25. Mai 2012, 14:28 Uhr

Daniel Holbe setzt die Krimireihe von Andreas Franz fort

Reichelsheim–Dorn-Assenheim (hh). Mit »Todesmelodie« hat sich der Dorn-Assenheimer Daniel Holbe über Nacht in die A-Klasse der Kriminal-Autoren katapultiert. Der Thriller erschien Anfang Mai und steht auf Platz 2 der Bestsellerliste.
25. Mai 2012, 14:28 Uhr
Über Nacht in die A-Klasse der Kriminalautoren aufgestiegen: Daniel Holbe begibt sich von Dorn-Assenheim aus auf kriminalistische Spuren in und um Frankfurt. (Agenturfoto: artepura fotografie)

Holbe, Jahrgang 1976, ist ein waschechter Wetterauer und lebt mit seiner Familie im Reichelsheimer Stadtteil Dron-Assenheim. Besonders Krimis in und rund um Frankfurt faszinieren ihn, so wurde er Andreas-Franz-Fan. Der Kult-Autor arbeitete bis zu seinem Tod 2011 an dem Roman. Als Holbe einen eigenen Titel bei Droemer-Knaur anbot, war er überrascht von der Reaktion des Verlags: Ob er sich auch vorstellen könne, ein bereits bestehendes Projekt zu übernehmen? Er konnte. Holbe gelingt es, die Tradition der Franz-Reihe um Kommissarin Julia Durant gekonnt fortzusetzen: ein spannender Fall und ein kompaktes Ermittlerteam, das nicht so leicht aus der Reserve zu locken ist. Es geht um Sexualmorde, an den Tatorten läuft der Led-Zeppelin-Klassiker »Stairway to Heaven«.

Herr Holbe, wie fühlt man sich als Beststeller-Autor?

Daniel Holbe: Das ist überwältigend. Es war klar, dass die Neuerscheinung sehr beachtet wird, denn jeder weiß, dass Andreas Franz ein vielgelesener Autor war.

Wie war das erste Feedback?

Holbe: Das kommt ganz ungefiltert im Internet. Fünf-Sterne-Bewertungen bei Amazon, parallel dazu gab es sehr viele Fan-Einträge auf der Internetseite von Andreas Franz.

Wie kam es dazu, die Durant-Reihe von Franz weiterzuführen?

Holbe: Über die Fortführung verständigten sich Verlag und Franz’ Familie. Für mich wurde es zum Thema, als ich wieder ein Buchprojekt startete. Geplant war ein regionaler Krimi. Die räumliche Nähe und das Vorhaben selbst machten die Sache für den Verlag interessant.

Ein leichtes oder schweres Erbe?

Holbe: Als der Name Franz fiel, wusste ich, das sind Mega-Fußstapfen. Andererseits bin ich ein unverbrauchter Autor, der noch nicht durch eine Stilrichtung geprägt ist.

Kann man einen fremden Stil überhaupt kopieren?

Holbe: Andreas Franz hat etwas, was mir als Leser sehr zusagt und Figuren, die mir sehr sympathisch sind. Das macht es einfacher, sich in seinen Stil hineinzuversetzen.

Kannten Sie Franz persönlich?

Holbe: Nein. Leider nicht.

Als Leser fällt es schwer zu erkennen, wo endet Franz, wann beginnt Holbe.

Holbe: Diese Schnittstelle gibt es nicht. Man kann nicht sagen, der Roman ist x Prozent Franz oder y Prozent Holbe. Ich sage dazu nur: Es sind 100 Prozent Julia Durant.

Was zeichnet einen Julia-Durant-Krimi aus?

Holbe: Julia Durant meistert authentische Fälle, dazu sehr gut recherchierte Begebenheiten. Vor allem aber beeindruckt, dass Julia Durant keine Superheldin ist, sondern eine Person wie Du und ich.

Die Reihe um Durant besitzt sehr viel Lokalkolorit.

Holbe: Die Krimis sind allesamt deutschlandweit populär. Ich finde, ein Krimi sollte sich nicht vorwerfen lassen, dass er beliebig an jedem Ort austauschbar ist.

Thema Recherche. Franz nutzte seine ausgezeichneten Kontakte zur Polizei. Woher holt sich Daniel Holbe die Ideen?

Holbe: Ich möchte gerne mal selbst über so gute Kontakte verfügen. Auch wenn ich verständlicherweise noch nicht dieses Netzwerk habe, weiß ich, wen ich fragen kann.

Der Krimi selbst handelt von sogenannten Snuff-Videos. Hier wird die Tötung eines Menschen beim Sexualakt gefilmt, die Videos dann illegal vertrieben. Ist das wirklich authentisch?

Holbe: Es gibt Fälle dieser Form, und ich sage dazu nur: Ein Verbrechen, das getan werden kann, das wird auch getan. Diese Abgründe der Gesellschaft aufzuzeigen, war stets Franz’ Anliegen. Unabhängig hiervon gibt es natürlich einen realen Fall, der ihn inspiriert hat. Das war für mich zu Beginn nicht einfach, denn ausgerechnet im Herbst, als ich das Projekt übernahm, ging dies erneut durch die Medien.

Anmerkung: Holbe erinnert an den Fall Amanda Knox. Versehen mit dem Beinamen »Engel mit Eisaugen«, wurde die Amerikanerin verdächtigt, mit zwei Komplizen ihre Mitbewohnerin ermordet zu haben. Die Übernahme des Buchprojekts fiel in die Zeit, als ein Berufungsgericht Knox frei sprach.

Sind Sie Led-Zeppelin-Fan?

Holbe: Vor der ›Todesmelodie» war ›Stairway to Heaven» für mich nur einer der besten Rocksongs aller Zeiten, jetzt ist er sicherlich ein bisschen mehr.

Wo findet man Daniel Holbe im Roman? Privat oder beruflich?

Holbe: Spätestens dann, wenn es um die inneren, menschlichen Aspekte der Charaktere geht, kommt der Sozialarbeiter zum Vorschein. Mein Job an der FH Frankfurt ist Motiv für einen der Handlungsorte im Buch. Franz hat mir durch seine Romane auch viel an Detailwissen hinterlassen, die TV-Serie CSI muss ich mir jedenfalls deswegen nicht anschauen.

Schreiben Sie künftig ausschließlich Julia-Durant-Krimis?

Holbe: Erst einmal ja. Meine Aufmerksamkeit liegt voll und ganz bei Julia Durant, alles andere ist Zukunftsmusik.

Eigentlich wollten Sie ja einen eigenen Krimi beim Verlag anbieten.

Holbe: Mit dem halte ich es wie mit einem guten Wein: Der wird durchs Liegen nicht schlechter. Hierfür ist momentan aber einfach keine Zeit.

Wird es mit Julia Durant weitergehen?

Holbe: In jedem Falle. Anfang März 2013 erscheint der nächste Band: »Tödlicher Absturz«. Zu dem Werk gibt es bereits eine gute Idee. Die reicht schon, um mit den Figuren etwas Spannendes zu entwickeln.

Was liest Daniel Holbe, wenn er keine Krimis schreibt?

Holbe: Querbeet. Da habe ich keine Präferenzen.

Wann und wo schreiben Sie Ihre Romane?

Holbe: Ich kann fast überall schreiben, egal ob in Frankfurt oder hier im Büro. Das kann mal ad hoc oder die ganze Nacht sein. Natürlich liegt jeder Story zu Beginn ein schlüssiges Konzept zugrunde, ich muss wissen, wo ich hin will. Die Ausgestaltung entwickelt sich dann beim Schreiben. Und wenn mal nicht alles so läuft oder ich unter Termindruck stehe, dann schnappe ich mir das Diktiergerät, bin in Wald und Wiese unterwegs und sage mir: Okay, dann beweg Dich und sprich irgendwas aufs Band. Man ist rund um die Uhr gedanklich im Thema. An einem normalen Wochenende können so schon mal 30 Seiten entstehen – oder eben nur 3.

Wer darf die frisch zu Papier gebrachten Kapitel zuerst begutachten?

Holbe: Die wandern direkt an meine erste Lektorin, meine Frau Julia. Die sagt mir dann: »Mach’s lieber noch mal« oder »Super, das ist im Kasten, das bleibt so stehen«.

Was läuft bei Daniel Holbe sonntags um 20.15 Uhr im Fernsehen?

Holbe: Nicht immer Tatort. (lacht ) Fragen Sie mich doch lieber, was um 18.50 Uhr läuft.



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