30. August 2019, 14:00 Uhr

Altes Hallenbad

aHa: Kulturschaffende bangen um Millionen-Zuschuss

Droht dem Alten Hallenbad in Friedberg das Aus? Dies befürchten die Hallenbadfreunde für den Fall, dass die Stadt eine Förderung des Bundes wegen finanzieller Risiken ablehnt.
30. August 2019, 14:00 Uhr
Seit 2007 verfolgen die Hallenbadfreunde den Plan, aus dem einst verwahrlosten Alten Hallenbad eine Kulturstätte mit Jugendstilambiente zu machen. Das Ziel ist fast erreicht, ein Bauabschnitt fehlt noch. Doch dafür sind weitere Millionen nötig. (Archivfoto: pv)

Über drei Millionen Euro wurden in Sanierung und Umbau des Alten Hallenbades in Friedberg gesteckt. Ein Fördertopf des Bundes verspricht weitere 1,5 Millionen. Geht die Stadt darauf ein, müsste sie 1,8 Millionen übernehmen. Das Ziel, eine Kulturstätte mit Jugendstilambiente, wäre zum Greifen nah. Aber die Politiker zögern, es geht um viel Geld. Fließt der Bundeszuschuss nicht, könnte dies nach Aussage der Hallenbadfreunde das Aus für das aHa bedeuten.

Am Mittwochabend war das Bundesförderprogramm »Sanierung kommunaler Einrichtungen« Thema im Haupt- und Finanzausschuss (HuF). Der Magistrat sieht »erhebliche« finanzielle Risiken, wenn die Stadt eine Förderung erhält. Der Ausschuss für Stadtentwicklung vertagte das Thema, der HuF tat es ihm gleich. Auch ein zwischenzeitliches Gespräch zwischen Magistrat und Hallenbadfreunden brachte keine Klärung. Um Fristen zu wahren, muss die Stadtverordnetenversammlung am kommenden Donnerstag einen Beschluss fassen. Für Mittwoch wurde eine HuF-Sondersitzung einberufen. Die Hallenbadfreunde haben aber noch einen Joker in der Tasche.

Wer übernimmt Kostensteigerung?

Gäbe es Kostensteigerungen, müsste die Stadt diese übernehmen, lautete ein Argument der Politik. Aber ist das ein Argument? Gilt das nicht für alle Bundes- oder Landeszuschüsse? »Wenn der Bund sagt, dass er keine Mehrkosten übernimmt, heißt das nicht, dass es auch Mehrkosten gibt«, sagte Uli Lang, Vorsitzender der Hallenbadfreunde. Im Gespräch hätten Vertreter der Stadt darauf hingewiesen, dass der Bundesrechnungshof bei einer Prüfung Fehler finden könnte; dann müsste die Stadt die komplette Summe übernehmen. Dazu sagte Lang, dass man seit zwölf Jahren Förderanträge stelle, vom Bund übers Land bis zur Deutschen Stiftung Denkmalschutz. »Und wir haben immer alle Auflagen der Geldgeber eingehalten.«

Oberstes Organ sei die Stadtverordnetenversammlung, sagte Götz, die den erkrankten Bürgermeister vertrat. Die Stadtverordneten müssten entscheiden. Keine einfache Entscheidung. Es geht um viel Geld. Rund 20 Aktive des aHa verfolgten die Sitzung. Nachdem ihr Punkt verhandelt war und sie den Saal verlassen hatten, musste der HuF über Mehrkosten für die Kita Housing (190 000 Euro) und die Villa Winzig (satte 700 000 Euro) sowie über städtische Zuschüsse für den Ausbau der Kita Sonnenschein (906 250 Euro) entscheiden. »Die Kosten explodieren«, sagte die Erste Stadträtin. Götz hat ausrechnen lassen, welchen Betrag die Stadt im Falle von Kostensteigerungen aufzubringen hätte: rund 900 000 Euro.

Die CDU hatte Sitzungsunterbrechung beantragt, in der Pause nahm ein Friedberger Bürger Kontakt mit Götz und dem Ausschussvorsitzenden Uli Hausner (SPD) auf: Ein Finanzfachmann und Nachbar einer aHa-Aktiven, der früher bei exakt jener Behörde beschäftigt war, bei der Magistrat, Verwaltung und aHa-Vorstand neulich in Bonn ihr Projekt vorstellten.

Wie hoch sind die Risiken?

»Das ist ein Fachmann, der sich mit genau diesen Verträgen auskennt«, sagt Uli Lang am Donnerstagmorgen im Alten Hallenbad. Mit seinen Vorstandskollegen Reinhard Wilk und Hans-Jürgen Salatzkat will er retten, was zu retten ist. »Dieser Fachmann schätzt die ›Risiken‹ des Förderprogramm ganz anders ein als die Stadtverwaltung«, sagt Lang. Die drei Vorstandsmitglieder nennen aber auch ganz handfeste Gründe, warum sie nicht von Kostensteigerungen ausgehen. Die Handwerker verstünden ihre Arbeit oft ebenfalls als bürgerschaftliches Engagement und stellten kostengünstige Rechnungen aus, verzichteten teils sogar auf Honorare.

Auch das Argument der Stadt, die erste Auszahlung (74 250 Euro) würde verfallen, weil man diese Summe im laufenden Jahr nicht mehr ausgeben könne, ist für die aHa-Macher keines. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass dies kein Problem sei. Aber was wird die Zukunft bringen? »Die Fixkosten steigen«, sagt Lang. Da derzeit nur 150 Zuschauer im Saal erlaubt sind, verliere man ständig mögliche Einnahmen.

Die Hallenbadfreunde setzen fest auf den Zuschuss. Klappt das nicht, könne er nicht sagen, wie lange es die Kulturstätte noch gäbe, sagt Lang: »Wir laufen Gefahr, dass wir das aHa schließen müssen.« Die ehrenamtlichen Mitglieder könnten das Handtuch werfen, die gemeinnützige Träger-GmbH müsste Insolvenz anmelden.

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