28. Juni 2018, 20:14 Uhr

Windrädchen als Lebensretter

Die Rechtslage ist eindeutig: Bevor ein Landwirt eine Wiese mäht, muss er sicherstellen, dass dort kein Rehkitz versteckt ist. Naturschützer Rolf Langsdorf aus Rödgen hat erst unlängst wieder ein qualvoll getötetes Kitz entdeckt. Er wirbt für das Aufstellen von Windrädchen vor der Wiesenmahd. Der Regionalbauernverband setzt dagegen auf andere Methoden.
28. Juni 2018, 20:14 Uhr
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Von Hedwig Rohde
Naturschützer und Jäger Rolf Langsdorf zeigt auf einer Wiese bei Bad Nauheim die Windrädchen, die er zur Vertreibung von Rehen für besonders geeignet hält. (Foto: Hedwig Rohde)

Landwirte stehen – insbesondere in der Erntezeit – unter Druck, das weiß Rolf Langsdorf, der sich auch als Jäger immer wieder mit den Belangen von Landwirtschaft und Naturschutz auseinandersetzen muss. Dass die gesetzlichen Vorgaben missachtet werden und auf das vorherige Vertreiben eventuell in der Wiese liegender Wildtiere – außer Rehen auch Hasen und bodenbrütende Vögel – verzichtet wird, geschieht nach seiner Ansicht immer noch viel zu häufig.

»Oft entschuldigen sich Landwirte später damit, sie hätten keine Zeit gehabt oder sie seien sich sicher gewesen, dass auf der betreffenden Wiese kein Kitz lagere. Wie dabei übersehen wird, kann nicht nur eine vorsätzliche, sondern auch eine bedingt vorsätzliche Tat unter Strafe gestellt werden«, betont Langsdorf, der als Rechtsanwalt arbeitet.

Ortstermin auf einer Wiese unterhalb der Bad Nauheimer Waldteiche. Hier wurde frisch gemäht, ein Storch freut sich über den reich gedeckten Mittagstisch. »Er ist hier, weil er weiß, dass sich zwischen dem Heu bei der Mahd getötete Kleintiere wie Mäuse befinden«, erläutert Langsdorf. Für die spätere Verfütterung der Silage seien solche Kleintiere kein Problem, anders als größere Tiere. Gerieten Hasen oder Kitze zwischen die Messer, stürben sie nicht nur einen qualvollen Tod oder erlitten schwerste Verletzungen, die Silage könne wegen der anschließenden Verwesungsprozesse auch nicht mehr verfüttert werden. Das »Ausmähen« von Kitzen und anderen Tieren zu vermeiden, liege daher auch im Interesse der Landwirte selbst.

Feine Geräusche stören Rehe

Langsdorf hat drei Windrädchen mitgebracht, wie man sie in jedem Spielwarengeschäft erstehen kann. Er hat sie mit Klebeband auf eineinhalb Meter hohen Stangen befestigt, die sich mit einer Spitze leicht in den Boden rammen lassen. »Windrädchen drehen sich selbst bei leichtem Wind und erzeugen feine Geräusche. Die stören die Rehe, und sie bringen ihre Kitze an einen ruhigeren Ort«, berichtet Langsdorf von entsprechenden Erfahrungen der Hegegemeinschaft Knüll, die diese Methode bereits seit Jahren erfolgreich anwende. »Die Methode kostet nicht viel, ist leicht anzuwenden und wirkt mit einem Vorlauf von vier Tagen zu hundert Prozent«, betont der Naturschützer.



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