21. Februar 2019, 20:02 Uhr

Ziel: Demenz aus Tabuzone holen

21. Februar 2019, 20:02 Uhr
Stellen die Angebote des Arbeitskreises Demenz vor (v. l.): Stephanie Becker-Bösch, Christina Keller und Regina Schröder.

Mit dem demografischen Wandel wächst die Anzahl demenzkranker Menschen. Denn vor allem Ältere erkranken an einer Demenz. Etwa einer von zehn der über 65-Jährigen, etwa zwei von zehn der über 80-Jährigen und fast jeder Dritte der über 90-Jährigen leiden an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz. Im Wetteraukreis zählt die Statistik rund 3000 Erkrankte, doch die Dunkelziffer liegt wohl viel höher. Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch informierte sich vor Kurzem über die Aktivitäten des Arbeitskreises Demenz.

Der Arbeitskreis ist ein Verein, der aus einem Zusammenschluss verschiedener sozialer Einrichtungen und Institutionen, Kommunen, Kirchen, Kliniken, Verbänden und am Thema Interessierter besteht. »Unsere Aufgabe besteht darin, über die Erkrankung und damit verbundenen Veränderungen zu informieren, Hemmschwellen abzubauen und Hilfestellungen aufzuzeigen. Wir zeigen Entlastungsangebote auf, sowohl für die Betroffenen als auch deren Angehörige«, erläutert Regina Schröder, stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises.

»Demenz ist nach wie vor ein Tabuthema. Daher ist es umso wichtiger, dass der Arbeitskreis Demenz mit seinen Kooperationspartnern und Unterstützern über die Krankheit informiert, aufklärt und sie damit aus der Tabuzone holt«, machte Becker-Bösch deutlich. 2008 gegründet, steht der Verein allen Interessierten offen, ein Mitgliedsbeitrag wird nicht erhoben.

Wie Christina Keller, Vorsitzende des Vereins, erläutert, habe der Verein mittlerweile mehr als 100 Mitglieder, die den Vorstand in der ganzen Wetterau bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützten. »Mit Filmvorführungen, Lesungen, Messen oder Theateraufführungen wollen wir die Herausforderung Demenz in das Bewusstsein der Menschen bringen. Demenzcafés, Demenzbegleitung, Betreuungsangebote – es gibt viele Ansätze, um Betroffenen und Angehörigen das tägliche Leben etwas zu erleichtern.« Man gebe Impulse und begleitete verschiedene Angebote, die es in den Kommunen bereits gebe.

Für 2019 sind die Planungen bereits fast abgeschlossen. Neben der Verteilung der »SOS-Dosen« soll auch in diesem Jahr wieder durch Filmvorführungen das Thema präsentiert werden. Keller: »Wir sind an Verhandlungen mit einem namhaften deutschen Schauspieler, der uns zu einem Filmabend hoffentlich besuchen wird. Unser Thema ist auch sein Thema, aber mehr möchte ich nicht verraten.«

Parcours mit Erlebnisstationen

Angedacht sind zudem Tanzcafé, Demenztheater, Demenzmesse und ein Wellness-Tag zur Entspannung für pflegende Angehörige. Ganz oben auf der Wunschliste stünde in diesem Jahr der Erwerb eines Demenz- Parcours. Die einzelnen Erlebnisstationen des Parcours widmen sich Symptomen, die im Rahmen einer Demenz auftreten können. Keller: »Wer sie durchläuft, erhält eine Vorstellung vom Leben mit der Krankheit. Dabei entstehen persönliche Eindrücke, die der Gefühlswelt von Menschen mit Demenz sehr nahekommen. Diese Wanderausstellung eröffnet damit eine andere Sichtweise auf die Erkrankung und fördert ein neues Verständnis für betroffene Menschen.«

»Wir können dem Thema Demenz nur dann völlig offen begegnen, wenn wir die Situation der Erkrankten nachvollziehen können«, resümiert Becker-Bösch. »Vergessen wir nicht, dass Menschen, die zu Hause Demenzkranke pflegen, immer wieder an ihre körperlichen wie seelischen Grenzen stoßen. Zudem drohen viele zu vereinsamen, weil sie oft keine Zeit oder Kraft mehr haben, den Kontakt zum eigenen Freundeskreis zu halten. Ehrenamtliche können hier eine wichtige Stütze sein.«

Informationen zum Arbeitskreis Demenz bei Christina Keller unter Telefon 0 60 42/88 41 08 und bei Regina Schröder unter der Rufnummer 0 60 47/80 00 80. (Foto: prw)

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