häufig zu Schlammlawinen kommt. Grund dafür ist die Lage: Wohnbach liegt in einem »Trichter mit guten, aber erosionsanfälligen Böden«. Durch den Bau von Windrädern hätte sich die Situation verschlimmert (u.a. Versiegelung von Flächen und anderen schädlichen Bodenveränderungen in der Umgebung der Anlagen). Umso erleichterter zeigt sich die Wohnbacherin über die Nachricht: »Diese Entscheidung war dringend notwendig, weil es sehr viele Gründe gibt, die hier dagegen sprechen.« Außerdem, sagt sie, hätten die Windräder in Wohnbach kaum zum Klimaschutz beigetragen (»wegen geringer Windhöffigkeit«), sie hätten eher die Folgen des Klimawandels verschärft.

Aber nicht nur Bürger haben Einwendungen beim RP eingereicht. Auch Gemeinden stellten sich gegen den Windpark, Nachbarkommunen wie Rockenberg zum Beispiel. Die Stadt Münzenberg, vertreten durch Bürgermeister Hans Jürgen Zeiß, hatte zum Erörterungstermin sogar Anwälte mitgebracht. Und auch die Gemeinde Wölfersheim sprach sich gegen die Windräder im eigenen Gebiet aus. Daher zeigt sich Bürgermeister Rouven Kötter erfreut darüber, dass der Firma NWind eine Absage erteilt worden ist. Er spricht von einem »guten Tag für Wohnbach«, das RP habe eine gute Entscheidung getroffen. »Ich freue mich darüber, insbesondere für die Wohnbacherinnen und Wohnbacher, aber auch für die Münzenburg als Wetterauer Wahrzeichen.« Sein Dank gelte den Mitarbeitern des Regierungspräsidiums, »die diese verantwortungsvolle Entscheidung herbeigeführt haben, aber auch allen Bürgern und Organisationen, die sich gemeinsam mit der Gemeinde Wölfersheim für eine Verhinderung der Anlagen mit hohem Engagement starkgemacht haben«.

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