19. Oktober 2019, 12:00 Uhr

Tankstelle

Zwei Drogensüchtige geben Überfall zu

Um ihren Drogenkonsum bezahlen zu können, haben zwei junge Männer Anfang Mai die Shell-Tankstelle in Nieder-Wöllstadt überfallen.
19. Oktober 2019, 12:00 Uhr
Aus dem Auto heraus haben zwei Frauen den Überfall auf die Tankstelle in Nieder-Wöllstadt verfolgt und die Polizei gerufen. Die Täter stehen jetzt vor Gericht. (Symbolfoto: pe)

Dank zweier aufmerksamer Zeuginnen müssen sie sich dafür nun vor Gericht verantworten.

Die Anklage wirft den beiden Angeklagten, 19 und 24 Jahre alt, vor, die Tankstelle am Abend des 7. Mai überfallen zu haben Gegen 21.50 Uhr sollen sie vermummt und bewaffnet den Kassenraum betreten und die Angestellte unter Androhung von Gewalt aufgefordert haben, die Kasse zu öffnen. »Seien sie ruhig und gehorchen Sie. Dann passiert Ihnen auch nichts«, soll der Jüngere gesagt haben. Er scheint der Abgebrühtere und in Sachen Tankstellenüberfälle der Erfahrenere der beiden zu sein. Denn wie der Pakistani in einigermaßen verständlichem Deutsch berichtete, sei es bereits der dritte Tankstellenüberfall in kurzer Zeit gewesen sein. Die beiden anderen Überfälle hätten wenige Tage zuvor in Nidda auf eine Aral-Tankstelle stattgefunden und seien wenig ertragreich für ihn verlaufen. Beim ersten Anlauf sei es beim Versuch geblieben, weil die Tankstelle bereits geschlossen hatte. Und beim zweiten Anlauf war es zu früh, sodass er nur in den Besitz des Wechselgeldes kam. Wegen dieser beiden Taten wird gesondert gegen ihn ermittelt, weil dabei andere Komplizen mitgeholfen haben sollen.

Unumwunden räumte der 19-Jährige die Taten ein. 2015 sei er als Asylsuchender nach Deutschland gekommen, weil er von einer besseren Zukunft geträumt habe. Doch diese Träume hätten sich nicht erfüllt. Stattdessen habe er in Flüchtlingsheimen leben müssen, nur 350 Euro Unterstützung erhalten und nicht arbeiten dürfen. 2017 sei er so zu den Drogen gekommen. Um sie zu finanzieren, habe er gelegentlich Schwarzarbeit angenommen. Doch habe das alles nicht ausgereicht. Deshalb habe er Ende 2018 sein Glück in Frankreich versucht. »Aber da sind die Verhältnisse für Flüchtlinge wesentlich schlimmer als in Deutschland«, berichtete er. Im Februar sei er deshalb nach Altenstadt zurückgekehrt und habe mit kleineren Diebstählen versucht, seine Sucht zu finanzieren.

Weniger gesprächig zeigte sich der zweite Angeklagte, ein Afghane. Auch er kam 2015 im Zuge der Flüchtlingswelle nach Deutschland. Und auch er hatte sich ein anderes Leben hier vorgestellt. Stattdessen musste er auf den Ausgang seines Asylverfahrens warten und hatte keine wirkliche Beschäftigung. So habe er den Mitangeklagten in Büdingen kennengelernt. Mittlerweile ist auch er drogensüchtig und ständig auf Suche nach Geld. Der 24-Jährige gab gleich zu Prozessbeginn zu, einen Fehler gemacht zu haben. Ihm sei das alles sehr peinlich. Der Überfall sei sein erster Verstoß gegen das Gesetz gewesen, er bereue die Tat. Schon auf dem Weg zur Tankstelle wäre er am liebsten wieder umgekehrt, habe während des Überfalls vor Angst nur gezittert.

Mit Geld und Zigaretten geschnappt

Beide Angeklagten betonten, sie wollten die ihnen wahrscheinlich bevorstehende Haft zum Erlernen eines Berufs nutzen. Dass ihnen eine Gefängnisstrafe droht, machte Staatsanwalt Mike Hahn schon am Anfang deutlich. Die Beweislage ist erdrückend, da die Tat von den Überwachungskameras in der Tankstelle aufgenommen wurde. Deshalb räumten beide Angeklagten die Tat auch offen ein. Rund 1500 Euro und mehrere Stangen Zigaretten wären ihre Beute gewesen, wenn sie das Gelände hätten verlassen können. Doch ihre Tat war von zwei Frauen von der Straße aus - sie saßen im Auto - beobachtet worden. Noch auf dem Tankstellengelände konnte die Polizei die beiden Täter zusammen mit ihrer Beute festnehmen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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