Karben

Anspruchsvolle Choreografien statt Jux-Show

Karben (aho). Musketiere kämpften, die singenden Pinguine wollten Eisbären sehen, und die Chinesen kämpften gegen die Tartaren. Im Albert-Schäfer-Haus ging es am Samstagabend beim Männerballett-Turnier so heiß her, dass die rund 500 Gäste nur in T-Shirts im Saal saßen. Dieser »Karneval-Reloaded«, den der Watze-Club veranstaltete, heizte derart mächtig ein, dass zunächst sogar die Kameralinsen beschlugen.
07. April 2009, 10:50 Uhr
Die Sieger des Männerballett-Turniers in Petterweil bei ihrem umjubelten Auftritt: die »Heringe« aus Kaichen. 	(Fotos: Hofmann)
Die Sieger des Männerballett-Turniers in Petterweil bei ihrem umjubelten Auftritt: die »Heringe« aus Kaichen. (Foto: Hofmann)

Karben (aho). Musketiere kämpften, die singenden Pinguine wollten Eisbären sehen, und die Chinesen kämpften gegen die Tartaren. Im Albert-Schäfer-Haus ging es am Samstagabend beim Männerballett-Turnier so heiß her, dass die rund 500 Gäste nur in T-Shirts im Saal saßen. Dieser »Karneval-Reloaded«, den der Watze-Club veranstaltete, heizte derart mächtig ein, dass zunächst sogar die Kameralinsen beschlugen.

Sie nannten sich »Die Saubande«, »Los Kilos«, »Schlüsselrappler« oder »Schiss Lameng«. Was die 14 Männerballett-Ensembles beim zweiten Metzger-Becker-Cup lieferten, hatte zum Teil mit Bäuchen überm »Tütü« oder Männerbeinen in Feinstrumpfhosen, also mit all dem, was man sich sonst unter »Männerballett« vorstellt, kaum noch etwas zu tun. Das Männerballett ist im Umbruch zu einer eigenen, ernst zu nehmenden Tanzform.

Vom anfänglichen Verlegenheitsmotto vieler Männerballets: »Mer könne nix, awwer des gut« haben sich diese Gruppen längst entfernt. Sie arbeiten mit Trainerinnen und bieten wirklich etwas für das Publikum. So »professionell«, dass die Zuschauer bis weit nach Mitternacht im Petterweiler Bürgerhaus kaum aus dem Toben und Mitsingen herauskamen.

Die Männertanzgruppen kamen aus Nieder-Weisel, Wetzlar-Garbenheim, Bruchköbel, Aufenau, Offenbach, Alsfeld, Schwalmtal oder auch aus Kaichen. Ihre Auftritte erzählten oft liebevoll ausstaffierte Geschichten und sprühten von Ideen. Hinzu kamen ausgefeilte Choreografien mit einigen Hebefiguren und Wurfkombinationen. Verschiedene »alte Bekannte«, wie der »untote« Heino, Michael Jackson oder Elvis Presley, waren ebenfalls auf der Petterweiler Bühne zu finden.

In drei Fünfergruppen wurde der Wettbewerb ausgetragen, in dem sich die Männer als »echte Kerle« auf der Bühne bewähren konnten. Denn die Auftritte stellten einige Ansprüche an die Kondition der Tänzer.

Reibungsloser Ablauf

Professionell moderiert von Horst Knies und Bernd Hartmann und von unzähligen Helferinnen und Helfern im Hintergrund am Laufen gehalten, erlebten die Gäste auf und vor der Bühne einen reibungslosen und zum Teil mitreißenden Abend. Dankes-Pokale bekamen auch die drei Tanzgruppen »Ladykracher« aus Kaichen, die »Große Garde« Bönstadt und die »Cherry Cocolas« aus Ober-Wöllstadt für ihre Showeinlagen in den Pausen. Der Wander-Pokal ging schließlich, wie von fast allen Kennern der »Szene« prognostiziert, an die Kaicher »Heringe«, die zu den Schlagern der Gruppe »Dschingis Khan« den Kampf der Chinesen gegen die Tartaren um das goldene Glücks-Ei tanzten. Ein aus dem Ei gehüpfter Drache und eine mehr oder weniger zierliche Prinzessin vervollständigten das Bild.

Auf den zweiten Platz kamen die Windecker »Schlüsselrappler«, die sich als Untote, Werwölfe und Vampire auf der Bühne herumgetrieben hatten, bevor sich der oberste Gruselshocker Heino unter sie mischte und von allen in den stehenden Sarg zurück geschoben werden musste. Den dritten Platz belegten die Alsfelder »Nixen«.

Die Verkündung der Sieger, bei der unter anderem die weiteste Anfahrt oder die schönsten Kostüme geehrt wurden, machten die Moderatoren Knies und Hartmann noch einmal spannend. Würden die viel genannten Favoriten gewinnen, oder könnte doch ein anderes Team dem Titelverteidiger Kaichen den Thron doch noch streitig machen?

Die Windecker »Schlüsselrappler« jubelten bereits, als feststand, dass sie mit ihrer Nummer mindestens den dritten Platz erobert hatten, wie auch alle anderen Mannschaften frei nach dem olympischen Motto »Dabeisein ist alles« sich über ihre Pokale freuten.

Zum gemeinsamen Finale gab es auf der Bühne nur strahlende Gesichter. Alle weiteren Clubs kamen auf den - diesmal keineswegs »undankbaren« vierten Platz.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/karben/art559,31114

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