14. Juni 2013, 10:28 Uhr

Rundgang zeigt Überdüngung des Waldes

Nidda (sax). Der Wald in unserer Region, der für viele der Inbegriff von Natur ist, wurde nach jahrhundertelangem Raubbau wieder angepflanzt. Doch das Ökosystem, das magere Böden gewohnt ist, wird durch Stickstoffeinträge aus Landwirtschaft und Fugverkehr gefährdet.
14. Juni 2013, 10:28 Uhr
Die Botanikerin Kerstin Bär demonstriert am Bewuchs mit sogenannten Zeigerpflanzen die Bodenqualität. (Foto: sax)

»Es gibt hier gar keinen Wald«, erklärt die Botanikerin Kerstin Bär unter einem dichten Dach von Baumkronen, »nur Forst.« Denn der Wald war, wie Forstamtsleiter Bernd Reißmann bei einem vom Grünen-Landtagskandidaten Marcus Stadler organisierten Rundgang erläuterte, im 19. Jahrhundert aus weiten Teilen Deutschlands verschwunden. Weil Holz der Hauptenergieträger und wichtiger Rohstoff war, waren die Wälder fast vollständig abgeholzt worden.

Dass der Wald in seiner heutigen Form trotz nachhaltiger Bewirtschaftung ebenfalls durch menschliche Einflüsse gefährdet ist, zeigten Bär und Stadler anhand von verschiedenen Beispielen in der Nähe von Unter-Widdersheim. Vor allem die Stickstoffemissionen der Landwirtschaft, aber auch des Flugverkehrs seien dafür verantwortlich, erklärte Stadler. Düngemittelrückstände ebenso wie Abgase des Flugverkehrs werden durch die vorherrschenden Südwestwinde über die weite Ebene getrieben und schlagen sich am Vogelsberg nieder.

Sogenannte Zeigerpflanzen lassen Rückschlüsse auf die Bodenqualität zu. Brennnesseln und Brombeeren zum Beispiel sind sichere Anzeichen für hohe Stickstoffanteile im Boden. »Der Holunder ist die Zeigerpflanze schlechthin«, erklärte Stadler.

»Die Pflanzen, die man erhalten will, werden überwuchert«, klagte Bär, dass der Artenreichtum in Wäldern und auf Magerrasen durch Überdüngung zerstört werde. In weniger als fünf Prozent der Schutzgebiete lägen die Nährstoffeinträge unter den Werten, die das Ökosystem nicht gefährdeten, mahnte Stadler.

Die Differenz zwischen dem Stickstoff, den der Landwirt als Dünger in den Boden einbringt, und der Menge, die dem Boden durch die Ernte wieder entzogen wird, beträgt nach Stadlers Ausführungen mehr als 100 Kilo pro Hektar. Die Folge ist, dass die Landwirtschaft in Hessen nach einer Statistik des Umweltministeriums zu mehr als 70 Prozent für die Stickstoffemissionen verantwortlich ist. Alle vier Jahre bekomme der Wald so eine Volldüngung, beschrieb Stadler die Auswirkungen.



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