30. April 2019, 08:00 Uhr

E-Tretroller

Wohin mit dem E-Tretroller in der Wetterau?

Sind die E-Scooter auch für die Wetterau geeignet? Beim Thema Nachhaltigkeit herrscht vorwiegend Übereinstimmung – einen Streitpunkt gibt es aber noch immer.
30. April 2019, 08:00 Uhr
Das umweltfreundliche Verkehrsmittel auf Kurzstrecke ist bisher das Fahrrad. Starker Konkurrent könnte bald der E-Tretroller werden. (Symbolfoto: dpa)

Sie wiegen im Schnitt nur zehn bis 15 Kilo, sind leise und wendig. Die Zulassung der Tretroller mit Elektromotor rückt näher. Bald schon sollen die E-Scooter auch in Deutschland zu den Verkehrsteilnehmern gehören – vielleicht auch in der Wetterau. Umstritten ist dabei immer noch das »Wo« – Gehweg, Fahrradweg oder Straße?

»Die Nutzung der Gehwege verträgt sich nicht mit den Kindern, die zum Beispiel zur Schule gehen, und den Senioren, die gegebenenfalls mit Gehhilfen unterwegs sind. Diese Gruppen müssen geschützt werden«, gibt Heinz Euler von der Verkehrswacht Wetteraukreis zu bedenken. Unstimmig findet er auch die Altersfreigabe: Kinder ab zwölf Jahren dürfen den E-Tretroller mit geringer Geschwindigkeit fahren – auf dem Bürgersteig. Mit dem Fahrrad jedoch müssen sie ab dem elften Lebensjahr auf die Straße, beziehungsweise den Radweg. »Das ist nicht wirklich durchdacht«, sagt Euler.

Doch kommen sich Fußgänger und E-Tretrollerfahrer auf den Gehwegen wirklich in die Quere? Nein – dieser Meinung ist der Friedberger E-Mobilitäts-Experte Christian Hoffmann. »Die Roller, die auf den Gehwegen fahren dürfen, haben mit unter 12 km/h eine so geringe Geschwindigkeit, dass ich keine Gefahr eines Zusammenstoßes sehe.« Außerdem seien die Gehwege nie wirklich so voll, dass es keine Möglichkeit gäbe, auszuweichen.

 

ADFC warnt vor Chaos

Und selbst wenn: »Wo die Wege voll sind, wird der Verkehr langsamer«, sagt Clemens Breest vom Kreisvorstand der Grünen Wetterau. Breest und Hoffmann sehen die E-Tretroller in Zukunft zusammen mit den Fußgängern auf den Bürgersteigen. Denn – bei allen Kritikpunkten – die Alternative Radweg oder Straße sei zu gefährlich.

Das Unfallrisiko auf Straßen ist schon für Radfahrer hoch, obwohl diese im Verkehr besser wahrgenommen werden. Dass E-Tretroller darum dort nichts zu suchen haben, würde auch die Verkehrswacht bestätigen. Was bleibt, sind die Radwege. Doch hier sind die schnelleren Fahrräder und E-Bikes unterwegs. Hinzukommt, dass die Radwege nicht überall gut ausgebaut sind und an manchen Stellen komplett fehlen. Wo die Radwege ohnehin schon überlastet sind, droht es mit E-Tretrollern chaotisch zu werden.

 

Mit auffälliger Kleidung bemerkbar machen

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) spricht sich deshalb gegen die Nutzung der Radwege mit E-Tretrollern aus. Gert Hullen sieht dort eher weniger Gefahrenpotenzial. Er ist Vorsitzender des ADFC Bad Nauheim/Friedberg und für die Wetterau zuständig. Seiner Meinung nach muss vor allem ein Miteinander auf den Radwegen und Straßen herrschen: »Wenn jeder etwas auf den anderen achtet und sich selbst bemerkbar macht – zum Beispiel durch auffällige Kleidung –,können Radfahrer und Nutzer von E-Tretrollern gut miteinander funktionieren.« Auch dort, wo die Infrastruktur für Zweiräder nicht so gut ausgebaut ist. »Wo man zunächst nichts ändern kann, muss man sich eben arrangieren.«

Wo man zunächst nichts ändern kann, muss man sich eben arrangieren

Gert Hullen, ADFC Bad Nauheim

Abgesehen vom strittigen »Wo« gibt es zudem noch das unübersichtliche »Wie«. Eine umfassende Verordnung soll die Zulassung der E-Tretroller regeln, doch »die ist völlig überzogen und verkompliziert alles«, meint Hoffmann. Gerade die Versicherungspflicht könnte dem Trend einen gewaltigen Dämpfer geben. Frank Bering kennt das von den schnelleren E-Bikes. Er ist einer der Geschäftsführer des Friedberger Fahrradgeschäftes »Rückenwind« und geht davon aus, dass vielen Interessenten der Aufwand dafür zu groß ist. Die maximale Geschwindigkeit von 20 km/h würde vielen das Geld nicht wert sein, prophezeit er.

Die E-Tretroller sind eine umweltfreundliche Ergänzung zu Bus und Bahn – darin sind sich die Experten einig. Nur die Umsetzung scheint in vielen Bereichen noch nicht zufriedenstellend. Bis die E-Tretroller auch in der Wetterau zu sehen sein werden, könnte es deswegen noch etwas dauern. »Eine Lösung darf nicht zulasten einer anderen gehen«, meint Breest. Vor allem in der Infrastruktur müsse einiges getan werden, um den elektrischen Kleinstfahrzeugen mehr Platz und damit mehr Relevanz einzuräumen.

Info

Händler in Wartestellung

Frank Bering, Geschäftsführer von »Rückenwind«, musste bereits eine handvoll an E-Tretrollern Interessierter vertrösten. Zu unsicher sei ihm die aktuelle Lage, und einigen Kollegen würde es ähnlich gehen: »Wir gehen zunächst in Wartestellung.« Wer in der Wetterau aktuell nach E-Tretrollern sucht, tut sich schwer, zumindest offline. Ausschlagendes Argument Berings: Der fehlende und direkte Bezugspartner in Deutschland oder der EU. »Ich muss meinen Kunden Nachhaltigkeit und Service geben, mit den noch fehlenden Strukturen geht das nicht.« Für Bering sind die Geräte darum bisher eher Freizeitgerät statt »ernsthaftes Fahrzeug«.

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