23. Mai 2011, 20:05 Uhr

Bachmuschel wieder in der Usa

Ober-Mörlen (hau). Es ist ein besonderer Moment für die Usa und all jene, die sich um deren Wasserqualität kümmern: Die bundesweit bestandsbedrohte Bachmuschel kehrt zurück.
23. Mai 2011, 20:05 Uhr
ASV-Vorsitzender Heinrich-Wilhelm Hofmeister (links) und Vereinskamerad Josef Jaksch setzen die Elritzen aus. (Foto: Hausmanns)

Vor zwei Jahren waren erstmals 500 Elritzen aus dem Fluss gefischt worden, die Fachleute in einer Aufzuchtstation mit den Larven der Muschel »infiziert« haben. In den Kiemen gelangen die nun zurück in die Usa.

Eimer mit 80 000 »Baby-Muscheln« halten Klaus Müller von der Notgemeinschaft Usa sowie seine Weggefährten vom Angelsportverein und den Naturschutzgruppen in Händen, um sie wieder anzusiedeln.

Um es genau zu nehmen, setzen sie Hunderte von Usa-Elritzen wieder in ihrer alten Heimat aus. In den Kiemen der karpfenartigen Kleinfische haben es sich die Bachmuschel-Larven als Parasiten gemütlich gemacht. Den Aufwand verdanken die kleinen Süßwassermuscheln nicht zuletzt ihrem hervorragenden Ruf als »Kleinkläranlage«. Ein einziges Exemplar ist in der Lage, 40 Liter Wasser pro Stunde zu filtern.

Vor Jahrzehnten - bevor die Gewässerverschmutzung dem Leben in der Usa vorübergehend den Garaus machte - war sie in dem Fluss derart stark vertreten, dass man sie tonnenweise vom Bachgrund hätte abklauben können. Nach dem letzten großen Fischsterben von 1987 fanden sich aus der Not heraus Helfer zusammen, die mit viel Aufwand die Gewässergüte wiederherstellten und Mitte der 90er Jahre neben vielen anderen Fischarten auch die Elritze wieder ansiedelten. Heute ist das Wasser von so hervorragender Qualität, dass die Usa als »Flora-Fauna-Habitat« (FFH) geführt wird. Für die ausgesprochen aufwendige Wiederansiedlung der Bachmuschel arbeiten NGU-Vorsitzender Müller und seine Mitstreiter eng mit der Stadt Usingen, der Gemeinde Ober-Mörlen, dem Regierungspräsidium Darmstadt, dem Abwasserverband Oberes Usatal und der Ovag zusammen, die das Vorhaben maßgeblich finanziell unterstützt. »Das Projekt setzt nicht nur Zeit und Geduld voraus, sondern schlichtweg auch Geld«, unterstreichen die ehrenamtlichen Helfer.

Bereits vor zwei Jahren hatten die Gewässerexperten die ersten 500 Elritzen aus der Usa gefischt, um sie in die Aufzuchtstation nach Villmar-Aumenau zu verfrachten. Hier wurden die Kleinfische mit Bachmuschel-Larven »infiziert«. Bis zu 100 Larven können sich in den Kiemen einer Elritze einnisten, um am Ende ihres rund vierwöchigen Parasitenlebens auf eigene Beine zu kommen.

Zwei Wochen dauert es, bis die Winzlinge so weit herangereift sind, dass sie an Bord ihres Wirtsfisches an ihren Bestimmungsort gebracht werden können. Sobald der Muschel-Nachwuchs groß genug ist, fällt er von seinem Wirt ab und verankert sich im Bachgrund. Hier findet die Metamorphose zur Jungmuschel statt, die nach ein bis drei Jahren mit einer Größe von etwa einem Zentimeter wieder auftaucht und zur Lebensweise einer ausgewachsenen Muschel übergeht.

»Erst nach fünf Jahren sind die Muscheln so groß, dass wir sie überhaupt finden können«, erklärt Klaus Müller. Daher laufe das Projekt bis 2014. Bis dahin werde man jährlich neue Elritzen mit Larven bestücken. »Man kann der Natur natürlich nicht vorschreiben, wie sie sich verhalten soll«, räumt Müller ein. Deshalb gehe man davon aus, dass von den 80000 Larven, die in den nächsten Tagen von den Fischen abfallen, nur ein Bruchteil zu Bachmuscheln heranwachsen wird.



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