19. Juni 2013, 13:08 Uhr

Kein TÜV: Barrenturner bleiben am Boden

Rosbach v. d. H. (sky). Nach dem Laternenfest in Bad Homburg und dem Landesturnfest in Friedberg im Juni letzten Jahres hatte das Turnfest 2013 in Mannheim die dritte Station sein sollen, an der der Turngau Feldberg seine Barrenturner (die meisten davon aus Rosbach) in den Festumzug schickt.
19. Juni 2013, 13:08 Uhr
Hier war’s kein Problem: der Turngau-Festwagen beim Umzug in Friedberg. (Foto: pv)

Dass daraus nichts geworden ist, »verdanken« die sportlichen Herren einer TÜV-Vorschrift aus dem Jahre 1989, die kürzlich wiederentdeckt wurde und nun an vielen Orten nach strengen Maßstäben Umsetzung findet.

TGO-Mitglied Alfred Keller und das Organisationsteam vom Turngau sind sauer. »Wir haben erst im letzten Moment erfahren, dass die Stadt Mannheim die Teilnahme unseres Wagens nicht genehmigen wird«, sagt er. Wäre man trotzdem mitgefahren, wäre der Start des gesamten Festzuges untersagt worden. Die Richtlinien, die lange Jahre unbemerkt in den Behördenschubladen geschlummert hätten, seien in vielen Bereichen realitätsfern und überzogen, findet Keller.

Der Tieflader-Anhänger von Rüdiger Cornel stand schon bereit, um mit einem aufmontierten Barren durch die Straßen von Mannheim zu ziehen und mit dem Konterfei von Turnvater Jahn auf sich aufmerksam zu machen. Zeit und Geld hatte man investiert. Sechs junge Männer hatten ihre Kunstübungen am Barren bis ins Detail geprobt und wollten – flankiert von einer aufmerksamen Fußgruppe aus dem Verein – ihr Können unter Beweis stellen.

Kurz vor dem Start dann die Absage: die Sicherheitsmaßnahmen seien nicht ausreichend. Die Räder müssten überbaut oder überdeckt sein, ein Geländer montiert werden – und der ganze Wagen sei ohnehin zu lang. Zudem hätte man für diese Aktion zuvor eine TÜV-Abnahme des Gespanns in die Wege leiten müssen. Das hätte zwischen 100 und 300 Euro gekostet und wegen der Größe der Wagen in vielen zugelassenen Werkstätten nicht durchgeführt werden können, sagt Keller. Eine Fahrt zur Prüfstelle in Friedberg wäre notwendig gewesen.

»Vorschriften nicht praxistauglich«

»Wenn es um die Sicherheit der Menschen geht, ist dagegen ja grundsätzlich nichts einzuwenden«, meint Vereinsberater Rolf Lutz aus Florstadt. Niemand wolle grobe Fahrlässigkeiten dulden. Das sei schon im eigenen Interesse selbstverständlich. In diesem Fall jedoch hätten die Vorschriften genau das Gegenteil erreicht: »Ein Geländer würde die Bewegungsfreiheit der Turner einschränken und sie gefährden anstatt zu schützen«, erklärt Lutz. Eine eventuelle Hilfestellung für die Männer am Barren sei durch die Stangen eines Geländers hindurch nahezu unmöglich.

Lutz fürchtet nun um die Existenz zahlreicher traditioneller Festumzüge, wenn die Verordnungen nicht entschärft und der Realität angepasst würden. »Die sind am Grünen Tisch formuliert worden und überhaupt nicht praxistauglich.« Viele Selbstverständlichkeiten seien darin enthalten und würden das Werk unnötig aufblähen, andere Regeln wiederum seien hinderlich, um Festumzüge künftig überhaupt noch durchführen zu können. »Ein Traktor mit einem grünen Nummernschild darf keinen Festwagen ziehen«, erläutert er. »Wo sollen wir da unsere Zugmaschinen hernehmen?«

Am 10. Juli wird für alle interessierten Vereine im Florstädter Bürgerhaus eine Informationsveranstaltung stattfinden, in der Vertreter von TÜV und Polizei Rede und Antwort stehen wollen. 50 Vereine haben sich dazu bereits angemeldet.

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