07. November 2012, 10:43 Uhr

Geistig Behinderter gesteht Kindesmissbrauch

Niddatal/Friedberg (lk). Ein geistig zurückgebliebener Mann ist am Montag wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden.
07. November 2012, 10:43 Uhr

Der in einem Ortsteil von Niddatal lebende 36-Jährige hatte sich im September 2009 an der damals fünfjährigen Freundin seiner Nichte vergangen. Künftig darf er sich Kindern unter 16 Jahren nicht mehr nähern, wenn deren Eltern nicht anwesend sind, entschied Reinhard Grün, Richter am Friedberger Amtsgericht.

Sein Mandant sei »stark behindert«, sagte Verteidiger Rolf Kärcher über den 36-Jährigen, der sich selbst erst nicht zu den Vorwürfen der Anklageschrift äußern wollte, sie im Laufe der Verhandlung aber über seinen Verteidiger einräumen ließ. Demnach hatte er im September 2009 die damals fünfjährige Freundin seiner Nichte nach Absprache mit deren Mutter abgeholt, damit die Mädchen miteinander spielen konnten. Anstatt wie verabredet auch seine Nichte vom Kindergarten abzuholen, ging der Mann jedoch mit der Fünfjährigen in die Garage seines Hauses. Dort legte er das Mädchen auf einen Schank, zog ihr die Strumpfhose herunter, betrachtete das nackte Kind und zog ihm dann die Strumpfhose wieder an. Der 36-Jährige blieb bekleidet, berührte das Kind aber wohl an den Genitalien.

Richter Grün lagen Untersuchungsergebnisse über eine Schuldunfähigkeitsbegutachtung vor. Ärzte hatten festgestellt, dass beim Angeklagten eine mittelgradige Behinderung sowie eine psychische Erkrankung vorliegen. Der Mann brauche lebenslange Betreuung. Trotz seiner Intelligenzminderung wisse er um das Verbot seiner Handlung und sei daher als voll schuldfähig einzustufen.

Die Mutter des Kindes, das inzwischen zur Schule geht, berichtete, wie ihre Tochter an jenem Abend weinend im Bett gelegen und ihr von dem Vorfall in der Garage erzählt habe. Sie selbst habe sofort ihrem Mann von der Sache berichtet, der direkt zur Familie des Angeklagten gegangen sei. Der 36-Jährige habe ihrem Mann gegenüber »eine Art Geständnis« abgelegt. Später sei dann die Schwägerin des 36-Jährigen zu ihnen nach Hause gekommen und habe gesagt, dieser habe »so etwas« nicht gemacht. »Uns wurde schnell klar, dass man über solche Themen in der Familie nicht sprechen wollte«, sagte die Mutter des Opfers. Ihre Tochter habe nie viel über den Vorfall gesprochen.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft, Referendarin Maurer, forderte eine Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung für den nicht vorbestraften 36-Jährigen. Zudem solle er zu Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren keinen Kontakt aufnehmen dürfen, 100 Arbeitsstunden ableisten und eine Therapie machen. »Ich bitte Sie zu berücksichtigen, dass mein Mandant zwar nach dem Gutachten schuldfähig, aber schwachsinnig ist«, sagte Verteidiger Rolf Kärcher zu den Verfahrensbeteiligten. Man könne seinen Mandanten nicht »wie einen normalen Menschen« behandeln. Kärcher forderte sechs Monate auf Bewährung.

Richter Grün verurteilte den 36-Jährigen letztlich zu einer neunmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Der Mann darf keinen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufnehmen und muss 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. »Sie wissen, dass es verboten ist, Kinder so anzufassen?«, fragte Grün den Angeklagten. Dass der 36-Jährige eine Therapie mache, sei wünschenswert, wegen seiner Behinderung aber nicht möglich, meinte der Richter abschließend.



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