04. September 2012, 09:53 Uhr

»Kunst am Fluss«: Klangwelten an Nidda und Wetter

Niddatal-Assenheim (udo). Die fünfte Veranstaltung der Reihe »Kunst am Fluss« war erstmals in den »Kultursommer Mittelhessen« einbezogen. »Klangwelten: Stadt-Land-Fluss« war diesmal das Motto des Open-Air-Museums längs der Nidda und quer durch Altstadt.
04. September 2012, 09:53 Uhr
Das Gelände mit der markanten Strick-Brücke.

Akustische, klingende, bildende und erzählende Kunst kamen am Samstag zu einem großen »Fest für die Kunst« zusammen, das Gitta Seckel in monatelanger Vorarbeit organisiert hatte und für das die Stadt Niddatal verantwortlich zeichnete.

Nach mehreren heißen Wochenenden zuvor freuten sich die Veranstalter übers prächtige Spätsommerwetter. »Hauptsache, es bleibt trocken!«, war vielfach zu hören. Und die Gäste hatten ihren Spaß am bunten und vielseitigen Programm. Wer sich von der Nidda her dem Geschehen näherte, wurde von der Klanginstallation von Werner Cee begrüßt. Auch in der Linde vor der Kirche ließ er Vögel zwitschern und Regen rauschen. In der Hintergasse und deren Höfen waren zahlreiche Kunstwerke ausgestellt.

In der Dämmerung illuminierte Norbert Mohr das Getreidesilo. Das Floß auf der Nidda mit dem Fackelband und die Tausende von Kerzen in den Gassen setzten weitere Lichtakzente. Auf dem Floß traten verschiedene Gruppen auf. »Querbänx« besang das »Little Girl From Kingston Town« und stimmte Seemannslieder an.

Diverse Laternenmasten waren vom Kunstkreis des Vereis Kulturelles und Kommunales (KuK) eingestrickt, eingehäkelt oder »eingestopflieselt« worden. Unterm Straßenschild Metzgergasse baumelten bunte Wurste aus Wolle. Vielfach gefragt wurde nach einer Attraktion des Tages: dem eingestrickten Toilettenwagen. »Die Mädchen waren in den letzten Wochen vor lauter Stricken kaum noch ansprechbar«, befand ein KuK-Vorstandsmitglied. Sogar der Brunnen vor der ehemaligen Synagoge und einige Rinnsteine präsentierten sich eingestrickt.

An der Wettermündung eröffnete sich ein bunter Blick aufs Festgelände. Harfenklänge verzauberten das Publikum. Die Kopftürme der Hängebrücke waren vielfach umhäkelt worden und 100 Bambuspfähle in der Nidda verankert. In der Wettermündung faszinierte unterm Silo und unter den Augen der »Hüterin der Gewässer« ein futuristisches Seefahrzeug aus viel glänzendem Metall, mit rätselhaften Apparaturen und einem Mast samt Antenne. Besucher warfen indes die Frage auf, ob der modernistische Raddampfer nicht doch vielleicht eher eine von Friedensreich Hundertwasser befeuerte Ölplattform sei.

Neben der »Hüterin der Gewässer« ist auch die »Galerie am Fluss« dauernd als »Kunst am Fluss« an der Wettermündung präsent. Früher oder später sollen der Jupiter-Stele an der Geschwister-Scholl-Schule und allen anderen Planetenweg-Stelen ein Kunstwerk beigesellt werden – so wie vor Kurzem der Sonnen-Stele drei Kilometer flussaufwärts.

Auf der Nidda versicherte ein Schriftzug: »Des Menschen Seele gleicht dem Wasser.« Uwe Müller arbeitete an seinen Kugeln aus Holz, die das Material in verschiedenen Wachstumsphasen zeigen. Da er freihändig arbeitet, werden die Objekte nie perfekt rund. Gleich daneben zeigte Alf Seckel sein »Klangwasserrad« und hatte Früchtebilder dabei. Beim Wasserrad treibt der Fluss die Schaufeln an, auf denen Kugeln purzeln. Ein zweites »Klangwasserrad« war bei der Installation gleich untergegangen. Teelichte in Einweckgläsern säumten den Niddaradweg.

Mehrere Künstler hatten an den angrenzenden Kleingärten ihre Bilder aufgehängt. Auf der Silo-Seite wurden in den Gärten etliche Skulpturen gezeigt. Vielfach stiegen anheimelnde Duftwolken von den Grills empor. In der Hintergasse drängte sich eng das Publikum. Auch an der Mauer vor der Kirche hingen Bilder, auf die kleine bunte Ziegenstatuetten herabschauten. Vor der Kirche führten Zimmerer den ökologischen Hausbau vor. Natur- und Kulturführer Eckhardt Riescher gab Fakten und Anekdoten aus der Stadtgeschichte preis. Liedermacher Martin Schnur aus Florstadt sorgte für den Blues. Auf den Bühnen und in den Gassen erklangen Folktitel mehrerer Gruppen.

Vom Hintergassensteg aus beobachteten zahlreiche Besucher das heitere Geschehen. Hier war ein riesiges Spinnennetz über die Nidda gespannt, das bunte Pappfalter einfing. Die Akteure des Wickstädter Kunstfests hatten eine abenteuerliche Draht- und Räderkonstruktion installiert, mit der jeder Buchstabenfolgen über die Nidda kurbeln konnte. Halvor Boller trug, vom Gitarristen Cameron Nelson begleitet, an der Wettermündung Alltagsgeschichten über den kleinen grauen Esel »Platero« vor.

Wer wollte, konnte sich von Orlando Li Sanchez einen Gipsfuß verpassen lassen. Die »zeitgenössische Punktmalerei Nioismus« von Francois J. M. Nio zog viele Bewunderer an. Durch die Eckgasse führte ein Labyrinth aus Stellwänden. Im Alten Rathaus stellte die Klanginstallation »Ein Mondjahr« von Nirava Silvia Becker ein solches mit 13 Mondmonaten dar und verlieh jeder Nacht ihren eigenen Klang. Die Foyer Singers der Theatergruppe traten in der Brunnengasse mit Musicaltiteln auf.

Vor der Kirche setzten »Die Hayner« mit Drehleier, Dudelsack, Akkordeon, Flöte und Kontrabass auf Folklore und alte Tänze. In der Kirche warfen bei Kerzenlicht und Harfenklängen die Spiegelscherben, die in einem Becken schwammen, pittoreske Reflexe an die Decke. Der von Pfarrerin Rita Mick-Solle am späten Abend unter Mitwirkung des von Dorothea Grebe geleiteten Kirchenchors und dessen Instrumentalisten gefeierte Taizé-Gottesdienst vertiefte die besinnlichen Aspekte, die sich bereits an den Flüssen und in der Hintergasse andeuteten.

Das Fazit vieler Gäste war: »Eine bestrickende Veranstaltung!« – bunt, amüsant und vielseitig. Im kommenden Jahr steht nun das »Wickstädter Kunstfest« an, im Jahr darauf die nächste »Kunst am Fluss«.

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