19. April 2012, 18:08 Uhr

Kinderporno auf Video und eindeutige Chat-Protokolle

Reichelsheim/Friedberg (sda). Ein Video mit kinderpornografischen Inhalten hatte ein Reichelsheimer im Chat entgegengenommen und gleich viermal weiter versendet. Am Donnerstag musste er sich vor dem Friedberger Amtsgericht verantworten. Richter Dr. Buckolt verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung.
19. April 2012, 18:08 Uhr

Der Angeklagte ist – obwohl selbst Vater – kein unbeschriebenes Blatt: 2005 hatte er schon einmal eine Strafe wegen des Erwerbs und Besitzes von kinderpornografischen Bildern erhalten. Vor zwei Jahren hat die Kriminalpolizei dann ein Video mit sexuellen Inhalten auf dem Computer des Mannes sichergestellt.

Warum er erneut kinderpornografische Inhalte erworben hatte, konnte der Reichelsheimer nicht erklären: »Es war meine eigene Dummheit«, sagte er. Denn das Video mit sexuellen Inhalten habe er via Chat empfangen. »Danach habe ich die Datei wahrscheinlich weiter verschickt«, gestand der Angeklagte. Das sei jedoch nicht gezielt geschehen, betonte er. Denn bei jeder Anmeldung sei die Datei erneut erschienen, »ich konnte sie nicht zuordnen«. Mittlerweile habe er sich aber von solchen Internetdiensten distanziert und den Account gelöscht.

Richter Buckolt erwähnte zudem einige Chatprotokolle des Mannes. In den Online-Gesprächen hatte der Mann mit minderjährigen Mädchen Kontakt aufgenommen und Gespräche über sexuelle Praktiken geführt. »Das ist sehr harte Kost«, sagte der Richter. Die Chatgespräche hätten eindeutig auf ein Treffen mit den Kindern abgezielt.

Amtsanwalt Lars Streiberger forderte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung. Zudem solle der Mann 1300 Euro zahlen. »Man darf das Leid der Kinder in diesen Videos nicht vergessen«, betonte Streiberger. Nur weil es Konsumenten gebe, könne dieser »widerliche Markt« bestehen. »Sie sind das letzte Glied in der Kette«, sagte der Staatsanwalt zum Angeklagten.

Verteidiger Jürgen Häller forderte acht Monate und eine geringere Geldstrafe. Seinem Mandanten komme zugute, dass er nicht aktiv nach Inhalten gesucht, sondern das Video von anderen erhalten habe.

Richter Buckolt verurteilte den Mann schließlich zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung und redete ihm nochmals ins Gewissen: »Sie haben selbst eine Tochter.« Außerdem muss der Reichelsheimer 1200 Euro an den Deutschen Kinderschutzbund zahlen.

Zwar habe sich das Geständnis positiv ausgewirkt, dennoch falle die Vorstrafe schwer ins Gewicht. »Aber ich habe Hoffnung, dass Sie sich endgültig davon abgewandt haben.«



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