16. Februar 2018, 14:00 Uhr

Kraftanstrengung

Zwei neue Kitas in Bad Nauheim, aber Bedarf noch größer

Bis 2022 werden in Bad Nauheim 330 neue Kita-Plätze benötigt. Die Auswirkungen auf den Haushalt sind nicht absehbar. Geplant sind zwei neue Kitas, aber der Bedarf wird künftig weit größer sein.
16. Februar 2018, 14:00 Uhr
Einst sind in dieser Villa in der Frankfurter Straße Kinder nach dem Montessori-Prinzip betreut worden. Nach der Pleite des privaten »Kinderparks« mietet die Stadt das Gebäude, um vier neue U 3-Gruppen zu schaffen. (Foto: bk)

Früher war die Einweihung eines neuen Kindergartens in Bad Nauheim eine große Sache, die alle paar Jahre mal vorkam. Angesichts der Prognosen bis zum Jahr 2022 werden neue Kitas künftig zur Normalität. Nachdem zu Jahresbeginn eine zusätzliche Tagesstätte in der Dieselstraße 1 mit 49 Plätzen eröffnet worden war, verkündeten Erster Stadtrat Peter Krank und der zuständige Fachbereichsleiter Jochen Mörler am Dienstagabend im Sozialausschuss die Planung von zwei neuen Tagesstätten. Die Kita in der Frankfurter Straße 153 soll im November ihren Betrieb aufnehmen, in der Alten Wäscherei (Am Goldstein 4b) sollen ab Frühjahr 2019 Kinder betreut werden.

Insgesamt werden fast 100 Betreuungsplätze geschaffen – im Fokus liegen die unter Dreijährigen. Einige wenige weitere Zusatzplätze sollen in Steinfurth und in den Kitas freier Träger entstehen. Ernüchternd: Trotz dieser Kraftanstrengung ist der künftige Bedarf damit vermutlich bei Weitem nicht gedeckt.

Stadt profitiert von Zufällen

»Mit diesen drei neuen Tagesstätten werden wir 53 Prozent der Ü 3-Kinder in Bad Nauheim einen Platz anbieten können«, sagte Mörler. Die Vorhersagen sind zwar unsicher, doch der Fachbereichsleiter geht davon aus, dass bis 2022 etwa 80 Prozent aller Eltern mit Kindern in diesem Alter ihren Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz wahrnehmen möchten.

Wie Erster Stadtrat Peter Krank verdeutlichte, kamen der Stadt bei ihrer Suche nach neuen Standorten Zufälle entgegen. In der Alten Wäscherei am Goldstein ist gerade die Evangelische Familienbildungsstätte ausgezogen. In den Räumen wurden bereits Kinder betreut, der Gebäudeeigentümer ist bereit, die Räumlichkeiten zu einem vergleichsweise günstigen Preis an die Stadt zu vermieten.

200 Eltern auf Warteliste

Außerdem profitierte der Fachbereich Soziales von der Pleite der privaten Kita »Kinderpark« im Sommer 2016. Diese Einrichtung hatte neben dem Badehaus 5 im Sprudelhof eine Zweigestelle in der Frankfurter Straße 153 betrieben. Dieses Gebäude kann die Stadt jetzt übernehmen. »Das Anmieten dieser beiden Gebäude ist für uns weit günstiger als entsprechende Neubauten«, sagte Krank.

Der Sozialdezernent sprach von einem »nicht sehr angenehmen Druck«, dem die Verwaltung ausgesetzt sei. »Vor drei, vier Jahren waren wir noch recht entspannt, jetzt haben wir eine Warteliste mit 200 Eltern«, betonte Krank. Der Rechtsanspruch auf einen U 3-Platz habe die Nachfrage ansteigen lassen, gleichzeitig müssten immer mehr Eltern zwei Einkommen erzielen, um die recht hohen Lebenshaltungskosten in Bad Nauheim finanzieren zu können.

Viele junge Familien zugezogen

Ein Problem seien dabei die hohen Mieten. Ein weiterer Grund für den hohen Bedarf sind die vielen Zuzüge, vor allem von jungen Familien, deren Angehörige weit weg wohnen. Kinderbetreuungslösungen innerhalb der Familie seien in diesen Fällen ausgeschlossen.

»Der Bedarf an Kita-Plätzen ist die Kröte, die wir schlucken müssen, weil die Stadt wächst«, sagte Mörler. Er verwies auf das Baugebiet Bad Nauheim Süd, in dem eine weitere neue Kita errichtet werden soll. Wie der Erste Stadtrat auf Nachfrage von Benjamin Pizarro (FDP) und Sinan Sert (SPD) erläuterte, führe die Stadt Gespräche mit großen Betrieben wie dem Max-Planck-Institut (MPI), der Kerckhoff-Klinik und dem Gesundheitszentrum Wetterau zwecks Mitfinanzierung von Kinderbetreuung.

Bislang ist es laut Krank zu einer Einigung gekommen: Das MPI beteiligt sich an den Kosten für die Kita Dieselstraße. »Dabei geht es allerdings nur um die Ausweisung der Randzeiten. Diese spezielle Anforderung können wir nicht der Allgemeinheit in Rechnung stellen.«

 

Infokasten

20 neuer Erzieher-Stellen

Würde die Stadt zwei neue Kitas errichten, müssten dafür Millionen Euro investiert werden. Für kleine Umbauten und Ausrüstung der beiden angemieteten Objekte werden laut Fachbereichsleiter Jochen Mörler dagegen nur 210 000 Euro fällig. Hinzukommt allerdings die Miete. Nach Angaben von Erstem Stadtrat Peter Krank werden in der Frankfurter Straße knapp 17 Euro pro Quadratmeter und Monat fällig, in der Alten Wäscherei sind es 12 Euro. »Diese Preise sind mehr als vertretbar«, sagte Krank und zog als Vergleich die von der stadteigenen Wohnungsbau-Gesellschaft angemieteten Räume in der Dieselstraße heran. Dort muss die Stadt einen Quadratmetermietpreis von 19,50 Euro zahlen. Die größte Belastung für den städtischen Haushalt dürften allerdings die Personalkosten werden. 20 Erzieherinnen und Erzieher müssen für sechs neue U 3-Gruppen und eine neue Ü 3-Gruppe eingestellt werden. Trotz des Fachkräftemangels auf diesem Gebiet offenbar kein Problem. Krank: »Die Stadt Bad Nauheim ist als Arbeitgeber sehr beliebt. Das hängt mit den guten Arbeitsbedingungen, aber auch mit den Fortbildungsmöglichkeiten zusammen.« (bk)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Eltern
  • FDP
  • Familienbildungsstätten
  • Kindertagesstätten
  • Krippenplätze
  • Lebenshaltungskosten
  • Max-Planck-Gesellschaft
  • Rechtliche Ansprüche
  • SPD
  • Stadträte und Gemeinderäte
  • Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Bad Nauheim
  • Bernd Klühs
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen