11. Februar 2019, 20:16 Uhr

Zeit zu verschenken

Mehr als 50 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden an einer Erkrankung, an der sie frühzeitig sterben werden. Am Sonntag war deutschlandweit der »Tag der Kinderhospizarbeit«. Auch in Friedberg wurde erstmals über die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer informiert.
11. Februar 2019, 20:16 Uhr
Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Gießen/Marburg mit Barbara Willkom-Dingeldey (6. v. l.), die den Aktionstag in Friedberg organisiert hat. (Foto: Steinhauer)

In den Räumen der Evangelischen Stadtmission fand am Sonntag erstmals in Friedberg ein Informationstag zur Kinderhospizarbeit statt. Im Mittelpunkt der Arbeit der Ehrenamtlichen in der Kinderhospizarbeit stehe »Zeit zu schenken«, sagte Organisatorin Barbara Willkom-Dingeldey. Zeit für die erkrankten Kinder, Zeit für Geschwisterkinder und für die Eltern.

Der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Gießen-Marburg ist im Umkreis von 50 Kilometern rund um Gießen aktiv. Insgesamt 50 ehrenamtliche Mitarbeiter begleiten zurzeit 24 Familien. Der Deutsche Kinderhospizverein sei 1990 von Eltern lebensverkürzend erkrankter Kinder gegründet worden, erläuterte Willkom-Dingeldey in ihrer Begrüßung.

Im Mittelpunkt der ehrenamtlichen Arbeit stehe die gesamte Familie, auch über den Tod der Kinder und Jugendlichen hinaus. »Den Tag der Kinderhospizarbeit wollen wir dazu nutzen, unsere Arbeit bekannter zu machen und den Menschen die Scheu vor diesem Thema zu nehmen«, sagte Willkom-Dingeldey. Das Projekt werde unterstützt von der Partnerschaft für Demokratie des Wetteraukreises aus dem Projekt »Demokratie leben!«, gefördert durch das Bundesfamilienministerium.

»Die Ehrenamtlichen kümmern sich um die Kinder, zum Beispiel auch, wenn diese in Kliniken weit von Zuhause entfernt sein müssen und die Eltern nicht täglich so weit fahren können«, sagte Willkom-Dingeldey. »Wir haben ein offenes Ohr für die Geschwisterkinder, die bei einem erkrankten Geschwister oft zu kurz kommen, weil den Eltern einfach die Zeit fehlt. Und wir versuchen für ein paar Stunden die Eltern zu entlasten.« Vier bis fünf Stunden pro Woche seien die Ehrenamtlichen für die Familien da. Wofür die Zeit genutzt werde, werde in den Familien ganz individuell besprochen. Je nach Bedarf betreuten auch manchmal mehrere Ehrenamtliche eine Familie. »Die Betreuung der Kinder und Geschwisterkinder kann Spielen oder Vorlesen sein, oder auch Fahrten des Geschwisterkindes zum Schwimmunterricht«, sagte Ann-Cathrin Mücke-Gehrhardt, hauptamtliche Koordinatorin in der Kinderhospizhilfe.

Musik, Film und Gespräche

Der Info-Tag begann mit einem Gottesdienst und endete nach einer Pause mit Kaffee, Kuchen, vielen Gesprächen und einem Konzert von Robby Hildmann und Martin Schnur. Ein Dokumentarfilm zeigte am Nachmittag, wie Leben und Alltag von Geschwisterkindern aussehen. Der Film »Unzertrennlich – Leben mit behinderten oder lebensverkürzt erkrankten Geschwistern« der Filmemacherin Frauke Lodders kam im Januar in die Kinos. Geschildert wird, wie sich Geschwister von chronisch oder lebensverkürzend erkrankten oder behinderten Kindern früh mit den Themen Verantwortung, Verzicht und Verlust auseinandersetzen müssen. Ihr Leben unterscheidet sich grundlegend von dem anderer Kinder, wie die Dokumentation sensibel und voller Respekt für alle Familienmitglieder aufzeigte.

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