12. Juli 2019, 20:32 Uhr

Zukunft der Kaiserstraße im Blick

12. Juli 2019, 20:32 Uhr
Der Elvis-Presley-Platz ist saniert, der Rest der Kaiserstraße ist eine Baustelle in spe.

Laut dem Philosophen Jürgen Habermas sind nur solche Entscheidungen vernünftig, welche die Kriterien der Öffentlichkeit und Offenheit erfüllen. Wenn es um die Zukunft von Friedberg geht, so haben die politisch Verantwortlichen die Öffentlichkeit ihrer Stadt gesucht. Eine Veranstaltung in Vorbereitung des Verfahrens zur integrierten Stadtentwicklung (ISEK) fand bereits 2018 statt.

Mit ISEK ist ein breites Spektrum von Maßnahmen der Stadtentwicklung umrissen. Immer geht es dabei darum, mithilfe der breiten Öffentlichkeit Möglichkeiten und Projekte zu erarbeiten. In einem ersten Schritt hat man sich in Friedberg modellhaft des Wetterau-Museums angenommen. Unter engagierter Beteiligung der Bürger konnte nach mehrstufigem Verfahren ein Entwicklungsplan erstellt und dem Bürgermeister übergeben werden (die WZ berichtete).

In diesem Sinne soll es weitergehen, und dabei ist für viele Friedberger die Kaiserstraße das zentrale Thema. Dem hat sich die Gruppe der »Spurenleger« angenommen, die seit Längerem als Impulsgeber für die öffentliche Erörterung der Stadtentwicklung aktiv ist. Die Gruppe versteht sich nicht als politischer Akteur, sondern will engagierter Begleiter der Stadtentwicklung sein.

Mehr als eine Straße

So hatte sie kürzlich gemeinsam mit dem Stadtmarketing- und Verkehrsverein zu einer Veranstaltung zum Thema »Lebensader Kaiserstaße« ins Albert-Stohr-Haus eingeladen. Die Spurenleger freuten sich über eine starke Resonanz von unmittelbar betroffenen Hausbesitzern und Geschäftsinhabern, aber vor allem auch über viele Bürger, die die Kaiserstraße offenbar als identitätsstiftend für ihre Heimatstadt verstehen.

Ausgewiesene Fachleute für die Entwicklung von Städten sollten Perspektiven für Friedbergs Zentrum aufzeigen: Das schien den Veranstaltern ein vielversprechender Ansatz, und man wurde nicht enttäuscht. Moderiert von Bernd Ulrich, Sprecher der Spurenleger und Vorsitzender des Stadtmarketing- und Verkehrsvereins, referierten Silvio Zeizinger, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen Süd und Dr.-Ing. Björn Hekmati vom Fachbereich Stadt an der TU Darmstadt.

Gespannt durfte man sein, inwieweit die Notwendigkeiten eines Handels im Wandel und die Bedürfnisse der Bürger nach atmosphärischen Orten der Begegnung und Kommunikation zusammengeführt werden können. Oder anders gesagt: Wie ist angesichts des veränderten Kaufverhaltens eine vitale Innenstadt möglich?

Engagierte Verbundenheit

Braucht der Handel die Stadt überhaupt noch angesichts der zunehmenden Dominanz des Einkaufs von zu Hause vom Bildschirm aus? Liegt nicht eine Lösung für dieses Dilemma, so der Stadtplaner, in einer mutigen Entscheidung für Stadtgestaltung, die erkennbare, sich abzeichnende Entwicklungen weg von der autogerechten Stadt experimentell aufgreift? Zusammengehen müssten die Versuche des Einzelhandels in Richtung auf Erlebniseinkauf und die der Stadt, aus der Kaiserstraße einen unverwechselbaren Erlebnisraum zu machen.

Bei der Debatte, wie die Kaiserstraße zum modernen Erlebnisraum umgewandelt werden kann, gab es Kritik am Istzustand, aber auch viele Vorschläge zur Veränderung. Somit nimmt der Entwicklungsprozess in den Köpfen der Beteiligten Fahrt auf. Fazit: Es war eine impulsgebende Veranstaltung mit hervorragenden Referenten und einem Publikum, dessen engagierte Verbundenheit mit der Stadt beeindruckte. Und so blieb Ulrich nur zu sagen: »So kann es weitergehen.«

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