13. Februar 2019, 17:00 Uhr

Altkleidercontainer

Zwölf Tonnen Kleidung werden im Monat gesammelt

Überall sieht man sie stehen: Altkleidercontainer. Norbert Girke, vom DRK in Bad Nauheim, und sein Team finden darin oft Müll oder gefährliche Gegenstände.
13. Februar 2019, 17:00 Uhr

Die Jeans ist gerissen oder das einstige Lieblingsshirt hat auch schon die besten Tage hinter sich? Sind Kleidungsstücke nicht mehr tragbar, landen sie oft im Altkleidercontainer. Doch wer kümmert sich um die Altkleider? Was passiert damit? Das weiß Norbert Girke, Bereitschaftsleiter des Roten Kreuzes (DRK) in Bad Nauheim. Zweimal die Woche werden die 17 Container in der Kurstadt und den Ortsteilen geleert. Acht bis zwölf Tonnen Altkleider kommen so im Monat zusammen.

 

Die Container sind für Altkleider da, nicht für Müll

Norbert Girke; Bereitschaftsleiter DRK Bad Nauheim

 

Girke sammelt zusammen mit Florian Jung, der sich für den Job als Kleidersammler beworben hat. Bei ihrer Tour zeigt Girke dem neuen Mitarbeiter alles Wichtige. Gleich beim zweiten Container am Friedrich-Ebert-Platz kommt es zu Schwierigkeiten: Säcke wurden nicht richtig verschlossen und Altkleider lose entsorgt. Auch gelbe Säcke sind gerissen. Die losen Kleider müssen Girke und Jung vorm Aufladen in stabile Säcke packen. Das kostet Zeit und ist anstrengend. Schwierig wird es auch, wenn Autos vor den Containern geparkt werden. Die Männer müssen sich auf beengtem Raum immer wieder in die Kleidercontainer bücken, die Säcke rausholen und lose Kleidung einsammeln. Die schweren Säcke laden sie dann in den Sprinter – ein Knochenjob.

Das größte Problem stellt die illegale Abfallentsorgung dar. »Der Müll liegt teilweise auch um die Container rum«, sagt Girke. »Den können wir zum Glück noch beim städtischen Bauhof abgeben.« Allerdings kostet das wieder Zeit.

 

Großes Problem: Illegale Müllentsorgung

Klodeckel, leere Koffer oder Reste einer aufgetauten Kühltruhe – Girke hat über die Jahre schon viele kuriose Dinge in den Containern gefunden. Das Schlimmste sei die Entsorgung von Altöl gewesen. »Jemand hat einen Ölwechsel am Auto gemacht und dann das Altöl in den Container geschüttet«, berichtet Girke. Die illegale Müllentsorgung kann für die Kleidersammler auch gefährlich werden. So wie bei den Containern im Gewerbegebiet In den Langen Morgen. Girke und Jung finden einen Stoffbeutel mit Müll von Malerarbeiten und einen kleinen Eimer. Dort steckt ein Messer drin. »Hier besteht die Gefahr, dass wir uns verletzen«, sagt Girke. Gerade im Winter ist das gefährlich, da es früher dunkel wird und man solche Sachen schlechter sieht. Generell sei diese Müllentsorgung illegal und könne strafrechtlich verfolgt werden. »Die Container sind für Altkleider da, nicht für Müll.«

 

Drei bis fünf Stunden für 17 Container

Doch was gehört alles in einen Altkleidercontainer? »Alle möglichen Kleidungsstücke«, erklärt Girke. Aber auch Gardinen oder Bettwäsche können in den Containern entsorgt werden. Seien die Kleidungsstücke noch in Ordnung und tragbar, könne man sie in den Kleiderläden des DRK abgeben. »Bei großen Mengen kann man auch gerne eine E-Mail an die Ortsvereinigung schreiben und einen Abholtermin vereinbaren.«

Drei bis fünf Stunden brauchen die Kleidersammler, um alle 17 Container zu leeren. Das sind zwei bis drei Autoladungen. Die Männer packen die Säcke in große Frachtcontainer. Hier müssen erneut alle in die Hand genommen und mit Schwung auf die obersten Säcke geworfen werden. Dort, wo Girke und Jung noch hinkommen, müssen sie die Säcke gut stapeln. »Sonst geht nicht genug rein«, sagt der Rotkreuzler.

 

Vereinsarbeit wird finanziert

Die Altkleider werden an Textilverwertungsfirmen verkauft. Der Erlös kommt der Ortsvereinigung zugute. »Wir finanzieren damit unsere Arbeit«, erklärt Girke. So fließt das Geld beispielsweise in den Katastrophenschutz, das Jugendrotkreuz oder in den Sanitätsdienst. Den Sanitätsdienst organisiert die Ortsvereinigung bei Großveranstaltungen in Bad Nauheim. Auch die Säcke, die Kleidersammler für die losen Kleider brauchen, werden so finanziert. Im Jahr muss Girke zwölf Kartons mit jeweils 200 Müllbeuteln kaufen.

Die Ortsvereinigung Bad Nauheim sammelt schon seit über 20 Jahren Altkleider in der Kurstadt. Sie hat zwei Frachtcontainer mit einem Fassungsvermögen von acht und sechs Tonnen. Girke: »Da geht gerade das von einem Monat rein.«

 

Info

Altkleider gehen auf Reisen

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sammelt jährlich 90 000 bis 100 000 Tonnen Altkleider. Diese werden an Textilverwertungsfirmen verkauft. Diese Firmen sortieren die Kleider. 10 Prozent sind Abfall, 35 Prozent sind nicht mehr tragbar. Diese Stücke werden zu Dämmstoffen oder Putzlappen verarbeitet. Rund 55 Prozent sind als Kleidung tragbar. Die meisten Firmen exportieren diese Kleider als Second-Hand-Ware nach Afrika, West- und Osteuropa, Asien und in den Nahen Osten. Allerdings sei das zur Zeit schwierig. Bereitschaftsleiter Norbert Girke: »Die Kleiderpreise sind im Moment im Keller, weil es so viele Konflikte auf der Welt gibt.« Die Firmen könnten nicht in diese Länder exportieren, Altkleider würden nicht abgeholt werden. (mmf/pm)

 

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